Mit einem französischen Doppelsieg von Isabelle Blanc und Karine Ruby im Parallel-Riesenslalom der Frauen sowie einem überraschenden Erfolg des Schweizers Philipp Schoch im Männer-Finale gegen den Schweden Richard Richardsson endeten die Snowboard-Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen. Bronze gewannen Lidia Trettel aus Italien und Chris Klug (USA) - der Mann, der mit einer transplantierten Leber lebt.
Die Snowboarder des Deutschen Skiverbandes hatten mit der Entscheidung nichts zu tun. Katharina Himmler und Mathias Behounek schieden nach Stürzen jeweils im Achtelfinale aus. Die Silbermedaillengewinnerin von Nagano, Heidi Renoth und Ex-Weltmeister Markus Ebner waren schon in der Qualifikation gescheitert.
Zielgerichtet Spitzensport
Bundestrainer Uwe Beier wollte trotz des enttäuschenden Abschneidens nichts davon wissen, dass es seinen Snowboadern an der rechten Einstellung mangele: „Da herrscht in der Öffentlichkeit ein völlig falsches Bild. Alle Leute bei uns betreiben zielgerichtet Spitzensport und bereiten sich professionell und gewissenhaft vor.“
Dass der Sportdirektor des deutschen Skiverbandes Thomas Pfüller, noch bevor die Wettkämpfe abgeschlossen waren, öffentlich über Finanzkürzungen für die Snowboard-Sparte nachdenkt, hält Beier gelinde gesagt „für sehr ungünstig.“ Pfüllers Aussagen waren unmittelbar vor der Qualifikation via Medien an Heidi Renoth herangetragen worden, der dann prompt die Nerven versagten: Sie belegte nur den 21. Platz belegte.
Bessere Strukturen gefordert
„Wer sich nur ein bisschen mit der Psyche von Sportlern auskennt, weiß, wie sich so eine Meldung auf die Leistung auswirken kann“, kritisierte Beier neben Pfüller auch den Überbringer der schlechten Nachrichten und die Sportlerin selbst. „Sie sollte vor dem Rennen mit keinen Reporter reden.“
Um in Zukunft wieder bessere Ergebnisse als die elften Plätze von Nicola Thost (Halfpipe) und Katharina Himmler zu erzielen, müssten für die deutschen Snowboarder „bessere Strukturen geschaffen werden“, forderte Beier. Es reiche nicht mehr, zu warten, „bis die Leute 15, 16 sind, und sie erst zu fördern, wenn sie fahren können. Es gibt bei uns keine richtige Nachwuchsarbeit.“ Auch wenn es sich sehr konservativ anhöre, und es deshalb im individualistischen Snowboarden auf Ablehnung stoßen könnte, sei dies nötig, um langfristig im Sptizensport mithalten zu können.
Schnitt gefordert
Dass nach den schwachen Winterspielen ein Schnitt erfolgen müsse, hatte allerdings auch Pfüller gefordert, der gegenüber dem Sportinformations-Dienst sagte, „es ist günstiger für den DSV, auf den Nachwuchs zu setzen, als mit Stars nach Übersee zu fahren, die nichts einbringen.“
Der Etat für die Snowboarder soll bei rund einer Million Euro liegen. Vor vier Jahren war es nur ein Drittel, damals gewannen die Brettartisten zwei Medaillen.
"Bin kein schlechter Mensch"
Dass Beier das so nicht stehen lassen wollte, versteht sich. „Wie haben im Weltcup durchaus Ergebnisse vorzuweisen. Nur die nutzen uns bei Olympia nicht. Hier hat jeder Fahrer nur eine Chance, und die haben wir nicht genutzt.“
„Ich bin enttäuscht, aber deswegen noch lange kein schlechter Mensch“, sagte Behounek nach seinem 16. Platz. Auf den Grund seines Ausscheidens angesprochen, fragte er zurück: „An was es lag? Ich bin gelegen.“ Zahlreiche Stürze zeichneten den Wettkampf im Parallelslalom aus, bei dem im K.O.- System jeweils zwei Snowboarder in zwei Läufen gegeneinander antreten.
"Glücklich wirst Du zu Hause"
Neben den blamierten Deutschen schieden auch zahlreiche Favoriten frühzeitig aus. Alexander Maier, Bruder des verletzten österreichischen Ski-Olympiasiegers Hermann Maier, unterlag in der ersten Runde dem Schweizer Schoch, der einen Glanztag erwischte und Olympiasieger wurde.
„Die Stürze liegen am Event“, erklärte Himmler, die Elfte wurde. „Hier kannst Du nur hopp oder topp fahren.“ Unglücklich sei sie trotz des enttäuschenden Abschneidens nicht: „Glücklich wirst Du zu Hause. Bei Olympia wirst Du nicht glücklich.“