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Sport-Kommentar Kleider machen Sieger

12.12.2008 ·  Spitzensportler von heute sind Kinder der Moderne: Skiläufer, Rodler, Bobfahrer, Leichtathleten, Golfer - und selbstverständlich auch die Schwimmer. Entweder Technik-Freak oder ewiger Zweiter.

Von Anno Hecker
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Was soll man nur anziehen? Für den Ball des Sports gibt es eine klare Kleiderordnung: für die Dame das Abendkleid, für den Herrn der Smoking. Wer unter den Sportlern allerdings eingeladen werden will, der muss sich lange vorher, bei der Qualifikation, in Schale geworfen haben. Man darf das inzwischen wörtlich nehmen. Längst macht nicht mehr allein der Muskelaufbau und das Herz-Kreislauf-Training, die pharmakologisch erlaubte wie unerlaubte Unterstützung den Menschen schneller oder stärker.

Ein weiterer (messbarer) Fortschritt kommt durch Technik. Und das, geneigte Formel-1-Verächter, eben nicht nur im überzüchteten Kreisverkehr. Nein, selbst in den olympischen Kernsportarten, wo sich der Mensch zu seinem Glück allein nur den Elementen zu erwehren hat, fahndet er nach gewinnbringenden Hundertstelsekunden. Gerne darf es mehr sein.

Selbst der Schwimmer scheint ein Technikfreak

Deutsche Schwimmer zum Beispiel sehnten sich am Freitag wieder lautstark nach den Teflon-Oberflächen-Anzügen der Konkurrenz, die ihnen bei den Sommerspielen in Peking davonschwamm. Skiläufer, ob nordisch oder alpin, wechseln die Ski, den Wachs, die Schuhe wie die Unterwäsche. Eisschnelllaufsternchen meckern über die zu engen Anzüge oder feilen an der nächsten Klapp-Schuh-Generation. Rennrodler lassen die Kufen zur Härtung mit Ionen beschießen. Golfer optimieren mit Radarmessgeräten Flugbahn, Spin und Weite ihrer Abschläge. Sprinter der Leichtathletik suchen sich die schnellsten Tartanbahnen und verlangen von den Sportartikelherstellern immer leichtere Schuhe. Hauptsache, sie sind um einen Wimpernschlag schneller. Aus dieser Perspektive erscheint auch der Spitzensportler des 21. Jahrhunderts als Kind der Moderne. Selbst der Schwimmer scheint, getrieben von der Siegeslust, ein Technikfreak – oder ewiger Zweiter.

Der Rückschritt wäre ein Fortschritt

Kein Zweifel: Die Qualität des deutschen Spitzensports, die Weltmeisterdichte ist immer noch beachtlich, hängt stark mit dem Faible der Deutschen für die Kunst der Erfindung zusammen. 40.000 Ingenieure produziert der Universitätsbetrieb pro Jahr. Was zwar nicht reicht, um Chinas Vorstoß in die Sportelite (400.000 Ingenieure jährlich) unter Industriestaaten zu kontern. Aber inzwischen sickerte hier und da durch, dass allein der unbedingte Glaube an die Kraft des Tüftlers so manchen deutschen Athleten beschleunigt hat. Bobpilot x etwa, der eine bemerkenswerte Verbesserung seines Sportgeräts gespürt haben wollte – obwohl der Kollege Ingenieur den Umbau nur vorgaukelt hatte.

Die zeternden Schwimmer wird man mit diesen Tricks nicht die Sorge nehmen können, irgendwie nackt dazustehen. Deshalb hilft in diesem Fall nur die Besinnung auf die guten alten Zeiten, auf Olympia in der Antike. Der Rückschritt wäre ein Fortschritt, weil er technische Unterschiede ausgleichen und die Aufmerksamkeit enorm steigern würde: für ein Wettschwimmen im Adams- oder Evaskostüm.

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