Home
http://www.faz.net/-hpm-7acwh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Sport-Sonntagsfrage (6) „Und sie bleiben immer Betrüger“

Die Sport-Sonntagsfrage bezog sich auf den Umgang mit Dopern. Das Votum ist nicht eindeutig: Viele Leser fordern, dass Doper länger als zwei Jahre gesperrt werden sollten. Unsinn, sagt der Rest: Jeder hat ein Recht auf Resozialisierung.

© dpa Vergrößern Wie soll es weitergehen, wenn Doper erwischt werden

Einmal Betrüger, immer Betrüger? Dürfen Athleten sich weigern, gegen überführte Doper anzutreten? Oder hat jeder nach Verbüßen seiner Strafe eine zweite Chance verdient? Was meinen Sie? Hier eine Auswahl der Antworten:

Fatale Vorbilder

Inzwischen halte ich einen konsequenten Wettbewerbsausschluss von aktiven oder ehemaligen Dopern für unvermeidlich. Das gesamte Thema wurde über viele Jahre derart verharmlost, dass es inzwischen tief im Breiten- und Amateursport angekommen ist. Ich behaupte, dass 70 bis 80 Prozent der auf dem Markt befindlichen Doping-Substanzen nicht mehr von Profis geschluckt werden, sondern von Amateuren, die die Gefahren nicht sehen oder nicht sehen wollen. Ein konsequenter Ausschluss der Profidoper würde den Amateurdopern ihre Vorbilder rauben. Roland Malter, Flörsheim/Weilbach

Kriminelle Energie

Ein Doper plant den Betrug lange und gründlich und investiert viel Zeit, Geld und kriminelle Energie, um nicht ertappt zu werden. Wer dopt, hat den Grundgedanken des Fairplay aus seinen Werten gestrichen. Deshalb steht es für mich außer Frage, dass ein Doper zu keinem offiziellen Sportwettbewerb mehr zugelassen werden sollte, selbst wenn er danach auf Basis von Testwerten „clean“ erscheint. Im Grunde seines Herzens bleibt der Doper immer ein Betrüger, und Betrüger haben im Sport nichts zu suchen. Dass gesetzliche Hürden im Arbeitsrecht und dergleichen einer lebenslangen Sperre im Wege stehen sollen, kann man nur schwer nachvollziehen. Marco Moser, Frankfurt/Main

Null Toleranz

Wenn ich als Athlet weiß oder vermute, dass mein Gegner gedopt ist, kann ich den Kampf auch gleich lassen. Wer dopen will oder manipuliert, hat daher nichts im Sport zu suchen, er zerstört den Wettkampf und eine tolle kulturelle Idee. Ich wünschte mir daher ein klares Bekenntnis (kein Lippenbekenntnis) aller Verantwortlichen, eine Null-Toleranz-Haltung, eine lebenslange Sperre, um nicht nur die wahren, ehrlichen Sportler zu schützen, sondern vor allen Dingen auch die Idee des Sports. Robin Kähler, Mannheim

Zulassung entziehen

Doping soll und muss bestraft werden, schärfer und anders als bisher. Bei schweren Vergehen und nachhaltigem Doping sollte auch eine lebenslängliche Sperre möglich sein. So wie einem Arzt nach deutlichem Fehlverhalten die Berufsausübung laut Approbationsordnung untersagt und in entsprechenden Fällen auch einem Rechtsanwalt die Zulassung von der zuständigen Kammer entzogen werden kann, sollte Ähnliches bei entsprechend schwerwiegenden Vergehen auch bei Sportlern möglich sein. Wie dem Arzt oder Anwalt stehen auch den Dopern sämtliche Berufslaufbahnen offen, nur eben nicht die des Sportlers. Das hat er sich selbst verbaut. Wenn aber nicht lebenslänglich, was ist mit den Strafen auf Zeit? Trotz des Krabbe-Urteils sollten heutzutage auch Sperren von vier Jahren juristisch durchsetzbar sein, zumal sportwissenschaftliche Erkenntnisse inzwischen klar sagen, dass intensives, gezieltes Doping Vorteile nicht nur für zwei, sondern für drei bis vier Jahre bringt. Ansonsten startet der Doper weiter mit Vorteilen. Trotz alledem freue ich mich auf die Leichtathletik-WM in Moskau. Bruno Hidding, Roßdorf

Boykottieren

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Offener Brief an DOSB-Präsidenten Das Chaos ist komplett

Das von der Bundesregierung nach langem Streit für dieses Jahr geplante Anti-Doping-Gesetz soll ein grandioses Ablenkungsmanöver von Sport und Politik sein. Ein offener Brief an DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Mehr Von Sylvia Schenk und Stefan Brink

23.02.2015, 12:47 Uhr | Sport
Ball des Sports Sportler und Prominente feiern Benefizgala

Sportler, Politiker, Schauspieler und andere Prominente haben im Wiesbadener Kurhaus den diesjährigen Ball des Sports gefeiert. Insgesamt 1600 Gäste waren anwesend, unter anderem die ehemalige Schwimmerin Franziska van Almsick, Kunstturner Fabian Hambüchen und der frühere Gewichtheber Matthias Steiner. Mehr

08.02.2015, 14:59 Uhr | Sport
Berechnungen eines Mikroökonomen Doping lohnt sich – zumindest wirtschaftlich

Lohnt sich Doping? Ja. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung von Mikroökonom Volker Robeck. Im FAZ.NET-Interview verrät er, wie sehr ihm der Fall Armstrong half und was der Sport aus seinen Berechnungen lernen kann. Mehr Von Anno Hecker

26.02.2015, 13:52 Uhr | Sport
Berlin Minister stellen Entwurf für Anti-Doping-Gesetz vor

Mit dem Gesetz soll der Einsatz von Dopingmitteln bekämpft, die Chancengleichheit bei Wettbewerben gesichert und die Gesundheit der Sportler geschützt werden. Mehr

12.11.2014, 16:52 Uhr | Sport
Anti-Doping-Gesetz Im deutschen Sport geht die Angst um

Weil das Selbst-Doping unter Strafe gestellt werden soll, fürchten Athleten, durch Unachtsamkeit oder Schusseligkeit in die Mühlen der Justiz zu geraten. Doch steckt dahinter tatsächlich nur die Sorge des reinen, edlen Sportlers? Mehr Von Anno Hecker

28.02.2015, 16:19 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 24.06.2013, 14:18 Uhr

Zeit, zu reden

Von Evi Simeoni

Der Missbrauch von Hormonen war in den achtziger Jahren schon genauso schädlich wie heute. Und Doping ebenso verwerflich. Aber kaum einer störte sich daran, vor allem nicht im Fußball. Höchste Zeit, dass die Opfer Klartext reden. Mehr 6