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Sportler des Jahres 2011 Neuner, Nowitzki, Dortmund

 ·  Die Sportler des Jahres sind gekürt: Magdalena Neuner und Borussia Dortmund als Mannschaft siegen erwartungsgemäß. Dirk Nowitzki setzt sich gegen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel durch. Zurecht: Denn er hat den Basketball verändert.

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© dpa Vergrößern Deutschlands Sportler des Jahres: Dirk Nowitzki - eine Woche vor dem verspäteten Saisonstart in der NBA wurde der Unterfranke für die Zeremonie aus Dallas live zugeschaltet - und freute sich sichtlich über die Auszeichnung

Dirk Nowitzki, wer sonst? Fern der Heimat hat der Basketball-Star der Dallas Mavericks die letzte Ehrung dieses Jahres wahrgenommen: Der Würzburger ist von den deutschen Sportjournalisten zum Sportler des Jahres 2011 gewählt worden, vor dem zweimaligen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel und Chinas einziger Bedrohung im Tischtennis, Timo Boll.

Bei den Frauen erhielt die strahlende Biathletin Magdalena Neuner die meisten Stimmen. Zweite wurde die deutsche Hoffnung im Tennis, Andrea Petkovic, vor Ski-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch. In der Mannschaftswertung dominierte der Fußball. Jürgen Klopps Jugendstil-Ensemble der Dortmunder Borussia schlug mit dem begeisternden Lauf zum Meistertitel sogar die Nationalmannschaft. Der Ruder-Achter kam als Dritter ins Ziel.

Nowitzki wäre gerne zur Preisverleihung in den Galasaal des Kurhauses von Baden-Baden gekommen. Er fühlt sich wohl unter den Meistern des Spitzensports. Aber wegen des langen Tarifstreites sind die Teams erst seit gut einer Woche im Training. Am nächsten Sonntag steht das erste Spiel an. Niemals hätte Teambesitzer Mark Cuban seinem besten Mann die Freigabe für einen Abstecher nach Deutschland erlaubt. Aber zu einem Konflikt ist es erst gar nicht gekommen.

Denn Nowitzki will die kurze Vorbereitungszeit so intensiv wie möglich nutzen. Nach 13 Jahren, nach rund 1100 Spielen in der stärksten Liga der Welt und insgesamt etwa 26 000 Punkten fasziniert ihn Basketball wie am ersten Tag: „Ich liebe dieses Spiel.“

Ungekrönter Star

Man hätte den inzwischen 31 Jahre alten Franken schon früher zum Sportler des Jahres wählen können. Kein Deutscher vor ihm hat die beste Basketball-Liga der Welt so beeindruckt, keiner hat sich Jahr für Jahr auf höchstem Niveau gesteigert. Aber ihm fehlte, was in der Welt des Sports so wichtig genommen wird: ein Titel. Bevor er mit Dallas im Juni die bedeutendste Klubmeisterschaft gewann, galt er als ungekrönter Star, als Mann ohne Fortune, als jemand, der alles hat, nur nicht die angeblich nötige Rücksichtslosigkeit der Siegertypen. Die Sportwelt reagiert auf solche Phänomene mit brutaler Direktheit: No-winzki nannten sie ihn in den Vereinigten Staaten.

In der vergangenen Saison verwandelte sich diese Charakterisierung dann beim Anblick traumhafter Würfe auf dem Weg zum NBA-Finale in den Ehrentitel No-misski. Beide Wortschöpfungen werden ihm nicht gerecht. Nowitzki transportiert ganz andere Botschaften. Er hat sich seit dem ersten Auftritt in Dallas nie von dem System korrumpieren lassen, sondern immer sein Spiel in den Mittelpunkt gestellt, die Weiterentwicklung zur Sommerzeit in einer Sporthalle in der fränkischen Provinz gehört dazu.

Dort ist der Basketball verändert worden, dort hat Nowitzki mit seinem Mentor Holger Geschwindner die Spielweise eines 2,13 Meter-Mannes revolutioniert. Früher wurden solche Typen ans Brett gestellt, zu Nahkämpfern unter dem Korb ausgebildet. Dank seines Bewegungstalentes konnte Nowitzki sein Spiel vom Flügel aus einfädeln, mit Würfen, wenn die Verteidiger zu weit weg sind, mit dem Zug zum Korb, wenn sie ihm zu nahe kommen. Die NBA-Verteidigungsstrategen haben sich daran die Zähne ausgebissen. Selbst die Längsten werden heute gerne mal auf der Außenposition ausprobiert - auf der Suche nach einem neuen Nowitzki. Er hat das Spiel verändert.

Seltene Gelassenheit

Diese Wirkung mag er mit anderen Sportlern des Jahres gemein haben. Nowitzki ist aber mit einer im Spitzensport selten zu erkennenden äußerlichen Gelassenheit zu einem der Besten seines Sports geworden. Er hat große private wie sportliche Enttäuschungen, etwa die Niederlage im NBA-Finale von 2006, ohne Lamento weggesteckt. Er hat jahrelang den Einflüsterungen und Kommentaren - auch an dieser Stelle - widerstanden, Dallas zu verlassen und sich um des maximalen Erfolges willen endlich ein Meisterteam zu suchen.

Nowitzki entzog sich auch weitgehend den üblichen Vermarktungsmechanismen, um Zeit für sich, für sein Spiel zu haben. Dabei ist etwas entstanden, was über den Sport hinaus von Bedeutung ist: ein tiefes, unaufdringliches Selbstvertrauen und Glaubwürdigkeit. Das ließ sich in der Finalserie erkennen, die Nowitzkis Karriere spiegelte. Das Spiel eines Jungen, der mit Talent alle überragte, der sich im Laufe von Begegnungen entwickelte, scheiterte und doch nicht aufgab. Im entscheidenden Spiel des NBA-Finales verblüffte er mit einer erstaunlichen Fehlwurf-Arie bis ins dritte Viertel hinein.

Aber als es darauf ankam, traf er wieder. Niemand seiner Mitspieler hatte daran gezweifelt. So ein Zusammenspiel der Kräfte ist nur möglich, wenn man sich immer als Teil des Ganzen sieht und nie als Selbstdarsteller.

Die Wahl zum Sportler des Jahres 2011

„Sportlerin des Jahres“:

1. Magdalena Neuner (Biathlon) 4260 Stimmen
2. Andrea Petkovic (Tennis) 2002
3. Maria Höfl-Riesch (Ski alpin) 1849
4. Sabine Lisicki (Tennis) 1222
5. Betty Heidler (Leichtathletik) 1077
6. Jenny Wolf (Eisschnelllauf) 959
7. Tatjana Hüfner (Rodeln) 756
8. Viktoria Rebensburg (Ski alpin) 649
9. Judith Arndt (Radsport) 644
10. Lena Schöneborn (Moderner Fünfkampf) 510

„Sportler des Jahres“:

1. Dirk Nowitzki (Basketball) 3868 Stimmen
2. Sebastian Vettel (Motorsport) 3503
3. Timo Boll (Tischtennis) 1565
4. Stefan Bradl (Motorsport) 1201
5. Robert Harting (Leichtathletik) 1170
6. Matthias de Zordo (Leichtathletik) 658
7. Martin Kaymer (Golf) 612
8. Philipp Boy (Turnen) 611
9. David Storl (Leichtathletik) 503
10. Philip Köster (Windsurfen) 490

„Mannschaft des Jahres“:

1. Borussia Dortmund (Fußball) 3409 Stimmen
2. Fußball-Nationalteam Männer 2684
3. Deutschland-Achter (Rudern) 2406
4. Biathlon-Frauenstaffel 1606
5. Hockey-Nationalteam Männer 899
6. Tischtennis-Team Männer 846
7. Savchenko/Szolkowy (Eiskunstlauf) 808
8. Volleyball-Nationalteam Frauen 705
9. HSV Hamburg (Handball) 560
10. Viererbob (Machata) 461

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