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Deutscher Sport : 23,2 Millionen Euro Aufschlag

Wirbt für eine „gewisse Leichtigkeit“: Horst Seehofer. Bild: EPA

Der DOSB erhält noch für 2018 einen Aufschlag auf die staatliche Spitzensportförderung. Insgesamt bekommt er damit direkt aus dem BMI gut 193 Millionen Euro. Horst Seehofer gibt zudem ein Versprechen ab.

          Horst Seehofer deutete es an, Alfons Hörmann verkündete es, und Markus Kerber zollte seinen Respekt: Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) erhält noch für dieses Jahr einen Aufschlag auf die staatliche Spitzensportförderung von 23,2 Millionen Euro. Insgesamt bekommt er damit direkt aus dem BMI gut 193 Millionen Euro. Der Innenminister hatte nach seinem ersten Besuch im Sportausschuss des Bundestages am Mittwochnachmittag angekündigt, dass er in der Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses Wichtiges für den Sport zu verhandeln habe. Der Präsident des DOSB sorgte am Abend beim Parlamentarischen Abend seiner Organisation im Velodrom, bei dem einige sichtlich unter dem Eindruck des Scheiterns der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft standen, für eine deutliche Aufhellung der Stimmung.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Er verriet in seiner Rede, dass er gerade die Nachricht vom Handy des zuständigen Haushaltspolitikers, des SPD-Abgeordneten Martin Gerster, erhalten habe, dass der bemerkenswerte Zuschlag für den Sport gewährt sei. Und der Staatssekretär, der am Abend Seehofer vertrat, weil dieser seine Flüchtlingspolitik in einer Talkshow vertrat, lobte die zuletzt als mangelhaft kritisierte Vernetzung der Sportorganisation im politischen Berlin. Die Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker und Hörmann hätten die gute Nachricht Minuten vor ihm erhalten, lobte Kerber.

          Sieben Millionen und damit der größte Teil des Nachschlages sind für Bundesstützpunktleiter und Trainer vorgesehen – also mit der Perspektive, in den nächsten Jahren mehr zu werden. 3,5 Millionen fließen in die Verbandsförderung. Ebenso viel geht an die Stiftung Deutsche Sporthilfe mit der Perspektive, deren Etat mittelfristig auf 25 Millionen Euro zu verdoppeln und nicht nur Athleten direkt zu unterstützen, sondern auch eine Altersversorgung für sie einzurichten. Drei Millionen sind für die Institute IAT und FES vorgesehen, für Trainingswissenschaft und Gerätebau. Trainerprämien für Erfolg bei Olympischen und Paralympischen Spielen von Pyeongchang in diesem Jahr belaufen sich auf 1,4 Millionen Euro. Ein weitere Million ist für neue Wettkampfformate deklariert, 800.000 für Innovationsprojekte von Verbänden, 830.000 Euro zur Stärkung des Sports für Menschen mit Behinderungen und paralympischen Sport. 500.000 Euro gehen für Sportstätten nach Oberstdorf, wo 2021 die nordische Ski-Weltmeisterschaft stattfindet. 300.000 Euro sind für sportmedizinische Untersuchungen vorgesehen, 225.000 für die Sportlervertretung Athleten Deutschland.

          Seehofer gab sich am Mittwoch als milder Sportfreund und versprach eine Wende in der Sportpolitik des Bundes – hin zu mehr Gelassenheit. Die Vorgabe seines Vorgängers Thomas de Maizière, dass die deutschen Mannschaften bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften ein Drittel mehr Medaillen gewinnen sollen, kassierte er ebenso wie das Diktum des Bundesrechnungshofes, dass die Sportverbände unter dem Dach des DOSB erst Fortschritte bei der Spitzensportreform nachweisen sollen, bevor ihre Förderung aufgestockt wird.

          „Natürlich ist es immer wichtig, dass man auf dem Podest landet“, sagte der CSU-Politiker. „Ich werbe immer dafür, dass wir dies mit einer gewissen Leichtigkeit verbinden. Statistisch Erwartungshaltungen zu definieren und nur darauf zu starren: was hat die Statistik an Ergebnissen gezeitigt, das würde ich für falsch halten.“ Die ersten Olympischen Spiele, die er miterlebt habe, seien die von München 1972 gewesen, und diese wurden bis zu dem schrecklichen Attentat von Freude und Leichtigkeit geprägt. „Ich bin gegen Verbissenheit, dieses Kämpfen um jeden Preis“, sagte Seehofer. „Die Freude am Sport sollte immer noch der erste Maßstab sein.“

          Auch soll sein Haus sich, im Gegensatz zur Vergangenheit, nicht in die Politik der Verbände einmischen. „Ich glaube, die Politik ist gut beraten, wenn sie sich nicht als Vormund betätigt, sondern sich sportfachlich nach denen richtet, die im Sport tätig sind“, sagte Seehofer. Der DOSB habe seine volle Unterstützung bei der Reform des Spitzensports. „Wir werden dafür sorgen, dass für die Reformbestrebungen mehr Geld im Bundeshaushalt zur Verfügung gestellt wird. Wir werden den DOSB unterstützen beim Anti-Doping-Kampf, und wir werden auch dafür werben, und stimmen darin mit dem DOSB überein, dass wir uns wieder mehr um Großveranstaltungen bewerben sollten, auch wenn zwei Olympiabewerbungen gescheitert sind.“ München 2018 und Hamburg 2024 fielen bei Volksentscheiden durch. „Ich glaube, diesen Widerstand in der Bevölkerung kann man überwinden“, sagte Seehofer, „wenn wir den Kommerz aus diesen großen Veranstaltungen stärker herausnehmen, wenn es wieder mehr um den Sport an sich geht. Da hat der DOSB meine volle Rückendeckung.“

          Seehofer betonte die große Bedeutung des Sports in der Gesellschaft und griff dabei weit über die Zuständigkeit des Bundes hinaus, die Repräsentation des Landes durch Nationalmannschaften und dessen Vertreter. Dass der Sport an vorderster Stelle stehe, zeige sich in der Begeisterung für die Fußball-Weltmeisterschaft, in dem hohen Maß ehrenamtlichen Engagements, in der integrativen Wirkung für Migranten und in seiner gesundheitspolitische Bedeutung. Deshalb habe der Sport seine, Seehofers, Unterstützung.

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