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Sotschi 2014 : Das Gauck-Signal

Dunkle Seiten: Sotschi ist nicht für jeden das Traumziel des Sports Bild: dpa

Der Bundespräsident will den Zaren Putin und dessen Spiele meiden - und erhält für seinen „Boykott“ Verständnis. Der deutsche Sport und dessen neuer Präsident müssen sich mit der schwer verdaulichen Nachricht auseinandersetzen.

          Erst der Sieg und dann der Niederschlag: Alfons Hörmann hatte nicht mal einen Tag Zeit, seinen Erfolg bei der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Samstag in Wiesbaden zu genießen. In geheimer Wahl hatte er gut 94 Prozent der Stimmen (434) auf sich vereint. „Das gibt Kraft“, sagte der 53 Jahre alte Allgäuer. Er wird sie brauchen. Denn schon am Tag danach, zum Frühstück am Sonntag, wurde dem Manager eine für den Sport schwer verdauliche Nachricht serviert: Joachim Gauck, das Staatsoberhaupt, meldete der „Spiegel“, werde nicht zu den Olympischen Winterspielen im Februar nach Sotschi reisen, der russischen Stadt am Schwarzen Meer.

          Anno Hecker

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          Die Spiele ohne den ersten Mann im Staate? Das ist nichts Neues. Auch Bundespräsident a.D. Köhler tauchte vor vier Jahren nicht in Vancouver auf. Niemand fragte groß danach. Es gibt schließlich auch kein Grundrecht des Sports auf einen Besuch des Staatsoberhauptes anlässlich olympischer Spiele. Darauf wies der DOSB-Generaldirektor Michael Vesper am Sonntag indirekt hin und ließ schnell eine im Bundespräsidialamt ausgehandelte Zusage Gaucks auf der Homepage des Verbandes in den Vordergrund stellen: Dass Gauck die deutsche Olympiamannschaft nach den Spielen in München empfange, sei ein „Zeichen der Anerkennung und des Ansporns“.

          Die hat der Sport dringend nötig nach dem Desaster bei der Bürgerabstimmung über die Bewerbung Münchens um die Winterspiele 2022. Es besteht kein Zweifel, dass die niederschmetternde Niederlage des DOSB auch in Zusammenhang mit dem denkbar schlechten Image der großen internationalen Sportorganisationen wie dem Internationalen Fußballverband (Fifa) und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) steht; mit den Ansprüchen und Entscheidungen dieser Unternehmen.

          Wie konnten deren Mitglieder die Fußballspieler in die Hitze von Qatar schicken wollen, wo Arbeiter unter menschenverachtenden Bedingungen Stadien bauen? Wie war es möglich, dass sie sich auf den Zaren Putin einließen, der sich kaum um die Einhaltung von Menschenrechten schert?

          Er ist gerne Gastgeber: „Zar“ Putin
          Er ist gerne Gastgeber: „Zar“ Putin : Bild: dpa

          Die Antwort hat dem entsetzten Sportvolk indirekt vor allem die Politik gegeben. Am Samstag zum Beispiel Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich. Er hält die Olympia-Schlappe wie auch mancher Olympia-Fahrer nicht etwa „für einen Betriebsunfall“, warnte davor, die „Wahrnehmung der Bevölkerung von Großereignissen zu ignorieren“ und forderte dann die Funktionäre auf, „den positiven Wert, die Tugenden des Sports“ und die „Glaubwürdigkeit“ wieder in den Vordergrund zu rücken.

          Putins Rücksichtslosigkeit war bekannt

          Denn an die olympische Charta mit all ihren Menschenrechts-Beteuerungen kann der IOC-Zirkel kaum gedacht haben, als er sich 2007 für Sotschi in den Subtropen, für die ersten Winterspiele in der Wintersportnation Russland entschied und damit Putins brutale Politik in Kauf nahm. Dass der ein halbes Tal wegsprengen ließ in einer Region, in der es zur Winterzeit meistens regnet, mögen sie vielleicht nicht geahnt haben. Seine Rücksichtslosigkeit gegenüber Andersdenkenden war bekannt. Das Gesetz zum Verbot von Schwulen-Propaganda überraschte keinen halbwegs interessierten Bürger.

          Gauck, als Pfarrer und ehemaliger Chef der Behörde zur Aufarbeitung der Stasi-Unterlagen besonders sensibel für unmenschliche Behandlungen, ließ zwar nicht erkennen, warum er Sotschi meidet. Aber seine Kritik an der herrschenden Kaste in Russland ist bekannt. Und deshalb erscheint die Interpretation der Absage als eine Art Boykott Putins und seiner Spiele zutreffend: „Weil wir uns nicht für einen Olympia-Boykott der Sportler aussprechen, die sich über Jahre auf ihre Wettkämpfe vorbereiten, sehen wir die Absage des Bundespräsidenten für seinen Sotschi-Besuch als besonders starkes Zeichen.

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