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Sport-Kommentar : Wer hat’s erfunden?

Der Österreicher Johann Rosenzopf besteht darauf, dass nur er allein als „Urheber der ersten internationalen Jugendolympiade“ bezeichnet werden darf. Und nicht etwa Jacques Rogge, der IOC-Präsident. Klage ist eingereicht.

          Soll ja doch einige Zeitgenossen geben, die einfach nur auf Hüllen schauen, immer wieder. Wenn sie also jemanden kennenlernen, setzen sie sich akribisch mit Äußerlichkeiten auseinander, ganz nach der Devise: Das Innere wird schon nachwachsen, irgendwann. Diese Einstellung ist natürlich nicht unbedenklich, zumal einem gerade jetzt, da kräftig Zukunft gestaltet wird, tagtäglich eingebleut wird, was wirklich zählt: Inhalte, Sachfragen. Und dann erst kann es um Namen gehen und um Nominierungen.

          Aber wie das halt so ist im Leben, in der Politik und im Sport: überall Eitelkeiten und Eifersüchteleien und personelle Debatten, kleinere und größere. Und plötzlich ist man mittendrin in einer Geschichte um ein olympisches Ringen. Da hat sich was zusammengebraut am Wörthersee in Österreich: Johann gegen Jacques, Rosenzopf vs. Rogge, eine sehr delikate Angelegenheit. Vermutlich wird diese Welle nicht gleich nach Kopenhagen schwappen, wo Rogge und die anderen Olympier sich mit noch ernsteren Dingen beschäftigen. Aber, Vorsicht: Rosenzopfs Rumoren sollte nicht unterschätzt werden. Der Herr hat schließlich bereits Klage eingereicht über eine Züricher Anwaltskanzlei, gegen das Internationale Olympische Komitee und gegen Rogge.

          Wer ist Urheber der ersten internationalen Jugendolympiade?

          Das Thema: die Olympischen Jugendspiele 2010 in Singapur, angeblich ein Jugend-Traum Rogges. Und die heikle Frage: Wer hat’s erfunden? Kein Belgier, kein Schweizer, sondern – ein Österreicher, so soll es sein. Rosenzopf besteht jedenfalls darauf, dass er, nur er allein, als „Urheber der ersten internationalen Jugendolympiade“ bezeichnet werden darf. Weil er doch schon 1998 eine solche Idee gehabt hatte, wie übrigens – in anderen Fällen – einst auch Christoph Columbus oder Robert Scott, nur leider war niemand darauf eingegangen. Trotz der Kontakte zu hohen Sportfunktionären Österreichs. Rogge soll sich jetzt aber nicht mit fremden Federn schmücken dürfen.

          Eine Lappalie? Keineswegs! Orientierung ist schließlich wichtig, gerade für Heranwachsende, und deshalb haben sie ein Recht darauf, zu erfahren, wer ihnen die schöne Reise nach Singapur ermöglicht. Vielleicht wollen sie dort auch in einem prächtigen neuen Stadion – obwohl eigentlich ganz erschöpft nach lauter Höchstleistungen – im Chor den Namen des großen, uneigennützigen Förderers skandieren. Rogge oder Rosenzopf? Was da wohl besser klingen würde? Pardon, das geht jetzt eindeutig zu weit, Schluss mit der Wörthersee-Romantik. Und volle Konzentration auf . . . na ja, Sie wissen schon, worauf.

          Quelle: F.A.Z.

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