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Sport-Kommentar Nie wieder Biathlon

18.03.2010 ·  Drei Viertel der Olympia-Staffel hören auf: Nach Kati Wilhelm treten auch Simone Hauswald und Martina Beck zurück. Das deutsche Frauen-Biathlon steht vor einer neuen Ära.

Von Claus Dieterle
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Fehlt eigentlich nur noch Andrea Henkel, aber die hat sich noch nicht erklärt. Die Zäsur bei den deutschen Biathletinnen ist auch so da, denn von der deutschen Olympiastaffel, die vor drei Wochen als Ü30 in Whistler Bronze holte, haben jetzt bereits drei Viertel ihren Rücktritt zum Saisonende erklärt. Kati Wilhelm hat den Anfang gemacht, am Donnerstag sind Simone Hauswald und Martina Beck hinzugekommen.

Konkurrenzfähig wären die drei allemal noch, wie der fünfte Weltcupsieg von Simone Hauswald im Sprint am Holmenkollen am Donnerstag eindrucksvoll belegt, und mancher hat vielleicht gehofft, dass die ein oder andere ihre Karriere doch noch bis zur Heim-Weltmeisterschaft 2012 in Ruhpolding ausdehnt. Aber es gibt eben auch ein Leben nach dem Sport. Und die Familienplanung hat ja nicht ewig Zeit.

Das Ende eines Olympiazyklus ist immer mit Rücktritten verbunden, aber einen derart massiven personellen Einschnitt hat es im Frauen-Biathlon hierzulande noch nicht gegeben. Bislang ging der Personalwechsel von unten nach oben eher behutsam, aber stetig vonstatten, die Fluktuation war relativ gering. Jetzt gehen auf einen Schlag jede Menge Kompetenz, jahrzehntelange Erfahrung und Erfolge.

Auch der Trainer geht - zu den Männern

Skijägerinnen, die wie die dreimalige Olympiasiegerin Kati Wilhelm das moderne Gesicht des Biathlon mitgeprägt haben. Das reißt eine große Lücke in einer erfolgsverwöhnten Sportart. Zumal die Rücktritte auch noch mit einer anderen Zäsur zusammenfallen, vielleicht ja auch nicht ganz zufällig. Frauen-Bundestrainer Uwe Müssiggang wird zum Chef für Männer und Frauen befördert.

Der wohl erfolgreichste Trainer im deutschen Skiverband hinterlässt ein schwieriges Erbe. Sein größtes Verdienst war es, ein Team von Weltmeisterinnen und Olympiasiegerinnen in einem leistungsfördernden Klima bei Laune zu halten, ohne Zickenkriege oder Neiddiskussionen aufkommen zu lassen. Das ist schwierig genug. Müssiggangs zweite Stärke war es, immer wieder fast geräuschlos junge Talente in die Mannschaft einzubauen.

Startschuss in eine neue Ära

Sein Nachfolger, ob der nun Gerald Hönig oder Ricco Groß oder sonstwie heißt, steht auf jeden Fall vor der spannenden Aufgabe, um Miss Olympia Magdalena Neuner, die jetzt wohl oder übel in die eher ungeliebte Rolle als Leitwölfin schlüpfen muss, eine neue Manschaft aufzubauen.

Immerhin hat er mit Tina Bachmann, Katrin Hitzer und Juliane Döll, allesamt Jahrgang 1986, drei Kräfte, die schon über reichlich Weltcup-Erfahrung verfügen. Und womöglich sucht die zum Langlauf tendierende 19 Jahre alte Miriam Gössner jetzt doch ihr Glück im Biathlon. Es ist auf jeden Fall der Startschuss in eine neue Ära im Frauen-Biathlon. Ein bisschen Geduld wäre dabei nicht verkehrt.

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