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ARD-Reportage: „Mission Sauberer Sport“ Erst senden, dann fragen

18.01.2007 ·  Offenbar vergeuden die deutschen Dopingfahnder ihre knappen Ressourcen. Schlamperei oder Absicht? Recherchen der ARD werfen mehr Fragen auf, als dass sie echte Antworten geben. Hat sich Olympiasieger Lars Riedel absichtlich Dopingproben entzogen?

Von Michael Reinsch
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Die Bundespolitik wird sich in vierzehn Tagen damit beschäftigen, dass Dopingkontrolleure immer wieder bei Spitzensportlern klingeln und ihnen niemand öffnet. Noch bevor die Fernsehreportage „Mission: Sauberer Sport“ am Mittwochabend in der ARD gesendet wurde, setzte der Sportausschuss des Deutschen Bundestages eine Anhörung an, zu der die Spitze der deutschen Sportverbände, der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) sowie die Repräsentanten der deutschen Spitzensportler eingeladen werden sollen. Vielleicht wird sogar ein Tribunal daraus; Aufgeregtheit und Empörung über Athleten, die sich zu Hunderten um Dopingkontrollen zu drücken scheinen, lassen das befürchten.

Doch mindestens ebenso erstaunlich wie die Wirkung einer Fernsehsendung schon vor ihrer Ausstrahlung ist es, dass zwei erfahrene Reporter nach einem Vierteljahr intensiver Recherchen, die sie bis nach Finnland und nach Kanada führten, mit mehr Fragen dastehen als vorher. Und noch erstaunlicher ist es, dass die beiden, statt auf Antworten zu dringen, erst mal auf Sendung gehen.

Aber der Termin stand, und er war der ARD schon als Signal sehr wichtig: Lange genug hatte sie sich schließlich dafür kritisieren lassen müssen, dass sie sich als Sponsor im Profiradsport engagiert, dass sie den wegen Dopingverdachts suspendierten Radprofi Jan Ullrich für Interviews fürstlich entlohnt und auch ansonsten viel zu viel gejubelt hatte (Siehe auch: Ullrichs Vertrag: Die ARD demontiert sich selbst).

So naiv kann niemand sein

Nun hört sie mit den kritischen Fragen gar nicht mehr auf. Leider lässt sie das Publikum damit allein: Hat sich der im Fernsehen erwähnte Olympiasieger und fünfmalige Weltmeister, unschwer als Lars Riedel zu erkennen, absichtlich Dopingproben entzogen? Unterschlägt die einzig und allein für unabhängige Dopingkontrollen gegründete (Nada) Meldungen von der Abwesenheit von Spitzensportlern? Allein diese Fragen, auf die zu antworten sich Riedel und Nada beeilten (Siehe auch: Doping: Bach will Aufklärung von der Nada), alarmieren nur die, die von einem Dopingkontrollsystem tatsächlich fehlerlose und effektive Arbeit erwarten. Doch so naiv kann niemand sein, der sich auch nur gelegentlich mit Sport beschäftigt.

Der Dopingprozess gegen den Trainer Thomas Springstein und die Veröffentlichung von Teilen seiner Korrespondenz haben im vergangenen Jahr deutlich gemacht, dass die Mitglieder von Doping-Netzwerken sich um Kontrollen kaum Gedanken zu machen brauchen.

Schlamperei oder Absicht?

Die meisten Substanzen und Verfahren, die professionelle Doper einsetzen, sind mit den üblichen Kontrollen nicht nachzuweisen. Nicht einmal mit den Prozessakten in Händen kann ein Verband wie der der Leichtathleten offensichtliche Manipulateure sanktionieren.

Offenbar vergeudet die Nada ihre knappen Ressourcen, indem sie Kontrolleure oft genug nutzlos durch die Gegend fahren lässt. Ob das Schlamperei oder Absicht ist, ist eine interessante Frage. Schon kündigt die Nada konzentriertere Arbeit an. Doch so glänzend, dass ein paar Macken das Ansehen hätten beschädigen können, standen die Dopingfahnder schon vorher nicht da. Der Lack ist längst ab.

Quelle: F.A.Z., 18.01.2007, Nr. 15 / Seite 26
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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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