Eisige Temperaturen und hoffentlich viel Sonnenschein erwarten Sportler und Zuschauer in Salt Lake City. Doch gerade bei Kaiserwetter ist Vorsicht geboten. Wer die Sonne im Winter meidet, statt mit ihr im verschneiten Gebirge zu flirten, hat gar nicht so unrecht.
Immerhin wird seine - im Vergleich zu den Schneesportlern - bleiche Haut in zwanzig Jahren zwar immer noch bleich, aber faltenärmer und gesünder sein als die der meisten Skihasen, deren Hülle zum Teil gegerbtem Leder gleichen wird.
Die Haut vergisst nicht - zumindest kein Sonnenbad
So schnell geht das? Natürlich nicht. Aber es ist ein Irrtum zu glauben, dass ein neuer Winter (oder Sommer) auch neue, regenerierte Haut bedeutet. Die Wirkung der UV-Strahlung wird „gespeichert“ und summiert sich, auch wenn die Bräune vergeht.
Dass sie „kalt“ ist, nimmt der Sonne auch im Winter nichts von ihrer Wirkung auf unsere Haut. Ganz im Gegenteil: Wenn Schnee liegt, reflektiert dieser die Strahlung und man bekommt sie doppelt ab. Darüber hinaus wird die Luft im Gebirge immer dünner, je höher es geht - und damit verringert sich auch die atmosphärische Schutzschicht zwischen Sonne und Haut. Ist der Tag klar und die Luftfeuchtigkeit niedrig, ist die Strahlungsintensität schon in 2.000 Metern Höhe um ein Vielfaches höher als im Tal.
Nie ohne Sonnenschutz ins Skigebiet
Sonnenstrahlen setzen sich aus zwei Arten von Strahlung zusammen, der Infrarot und den verschiedenen UV-Strahlen. Die Infrarot-Strahlung wärmt. Licht, die sichtbare Strahlung, brauchen wir für die Gesundheit, für die Bildung von Vitamin D und Stimmungsmachern: Lichttherapie hilft bekanntlich gegen die Winterdepression. Und die UV-Strahlung ist es, die bräunt. Eine bloße Schutzreaktion, damit weniger Strahlung durch die Haut gelangt.
Ab einer bestimmten Intensität und Wirkungsdauer jedoch schädigt die UV-Strahlung die Erbsubstanz der Zellen: Die Bildung freier Radikaler wird begünstigt, die Haut altert schneller und Hautkrebs kann entstehen. „Auch wenn es an der Talstation grau und neblig ist“, rät deshalb die AOK, „nie ohne Sonnenschutz ins Skigebiet starten!“. Denn die Strahlung der Sonne gelangt auch durch die Wolken.
Was ist eigentlich „Sonnenschutz“?
Jedenfalls kein Panzer, der endlos alle Strahlung von der Haut fernhält. Eine Sonnencreme verlängert die Eigenschutzzeit der Haut. Diese Eigenschutzzeit ist abhängig vom Hauttyp. Menschen mit heller Haut, blonden Haaren und Sommersprossen schadet die Sonne am schnellsten. Am anderen Ende der Skala stehen dunkelhäutige, braunäugige und schwarzhaarige - die vertragen mehr Sonne. „Lichtschutzfaktor“ heißt der Gradmesser, nach dem man Sonnencreme aussuchen und die erlaubte (unschädliche) Zeit in der Sonne ausrechnen kann.
Je heller und damit empfindlicher die Haut, desto höher sollte der LSF des Sonnenschutzes sein. Bei heller Haut und einer Eigenschutzzeit von zehn bis 15 Minuten (danach drohen bereits kurzfristig Sonnenbrand und langfristig andere Hautschäden), erhöht ein Lichtschutzfaktor von zehn die maximale Sonnenzeit auf 100 bis 150 Minuten. Das sind aber keine festen oder gar verbindlichen Werte.
Die reale Wirkung: Lichtschutzfaktor durch drei
Denn laut Reinhard Dummer von der Dermatologischen Klinik des Universitätsspitals Zürich erfolgen die LSF-Messungen unter idealen Voraussetzungen, ohne Berücksichtigung der nach dem Eincremen auftretenden Veränderungen durch Abreiben, Schwitzen oder Wasser. „Teilen Sie den Schutzfaktor auf der Packung durch drei“, rät er, „dann haben Sie die reale Wirkung!“
Weitere Tipps: Den Sonnenschutz mindestens 15 Minuten vor dem Rendez-vous mit der Sonne auftragen und für das Gesicht keine Sonnenmilch oder -lotion nehmen. Im Winter sind fetthaltige Cremes besser, denn sie schützen die Haut auch vor Austrocknung durch Kälte und niedrige Luftfeuchtigkeit. Hier ist richtig dick auftragen erlaubt, besonders am Nasenrücken.
Gründlichkeit ist Pflicht beim Eincremen
Oft treten Hautschäden trotz Sonnencreme auf, nämlich an Stellen, die man beim Eincremen oft vergisst: rund um die Augen (unbedingt - auch zum Schutz der Netzhaut - dunkle Sonnenbrille mit Seitenabdeckung aufsetzen!), am Augenlid und an den seitlichen Stirn-, Wangen- und Halspartien. Auf die Lippen einen Stift mit LSF verwenden.
Und wenn dann die durch den Sonnenschutz zusätzlich erlaubte Zeit in der Sonne um ist, dann trägt man die Creme einfach ein zweites Mal auf und schon geht es zurück in die Sonne. Das ist leider nur Wunschdenken. Die Prozedur funktioniert nämlich nicht im Wiederholungsfall. Wenn die Zeit in der Sonne abgelaufen ist, ist sie abgelaufen, und dann hilft nur noch Après-Ski. Der macht zur Abwechslung mal blau.