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Sport-Kommentar Der Fürst zürnt

26.03.2009 ·  Die Kritik des Fifa-Präsidenten Blatter am Wada-Code ist die öffentliche Ausformulierung seines Bauchgefühls. Das muss wichtig genommen werden. Doch die Athleten selbst haben die Dopingbekämpfung in eine moralische Sackgasse geführt. Die Verantwortung dafür tragen alle. Auch die Fußballspieler.

Von Evi Simeoni
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Selbst Joseph Blatter, der Präsident des Internationalen Fußballverbandes (Fifa), täte wahrscheinlich gut daran, ab und zu einmal in die Satzung seiner eigenen Organisation zu schauen. Darin könnte er nachlesen, dass auch die Fußballspieler die Bestimmungen des Welt-Anti-Doping-Kodex anerkannt haben. Der mächtige Schweizer wüsste, dass sein Verband sich damit verpflichtet hat, auch die Meldevorschriften für Top-Athleten zu befolgen. Und in diesem Wissen hätten sich Fifa und Uefa die Kritik an den selbst anerkannten Bestimmungen sparen können. Es sei denn, das Vorurteil, Fußballer wüssten sowieso selten, was sie unterschreiben, wäre doch keine Erfindung von böswilligen Spöttern.

Obwohl: Offensichtlich haben die Fußball-Funktionäre ja lange nachgedacht, bevor sie ihre Kritik am harmonisierten Anti-Doping-Kampf öffentlich formuliert haben (siehe: Frontalangriff entsetzt die Wada). Seit dem 1. Januar melden die Fußball-Organisationen ihre Spitzenmannschaften der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada). Diese verlangt von den Spielern, dass sie sich 365 Tage im Jahr für unangemeldete Trainingstests zur Verfügung stellen. Das machen die Kontrolleure deshalb, weil clevere Doper selten im Wettkampf erwischt werden. Sie nehmen ihre Leistungssteigerer zu anderen Zeiten. Im Urlaub zum Beispiel, in den Wochen also, die Blatter als schützenswerte „Privatsphäre“ bezeichnet. Und zwar tut er das jetzt, Ende März, ein Vierteljahr nach dem Anpfiff der neuen Modalitäten.

Der Generalverdacht ist dem Sport längst immanent

Blatter hält sich für größer als den Rest des Welt-Sports, und seine Meinung muss unabhängig vom Fundierungsgrad respektiert werden. Da helfen keine Appelle seitens des Wada-Generaldirektors David Howman an die Vernunft: Lieber torpediert der Schweizer Kicker-Fürst den Anti-Doping-Kampf, als dass er auf die öffentliche Ausformulierung seiner Bauchgefühle verzichten würde. Allerdings - und dies empfinden zurzeit viele Repräsentanten des Weltsports - müssen Bauchgefühle wichtig genommen werden.

Nachdem jahrelang drastische Maßnahmen gegen das existenzgefährdende Doping gefordert wurden, ist nun ein System in Kraft getreten, das Spitzenathleten ein Leben abfordert, das dem von Verbrechern auf Freigang nicht unähnlich ist. Der Generalverdacht, über den sich Sportfunktionäre in ihren Reden regelmäßig empören, ist dem System längst immanent. Top-Athleten werden für schuldig gehalten und müssen durch ihre Dauerbereitschaft zu Tests immer wieder ihre Unschuld beweisen. Eine Hexenjagd, wie Blatter meint. Doch die Athleten selbst haben die Dopingbekämpfung in diese moralische Sackgasse geführt. Eine deprimierende Folge von primitiven, unappetitlichen oder auch hochintelligent ausgeklügelten Betrugsfällen brachte die Dopingbekämpfung an den Rand des Erträglichen. Die Verantwortung dafür tragen alle. Auch die Fußballspieler.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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