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Sport-Kommentar Reif für Olympia

 ·  England darf die Spiele ausrichten. Gratulation. Doch was haben die Briten, was wir nicht haben? Auch hierzulande würden die Präsidenten der Sportverbände und Millionen Hobbysportler frohlocken, käme Olympia mal wieder nach Deutschland. Was fehlt, ist eine Bewerbung.

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© dpa Olympia, dieses Mal im Osten der Stadt: Nach 1908 (White City) und 1948 (Wembley) kommen die Spiele zum dritten Mal nach London

Was haben wir eigentlich nicht, was die Engländer haben? Regen kann es nicht sein, Formel-1-Weltmeister sind auch vorhanden, Fußball-Verlierer, Sicherheitspannen, kilometerlange Staus und teures Bier gibt’s auch hierzulande. Und trotzdem kann Deutschland nicht mithalten: keine Königin, seit Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg mit ihrem Manne (Wilhelm zwo) 1918 abtreten musste, und seit vierzig Jahren keine Olympischen Spiele mehr.

Warum ist das so, wenn doch alle wollen? Jedenfalls haben sich Verbandsfürsten nach einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur für eine Bewerbung der Deutschen ausgesprochen. Was allerdings nicht sonderlich überrascht. Welcher Funktionär würde sich schon dem bedeutendsten Sportfest auf diesem Globus in seiner Heimat verweigern, also boykottieren, was ihn hochleben ließe und seinem Sport eine Blüte verspräche? Man darf aber guten Gewissens annehmen, dass sich auch der Bürger als gemeiner Steuerzahler in der Mehrheit auf die Rückkehr der olympischen Familie (ohne Spitzbuben à la Blatter) freuen würde. Warum? Weil sich Deutschland ständig bewegt.

Millionen Menschen turnen begeistert in Freizeitklassen herum. Sie stützen damit mehr oder weniger direkt ein in seiner Breite fast beispielloses Spitzensportsystem auf dem Niveau der Weltklasse. Deutschland ist trotz aller Fehlentwicklungen, trotz der Doping-Skandale und der damit verbundenen, berechtigten Skepsis zweifellos nach wie vor eine Sportnation: Spitze in den Wintersportarten und top im Sommer.

Die Deutschen wären reif für die Bühne

Das hört man nicht nur von den deutschen Sportlobbyisten. Mit großer Hochachtung sprachen kanadische Sportkenner vom Auftritt der deutschen Mannschaft bei den Winterspielen in Vancouver 2010: „Wow!“ Und organisieren, ja, das könnt ihr Deutschen ja sowieso, hatten die Italiener 2006 in Turin gesagt. Sie haben ihre Spiele hinter sich. Den nächsten Anlauf für das Sommerfest 2020 haben sie vorzeitig abgebrochen. Rom hat kein Geld mehr. Madrid, immer noch im Rennen, wird wohl kaum durchhalten. Und da das Internationale Olympische Komitee gerne an den Euro denkt, müsste ihm nun Deutschland einfallen. Denn nach China 2008, nach der Wahl Londons, der Entscheidung für Russland (Winterspiele in Sotschi 2014) und dem Rückzug der Amerikaner (2022) wären die Deutschen aus dem Kreis der besten fünf wieder reif für die Bühne. Fehlt nur noch die Bewerbung.

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Jahrgang 1964, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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