http://www.faz.net/-gtl-pn7e

Sport im Fernsehen : ZDF-Sportchef Poschmann rückt in die zweite Reihe

  • Aktualisiert am

Poschmann soll nur noch moderieren Bild: dpa

Dieter Gruschwitz wird zum 1. Februar kommenden Jahres Sportchef des ZDF. Der zuletzt häufiger in die Kritik geratene Wolf-Dieter Poschmann wird „Chefreporter“.

          Die Ära von Wolf-Dieter Poschmann als Sportchef des ZDF wird Ende Januar enden. Zum 1. Februar übernimmt Dieter Gruschwitz die Leitung der Sportredaktion. Nach vielen Gerüchten und Wirrungen bestätigte der Verwaltungsrat des öffentlich-rechtlichen Senders am Freitag den Wechsel. „Für mich ist es eine Ehre in einer Folge mit Menschen wie Dieter Kürten zu stehen“, sagte der 50jährige Gruschwitz. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender lobte ihn: „Er ist ein Teamplayer und bietet die besten Voraussetzungen.“

          Die offizielle Bestätigung erreichte Gruschwitz in Berlin bei der Vorbereitung einer Box-Übertragung. Dort macht der in Neuwied geborenen Journalist am Wochenende das, was er fast immer tut: planen, organisieren und im Hintergrund arbeiten. „Meine Aufgabe wird es sein, die Redaktion zu leiten und zu führen“, sagte Gruschwitz, den die meisten Fernsehzuschauer noch nicht auf dem Bildschirm gesehen haben dürften. Das soll auch so bleiben: „Ich werde jetzt sicher nicht anfangen, das Sportstudio zu moderieren.“

          Poschmann wird Chefreporter

          Gruschwitz, der seit 1996 im ZDF-Sport arbeitet und derzeit stellvertretender Leiter der Sport-Redaktion ist, wird damit weniger Angriffsfläche bieten als sein Vorgänger. Poschmann war bereits 1998 wegen Werbung für einen Aktienfond unter Beschuß geraten und mußte zuletzt häufiger Kritik wegen seiner Moderationen und wegen angeblicher Schwächen bei der Personalführung einstecken. Vor drei Monaten sah sich das ZDF veranlaßt, Poschmann in einer Pressemitteilung zu verteidigen: „Das Gerede über einen Rauswurf oder eine Strafversetzung ist unfair und unseriös.“

          Dieter Gruschwitz war bisher der Organisator im Hintergrund
          Dieter Gruschwitz war bisher der Organisator im Hintergrund : Bild: ZDF/Rico Rossival

          Der 53jährige Poschmann übernimmt nun zum 1. Februar die neu geschaffene Position des Chefreporters. „Ich hätte dem Intendanten diese Aufgabenteilung auch ohne die Kritik vorgeschlagen“, sagte der Chefredakteur. Das Management werde im Journalismus immer wichtiger. „Wir mußten uns im Hinblick auf 2006 mit Großveranstaltungen wie Fußball-WM, Olympischen Winterspielen oder Reit-Weltmeisterschaften neu aufstellen“, erklärte Brender.

          Verhältnis zwischen „Mannschaft und Spielertrainer“ nicht intakt

          ZDF-Intendant Markus Schächter wies darauf hin, daß „die Belastungen durch lange Live-Übertragungen, zusätzliche Programmstrecken auf den Digital-Kanälen, Rechteverhandlungen und administrative Aufgaben deutlich zugenommen“ haben. Eine Trennung dieser Aufgabe von der Bildschirm-Präsentation sei deshalb notwendig und sinnvoll gewesen.

          In der ZDF-Sportredaktion sei Poschmann allerdings auch vorgehalten worden, er sei autoritär und kein Mannschaftsspieler, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“. Er habe es beim Abschied des Reporters Michael Palme im Frühjahr sogar fertig gebracht den langjährigen Kollegen grußlos nach Hause zu schicken.

          Daraufhin hätten mehr als die Hälfte der Sportmitarbeiter ein Abschiedsschreiben an Palme unterzeichnet - gleichzeitig ein Protestbrief gegen den darin namentlich nicht erwähnten Poschmann. Poschmann habe sich damals sogar Kritik von ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender eingehandelt, dem aufgefallen sei, daß im Sportressort das Verhältnis zwischen „Mannschaft und Spielertrainer“ nicht mehr stimme.

          Weitere Themen

          Mit Herz und Mut

          Kevin-Prince Boateng : Mit Herz und Mut

          Der für das Spiel in Stuttgart gesperrte Kevin-Prince Boateng nennt Gründe für den Erfolg der Eintracht und spricht über einen künftigen Frankfurter Nationalspieler.

          Das bringt der Freitag

          Die Agenda : Das bringt der Freitag

          In Brüssel findet ein EU-Sondergipfel zu den Themen Haushalt und Europawahlen statt. Der Volkswagen-Konzern legt vorläufige Zahlen vor. Die deutschen Eishockey-Cracks träumen vom Finale.

          Topmeldungen

          Mit einer Kundgebung vor dem Berliner Reichstagsgebäude fordern Demonstranten die Abschaffung von Paragraf 219a.

          Abtreibungsgesetz : Straffrei, aber geächtet

          Die Debatte zum Paragraphen über das Verbot der Werbung für Abtreibung wirft Fragen auf: Können Politiker Reklame und Information nicht unterscheiden? Und verhindert das Gesetz auch nur eine einzige Abtreibung?
          In der Münchner BMW-Zentrale muss man sich nun kritische Nachfragen gefallen lassen

          Diesel-Affäre : BMW spielte falsche Abgas-Software auf

          Eine irrtümlich aufgespielte Software sorgt nun für einen Rückruf: BMW muss 12.000 Dieselmotoren korrigieren. Eine peinliche Lage für den selbsternannten Saubermann der Branche.

          Vergabe-Streit um EU-Mittel : Bloß keine neuen Spaltungen!

          Berlin will die Vergabe von EU-Mitteln an die Kooperation in der Flüchtlingspolitik koppeln. Die Osteuropäer sind entrüstet. Und Brüssel will das Thema erst mal nicht anfassen. Was nun?

          Angriffe in Ost-Ghouta : Ein unmenschlicher Feuersturm

          Syrien bombardiert seit Tagen mit russischer Hilfe Ost-Ghouta. Krankenhäuser werden gezielt angegriffen. Und ein Angriff mit Bodentruppen könnte bevorstehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.