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Skispringer Herr reist ab „Er hat endgültig seinen Kredit verspielt“

18.02.2006 ·  Eklat im deutschen Skisprung-Team: Alexander Herr ist nach seiner heftigen Kritik an Bundestrainer Peter Rohwein aus der Mannschaft geworfen worden. Er reiste am Samstag morgen ab. „Das Problem ist Herr, nicht Rohwein“, sagte DSV-Präsident Alfons Hörmann.

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Dem Rauswurf aus dem Olympiateam folgte die umgehende Heimreise: Für Alexander Herr sind die Winterspiele vorzeitig beendet. Nach einem Gespräch mit dem von ihm der Inkompetenz beschuldigten Skisprung-Bundestrainer Peter Rohwein am Samstag morgen gegen 8.00 Uhr packte der Schwarzwälder seine Koffer und stieg ins Auto Richtung Deutschland. Der Deutsche Skiverband (DSV) hatte nach einer Krisensitzung am Abend zuvor mit dem Ausschluß von Herr auf den größten Skandal im deutschen Skispringen seit 13 Jahren reagiert.

„Alexander Herr hat klar gegen die Spielregeln des Sports verstoßen, und das mehrfach. Er hat endgültig seinen Kredit verspielt. Er hat in der Mannschaft nichts mehr zu suchen“, sagte Alfons Hörmann. Der DSV-Präsident hatte sich telefonisch in das Treffen von Sportchef Thomas Pfüller und Rohwein eingeschaltet und für eine „knallharte Linie“ plädiert. Schnell war klar, daß Herr für das Teamspringen am Montag gesperrt wird und aus dem Quartier ausziehen muß, obwohl sich die Mannschaft für seinen Verbleib ausgesprochen hatte.

Kein Ersatzmann für Teamspringen

Als einziges Zugeständnis bot die DSV-Spitze Herr den Umzug ins Olympische Dorf an, doch der Chefkritiker schlug aus und verließ das gemeinsame Doppelzimmer mit Martin Schmitt im Frust. „Er wollte nach Hause fahren“, berichtete Quartierchef Detlef Braun. Damit steht den deutschen Skispringern für die Medaillenjagd bei der Team-Entscheidung am Montag kein Ersatzmann zur Verfügung - im Fall einer Krankheit oder Verletzung wäre der Olympiasieger von 2002 zum Rückzug gezwungen.

Für Hörmann ein notwendiges Übel: „Herr ist in einer Außenseiterrolle. Das Problem ist Herr, nicht Rohwein.“ Das hatte der Skispringer tags zuvor genau anders gesehen, nachdem der Chefcoach an seiner Stelle den viermaligen Weltmeister Martin Schmitt für das olympische Großschanzenspringen am Samstag nominiert hatte.

„Ich war vorher in jedem Sprung besser“

Der schon lange schwelende Konflikt zwischen Teamworker Rohwein und Einzelgänger Herr explodierte. „Das ist eine Lachnummer, die die Kompetenz des Trainers zeigt. Ich war vorher in jedem Sprung besser als Martin“, polterte Herr. „Das sieht ein Blinder mit Krückstock, daß keine fairen Bedingungen herrschten.“

Zudem hatte Herr sich bei der ersten deutschen Ausscheidung am Mittwoch - entgegen der teaminternen Absprache - mit einem zu großen Anzug einen kleinen Wettbewerbsvorteil verschafft. „Ich hätte ihn schon am Mittwoch aus dem Team geworfen, aber Rohwein und Pfüller wollten ihm eine zweite Chance geben“, berichtete Hörmann. Der 27jährige Herr sprang daraufhin am Freitag mit einem regelkonformen Anzug bei allerdings schlechteren Windbedingungen 13 Meter kürzer als Schmitt, flog aus dem Team und startete seine Attacke gegen Rohwein.

„Alex ist alt genug und muß wissen, was er sagt“

„Es gab eine klare Aussage von Peter Rohwein, deshalb empfinde ich die Entscheidung nicht als Lachnummer. Alex ist alt genug und muß wissen, was er sagt“, erklärte Schmitt, der sich zu Herrs zu großen Anzügen, die bessere Flugeigenschaften aufweisen, nur vorsichtig äußern wollte. „Das war für mich kein Thema. Hier ist Olympia, da springt man im Training nicht mit zu großen Anzügen“, sagte der 28 Jahre alte Routinier, der pikanterweise mit Herr ein Zimmer im Appartement bewohnte.

Rohwein verteidigte noch einmal sein Entscheidung für Schmitt. „Wir hatten vorher gesagt, der letzte Sprung entscheidet. Ich hätte Martin schon auf der kleinen Schanze einsetzen können, denn er war nicht meilenweit weg von den anderen. Martin stellt sich hier stark verbessert vor“, sagte der Coach.

Am Freitag abend hatten sich alle vier deutschen Skispringer Michael Neumayer, Martin Schmitt, Michael Uhrmann und Georg Späth für den Olympia-Wettbewerb von der Großschanze qualifiziert.

Zuletzt war 1993 bei der WM in Falun ein deutscher Skispringer aus der Mannschaft geworfen worden, damals war es Dieter Thoma. Der wurde ein Jahr später Team-Olympiasieger, aber ob Herr überhaupt noch einmal im Nationalteam auftaucht, ist ungewiß. Hörmann: „Es ist die Frage, ob Alexander Herr sich nach Olympia auf den Teamgeist besinnt. Ist das der Fall, sollte man einem jungen Menschen eine zweite Chance geben. Wenn er sich verweigert, hat er nichts im Nationalteam zu suchen.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
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