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Veröffentlicht: 08.04.2013, 19:38 Uhr

1. FC Kaiserslautern Verbrennen von Steuergeld?


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Eine „Zwangssicherheitshypothek“ auf eine Wohnung des FCK

Sechs Millionen Euro hat gerade die sogenannte Betze-Anleihe mit fünf Prozent Jahreszins bei den Fans eingespielt. Mit dem Geld soll zweckgebunden das ebenfalls in Besitz der Stadiongesellschaft befindliche Nachwuchsleistungszentrum „Fröhnerhof“ wieder übernommen und in Schuss gebracht werden. In Zukunft will der Verein mehr von Talenten profitieren und sich dadurch wirtschaftlich besserstellen. Bei der Werbung für die Anleihe hoben die Klubverantwortlichen hervor, dass der Verein nun „schuldenfrei“ sei. Diese Aussage wirkt wie Augenwischerei. In der aktuellen Bilanz des Vereins stehen rund 9,2 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Der FCK verweist darauf, dass darunter keine Finanzverbindlichkeiten seien (zum Beispiel Fremdkapital von Banken) und dagegen Forderungen und Kassenbestände in Höhe von 10,2 Millionen stünden. Auch der prognostizierte Verlust für diese Saison werde geringer ausfallen. Zeichnet hier jemand ein viel zu positives oder sogar falsches Bild?

1. FC Kaiserslautern - 1. FC Köln © dpa Vergrößern Zumindest sportlich läuft es einigermaßen: Nach dem Sieg gegen den 1. FC Köln am Wochenende ist Kaiserslautern (hier mit Mohamadou Idrissou, links) wieder auf dem 3. Rang

Im Wertpapierprospekt der Betze-Anleihe steht auf Basis der Analysen der Wirtschaftsprüfer, dass der FCK nach diesem Geschäftsjahr voraussichtlich wieder ein „deutlich negatives Vereinsvermögen“ ausweisen wird. 1,2 Millionen Euro Stadionmiete wurden von der Stadt bis 2014 gestundet. Aus einer Beschlussvorlage des Oberbürgermeisters aus dem vergangenen Jahr geht hervor, dass das Hinausschieben der Fälligkeit eine Forderung der Deutschen Fußball-Liga bei der Lizenzierung war. Von den Besserungsscheinen in Höhe von 5,3 Millionen Euro wurde bisher erst eine Million zurückgezahlt. 1,8 Millionen wurden verrechnet mit Investitionen des FCK in das Stadion. Der Rest ist noch offen.

Ein Aufsichtsratsmitglied der Stadiongesellschaft bemängelte im Zuge der Verrechnung der Leistungen schon den Mangel an Transparenz. Viel negativer sieht es Quante vom Steuerzahlerbund: „Wird Kaiserslautern vom FCK jemals sein Geld komplett wiederbekommen? Daran glaube ich nicht. Für die Besserungsscheine des Fußballklubs fällt mir nur eine gute Verwendung ein. Man sollte sie einrahmen und gut sichtbar im Ratssaal aufhängen. Als ewige Mahnung für alle Ratspolitiker, sich gegen das Verbrennen von Steuergeld im Profisport einzusetzen.“ Nun erfuhr diese Zeitung von einer „Zwangssicherheitshypothek“ auf eine Wohnung des FCK aufgrund von Forderungen durch das Finanzamt und die Abtretung von aktuellem Fernsehgeld für eine Steuerschuld in Höhe von insgesamt 1,598 Millionen Euro. Der Verein spricht nur von einer „hinterlegten Sicherheit“.

Kritiker befürchten erhebliche Gefahren für den Steuerzahler

Die FCK-Chefs erwecken gerne den Eindruck, als hätten sie eine marode Unternehmung fein herausgeputzt. Seit Kuntz 2008 (bei positivem Eigenkapital und etwas geringeren Verbindlichkeiten) in die Verantwortung kam, rutschte der Klub jedoch schon zweimal in die bilanzielle Überschuldung - gewiss auch wegen Steuernachzahlungen aus einer Zeit lange vor ihm. Wie genau der Deal mit der Stadt für das Nachwuchsleistungszentrum funktionieren soll, weiß noch keiner. Das Kaiserslauterner Stadtmagazin „Regiogeflüster“ hat einen Preis für das Areal und die Immobilie von 6,9 Millionen errechnet, womit das Geld der Anleihe schon weg wäre, ohne dass weitere Investitionen stattfinden könnten. Von den FCK-Verantwortlichen wird daher das Erbpachtmodell ins Gespräch gebracht und hierbei sogar eine neue Verschuldung per Hypothek in Erwägung gezogen.

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Kritiker befürchten erhebliche Gefahren für den Steuerzahler, der schon einmal zur Jahrtausendwende über das Land Rheinland-Pfalz 2,8 Millionen Euro in das „Fröhnerhof“-Projekt gesteckt hat. Im Anleiheprospekt wird davon ausgegangen, dass der FCK im Jahr 2019 die sechs Millionen Euro nicht bedienen kann und deshalb möglicherweise eine Umschuldung durch eine weitere Anleihe vornehmen muss. Die Verantwortlichen haben ambitionierte Pläne, aber scheuen offenbar kein Risiko. „Mit dem Geld sollte der FCK endlich die millionenschweren Besserungsscheine bei der Stadt ablösen. Wie will der Verein ein solches Zentrum auf Erbpacht langfristig betreiben, wenn das Geld nicht einmal für die Stadionmiete reicht?“, fragt Quante.

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