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Sport-Kommentar Die Rekord-Tour gibt uns den Rest

04.07.2009 ·  2005 schaute der Sportfan das letzte Mal naiv-begeistert der Tour de France zu. Danach hat sie uns Jahr für Jahr mehr den Rest gegeben. Und mittlerweile weiß auch der Letzte, dass schon 2005 so gut wie nichts mehr sauber ablief.

Von Christian Eichler
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Jahr für Jahr hat sie uns mehr und mehr den Rest gegeben, die Tour de France. 2006, als man den Sieger als Doper überführte. 2007, als der Mann in Gelb schon während der Tour aus dem Rennen genommen wurde. 2008, als einer das Bergtrikot gewann, der später zugab, seine ganze Karriere durchgedopt zu haben.

Und 2009? Wer nun zum Tour-Start am Samstag, überlegt, wann die Tour zuletzt noch Spaß gemacht hat, wird wohl mindestens vier Jahre zurückgehen müssen. Ins Jahr 2005: in den Sommer, als die Tour noch der letzte Schrei war. Es sollte der letzte Auftritt für Lance Armstrong sein – und damit auch die letzte Chance für Jan Ullrich, ihn endlich zu schlagen. Dazu kam der starke Herausforderer Ivan Basso. Die Tour 2005, sie war ein Traum für TV-Leute und Sponsoren: ein hochgepuschter, heißerwarteter Showdown, ein großes Drama mit wunderbaren Hintergrundbildern und farbigen Figuren.

Hauptdarsteller und ihre Vergehen

Hier die Hauptdarsteller (und in Klammern: das, was später geschah). Armstrong, der Triumphator: Er holte sich den siebten Sieg (und nach der Tour veröffentlichte die französische Sportzeitung „L’Equipe“ Belege dafür, dass er bei seinem Debütsieg 1999 Epo-positiv war). Ullrich, der ewige Zweite: Er bot eine gute Show, auch Basso wehrte sich bis zuletzt, und doch mussten sie sich wieder einmal auf das nächste Jahr vertrösten lassen (2006 wurden beide dann einen Tag vor Tour-Start wegen Verwicklung in die Blutpanscherei des Doktor Fuentes aus dem Rennen genommen, Ullrich kam nie zurück).

Auch die Männer im Hintergrund taten ihr Möglichstes. Eine starke Nebenrolle spielte Floyd Landis (2006 als gedopter Tour-Sieger nachträglich disqualifiziert). Ebenso der zweifache Etappensieger Alexander Winokurow (2007 bei der Tour des Fremdblutdopings überführt). Und Mikael Rasmussen, der das Bergtrikot holte (2007 im Gelben Trikot wegen Flucht vor Kontrollen aus dem Rennen genommen).

Die düstere Nachgeschichte zu 2005

2005, im Jahr, in dem die Tarnung noch so gerade hielt erreichte Jörg Jaksche bestes Tour-Resultat (2007 war er der große Sünder-Kronzeuge). Ein starkes Tour-Debüt bot Patrik Sinkewitz (2007 im Training ertappt). Tom Boonen gewann zwei Tageswertungen (er ist als Kokainsünder berüchtigt, darf aber dieses Jahr dennoch starten - siehe: Sport kompakt: Boonen darf - Skyliners wollen nicht - Goller/ Ludwig dürfen nicht mehr). Eindrucksvolle Etappensiege erzielten Alejandro Valverde und Marcos Serrano (später beide in den Fuentes-Skandal verwickelt). Und Vierter der Gesamtwertung, also der Beste hinter den großen Drei, wurde Francisco Mancebo (der nach der Fuentes-Geschichte seine Karriere vorübergehend beendete und die schöne These aufstellte: „Wenn der Ethik-Code der ProTour vollständig angewendet würde, wäre Tour-Direktor Leblanc der Einzige, der mitfahren dürfte bei der Tour“). Ach ja, und die Teamwertung gewann T-Mobile (wo man Ende 2007 nichts mehr von Fahrrädern wissen wollte).

Das war die Tour 2005. Es war die schnellste aller Zeiten, mit Tempo 41,65 im Schnitt. Ein Rekordrennen. Armstrongs siebter Sieg, historisch. Eine packende, atemlose Tour. Tolle Quoten, tolle Geschichten. Und keiner fiel auf. Es war eine Super-Show. Und: Es war die größte Skandal-Tour von allen, der Super-GAU, der Anfang vom Ende. Wir haben es damals nur noch nicht gewusst. (Denn all das, was in diesem Text in Klammern steht, hat man erst später erfahren.)

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