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Sportgate-Insolvenz : Boris Becker kommt billig davon

  • Aktualisiert am

Glückliches Ende im Sportgate-Streit für Becker Bild: AP

Nur 5.700 statt der geforderten 1,5 Millionen Euro muß Boris Becker im Zusammenhang mit der Pleite der Internetfirma Sportgate zahlen. Eine von Becker leichtfertig unterzeichnete Erklärung sei hinfällig, entschied ein Gericht.

          Boris Becker muß nicht mit einem Millionenbetrag für die Insolvenz der Internetfirma Sportgate haften. Die 12. Zivilkammer des Landgerichts München I schmetterte am
          Donnerstag die Forderung von Sportgate-Insolvenzverwalter Hartwig Albers auf Zahlung von 1,5 Millionen Euro plus Zinsen ab. Becker muß aber rund 5700 Euro wegen Unterbilanzhaftung zahlen. Der 36jährige war an der Internetfirma beteiligt, die 2001 nur wenige Monate nach dem Start in die Pleite schlidderte.

          Glamourös war Sportgate als Internetportal angekündigt worden, das mit Sportinformationen und Kontaktbörsen vor allem Freizeitsportler ansprechen wollte. Vor dem Brandenburger Tor in Berlin posierte Werbeträger Becker damals für die Medien-Welt. „Ist ja klar“, sagte
          er, natürlich wolle er auch Geld verdienen. Daraus wurde nichts: Erst ging Sportgate mit monatelanger Verspätung an den Start, dann war das Internetportal innerhalb weniger Monate zahlungsunfähig.

          „Sie haben sich nicht viel dabei gedacht“

          Aus der Pleite erwuchsen auch für den ehemaligen Tennisstar rasch auch finanzielle Risiken. In einer schriftlichen Erklärung hatte sich Becker im Juli 2000 zum Ausgleich von Sportgate-Verlusten bis zu 1,5 Millionen Euro verpflichtet. Dies nahm der Insolvenzverwalter zum Anlaß, gegen Gesellschafter Becker zu klagen.

          „Wir waren nicht von Juristen umgeben“, versuchte der dreifache Wimbledonsieger im September bei der mündlichen Verhandlung die Entstehung des laienhaft wirkenden Papiers zu erklären. Diese Naivität angesichts der - in englischer Sprache verfaßten - Patronatserklärung erstaunte nicht zuletzt den Vorsitzenden Richter der Zivilkammer. „Ich kann nicht verstehen, warum Sie das unterschrieben haben“, sagte Richter Stefan Bischoff zu Becker. „Ich habe den Eindruck, Sie haben sich nicht viel dabei gedacht.“

          "Locker aus der Hüfte" unterschrieben

          Der frühere Pixelpark-Chef Paulus Neef, einst Star der Internet-Szene während der Blüte am Neuen Markt, habe ihm an einer Bar in Paris von dem Sportgate-Projekt erzählt. Bei einem Treffen in Washington habe er ihm "locker aus der Hüfte" eine Erklärung unterschrieben, Verluste bis 1,5 Millionen Euro mitzutragen. Neef habe dies nur als Sicherheit für den Jahresabschluß von Pixelpark für zwei Monate gebraucht. Später sei die Erklärung zurückgenommen worden, hatte sich Becker gerechtfertigt.

          Wie im Oktober 2002, als Becker vom Landgericht München I wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt wurde, dabei aber nur denkbar knapp am Gang hinter Gittern vorbei kam, gab es für Becker auch am Donnerstag ein Happy-End.

          Aus eher formalen Gründen lehnte die Zivilkammer die Forderung des Insolvenzverwalters ab. Zweck der von Becker unterschriebenen Patronatserklärung sei gewesen, den „Fortbestand des Unternehmens durch rechtzeitigen Verlustausgleich zu sichern“. Dieser Zweck könne jedoch nach Eintritt der Insolvenz nicht mehr erreicht werden, befand das Gericht - und lehnte eine Haftung Beckers ab (Az.: 12 O 13994/02). Statt eines Millionenbetrags muß der 36jährige nun nur exakt 5708 Euro und 80 Cent zahlen.

          Quelle: dpa, Reuters

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