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Alfons Hörmann : Die Vision vom Supermann

Heute hier, morgen da, immer busy: Alfons Hörmann soll neuer DOSB-Präsident werden Bild: dpa

Der designierte DOSB-Chef Hörmann übernimmt nach der Wahl an diesem Samstag eine komplizierte Aufgabe - aber seinen Laden kann er erst nach der Wahl auf Herz und Nieren prüfen.

          Was muss der zukünftige Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) eigentlich können? Alfons Hörmann hat ein bisschen gezuckt bei der Vorstellung des Anforderungsprofils: So ein Kandidat muss den Sport von der Basis bis zur Spitze in- und auswendig kennen, er soll auf der internationalen Bühne brillieren, mit Politik wie Wirtschaft bestens vernetzt sein und von den Kulturpäpsten der Republik als Kollege akzeptiert werden.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Er muss die Zukunft voraussehen, visionäre Konzepte entwickeln, den Geist des Sports unter die Menschen tragen und nicht ganz nebenbei all die bösen Mächte bezwingen. Er muss schlicht Supermann sein.

          Alfons Hörmann bleibt wenigstens für eine Stunde auf dem Boden. Sein Anzug sitzt wie maßgeschneidert für eine sportliche Figur. Nichts deutet auf einen plötzlichen Abflug aus dem Sessel heraus zu einer Mission des Guten hin. Hörmann, 53 Jahre, fliegt ohnehin genügend in der Weltgeschichte herum. Heute hier, morgen da, immer busy. 200 Tage im Jahr außer Haus.

          „Damit kommen sie wahrscheinlich nicht hin“, sagt der Allgäuer am Flughafen in Frankfurt. Es ist effizient, sich an einem Verkehrsknotenpunkt zu treffen, keine Zeit zu verschwenden auf Abwegen vom eigentlichen Kurs. Hörmann ist dem Sport bislang unter anderem als Präsident des straff organisierten Deutschen Skiverbandes (DSV) bekannt.

          Hörmann kennt die Sorgen des Sports

          Im wirklichen Leben leitet er die zufällig so wie er heißende Hörmann-Gruppe, einen Konzern mit rund 3500 Mitarbeitern. Das Alltagsdenken hat seine Sprache gefärbt. Da wird der Sport schon mal zum „Produkt“, der Gedanke an die notwendigen Verbesserungen mündet in eine wohlwollende Sanierungsstrategie.

          Hörmann kennt die Sorgen des Sports, die Finanzierungsprobleme auf allen Ebenen, den bedrohlichen Rückgang des ehrenamtlichen Engagements, die alarmierenden Vorbehalte der Bevölkerung gegen den Spitzensport.

          Thomas Bach (Foto links) ist nun IOC-Präsident, Hörmann soll im beim DOSB folgen

          Aber gut eine Woche vor seiner Wahl hat er keine Lösungen anzubieten, keine Visionen zu formulieren: „Mein Bild ist noch nicht vollkommen. Wir haben für Mitte Dezember eine Klausurtagung anberaumt mit dem Präsidium und den Direktoren (des DOSB). Es wäre falsch, von außen kommend jetzt den notwendigen Antworten vorzugreifen. Meine Aufgabe wird sein, dort die richtigen Fragen zu stellen. Ich will eine offene Diskussion und werde dann die Priorisierung angehen.“

          Das ist kurios: Der designierte Sportchef Deutschlands prüft seinen Laden erst nach der Wahl auf Herz und Nieren. Und die Wähler erfahren erst nach ihrem Votum, was ihrem ersten Mann konkret vorschwebt. Das ist nicht Hörmanns Schuld. Erst im Herbst ist er ernsthaft angesprochen worden für einen hochkomplizierten Job ab Dezember.

          Zeit ist nicht reif für Topverdiener

          Das hört sich so an, als habe der Sport keinen Plan gehabt. Weit gefehlt. Der Supertaktiker Thomas Bach, am 10. September vom DOSB-Präsidenten zum Boss des Internationalen Olympischen Komitees aufgestiegen, dachte sehr wohl strategisch. Nur ist die Kalkulation nach einer Hinhaltephase gescheitert: Kaum jemand im organisierten Sport war bereit, den Generaldirektor Michael Vesper zum hauptamtlichen DOSB-Präsidenten zu befördern.

          Die Dominanz des früheren Grünen-Politikers, seine Art, Meinungen zu machen und wenig Spielraum für andere zu lassen, hat die Sportkameraden verprellt. Für Topverdiener an der Spitze des DOSB ist die Zeit nicht reif. Wegen der krassen Fehleinschätzung gab es keine langfristige Vorbereitung für die Nachfolge Bachs.

          Alfons Hörmann kennt die Sorgen des Sports

          Dabei war seit den Sommerspielen 2012 absehbar, dass auf den Sport besonders schwere Zeiten zukommen würden. An der Planungsschwäche haben alle ihren Anteil. Zwar beklagten Landessportbünde und mancher Fachverband schon im Sommer die Niederschlagung eines zarten Versuchs, so etwas wie eine Meinungsbildung quer über alle Mitgliedsorganisationen auf die Beine zu stellen.

          Aber niemand wagte es, gegen Bach aufzustehen. Nun hat Deutschland einen IOC-Präsidenten, der sich 15 Jahre auf den Posten im Olymp vorbereitet hat, und es bekommt einen Sport-Führer, dem zwei Monate blieben, sich mit dem Gedanken anzufreunden.

          Politik und der Anti-Doping-Weg

          Bachs Abschied nach sieben Jahren als DOSB-Primus wird an diesem Samstag noch einmal gefeiert. Ab dann steht die hohe Versteuerung des Erbes an, ein heikles innenpolitisches Programm: Auf die (berechtigte) Finanzierungsforderung des Sports hat Berlin schon mit Häme geantwortet. Die Politiker aus CSU und SPD beeilen sich gerade, dem autonomen Sport den Anti-Doping-Weg vorzuschreiben.

          Die Trainer wollen nach der gescheiterten DOSB-„Offensive“ ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Auch untereinander wird misstraut, seit der DOSB im vergangenen Jahr (vergeblich) versuchte, die Stiftung Deutsche Sporthilfe zu übernehmen. Dagegen hat das Präsidium des DOSB Hörmann ausdrücklich das Vertrauen ausgesprochen, nachdem der „Spiegel“ die Verwicklung des Managers in einen vom Bundeskartellamt beklagten Wettbewerbsverstoß beschrieben hatte.

          „Das könnte auch demotivierend wirken“

          Hinter den Kulissen wird es allerdings nun als passend empfunden, dass Hörmann zunächst nur für ein Jahr gewählt werden kann, wie zur Probe. Ob Hörmanns Bestandsgarantie für die ehrenamtliche Führung des DOSB mit dieser Spitze zusammenhängt?

          Denn dessen Haltung ist unmissverständlich: „Ich glaube, es ist motivierender, wenn ein Ehrenamtler an der Basis sieht, dass der Präsident auch keinen Euro kriegt für seine Aktivitäten. Wenn der Vereinsvorsitzende unentgeltlich sehr viel Zeit investiert und an der Verbandspitze einen top bezahlten Manager sieht, dann könnte das auch demotivierend wirken.“

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