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Skispringen : Überflieger Hannawald lässt sich nicht hochjubeln

  • Aktualisiert am

Jubelpose im Ansatz: Sven Hannawald Bild: ap

Sven Hannawald geht mit der nötigen Gelassenheit das Unternehmen Olympia an. „Nach wie vor möchte ich mein Zeug machen, daran hat sich nichts geändert."

          Sven Hannawald hat seinen vierfachen Triumph bei der Vierschanzentournee verdaut und geht mit der nötigen Gelassenheit, einem nagelneuen Fluganzug und der Hoffnung auf eine Medaille das Unternehmen Olympia an.

          „Ich ruhe mich nicht auf meinen Siegen aus. Ich kann jetzt nicht überall hinkommen und sagen: 'Hi, ich habe alle vier Springen gewonnen'. Ich gehe ganz normal in die nächsten Tage, achte darauf, mich nicht zu erkälten. Nach wie vor möchte ich mein Zeug machen. Da wird sich nichts ändern.“

          Hannawald will keinen Kult mit sich machen

          Dass sein Spruch „mein Zeug machen" mittlerweile zum Kultspruch avancierte, will der neue Überflieger gar nicht mitbekommen haben: „Ich lese nicht so viel. Die Zeit brauche ich für mich selber. Ich bin so extrem mit meinem Sport beschäftigt, dass für so Sachen wenig Zeit bleibt.“

          Auch den übertriebenen Hype um seine Person lässt ihn nicht abheben. „Ich genieße einfach den Erfolg, aber ich bewerte ihn nicht über. Ich lasse mich nicht hochjubeln. Es gibt auch wieder andere Zeiten, und dann wird auch wieder anders geschrieben. Von daher sehe ich es eher gelassen.“

          Heß rechnet mit zwei Medaillen

          Hannawald „muss bei Olympia nicht unbedingt Gold gewinnen, aber eine Medaille würde ich in jedem Fall gern mitnehmen.“ Ähnlich sieht es Martin Schmitt, der mit vier Weltmeistertiteln seinen Ruf als Erfolgsgarant bei Großereignissen geprägt hat: „Olympia ist das Größte, weil es nur aller vier Jahre stattfindet. Man kann es nicht planen, aber natürlich will man da ganz oben stehen.“

          „Wenn es bei Olympia zwei Medaillen würden, je eine mit dem Team und in einem Einzelspringen, wäre ich sehr zufrieden“, relativierte Bundestrainer Heß allzu übersteigerte Gold-Erwartungen.

          Geburtstagsfeier in Lillehammer

          Dabei hatten "Hanni" und Co. schon vor Olympia ausgiebig Grund zum feiern. In einer Bar in Lillehammer wurde in der Nacht zum Dienstag der 24. Geburtstag von Martin Schmitt kräftig begossen. Nach der Fete und rund 45 Trainingssprüngen bei besten Bedingungen im "Geheimtraining" von Lillehammer herrscht allgemeine Zuversicht.

          „Ich bin rundum zufrieden. Wir konnten in Ruhe arbeiten und viel reden. Das Team hat sich fest zusammengerauft“, bilanzierte Reinhard Heß das fünftägige Trainingslager. „Sven war sehr gut und hat seine starke Form ohne Verluste gehalten. Martin ist ihm teilweise sehr nahe gekommen. Er hat mit Erfolg einen neuen, schwereren Ski getestet.“

          Mit neuem Material zu alter Stärke

          Alle deutschen Springer haben mittlerweile das richtige Material für die wichtigsten Springen des Winters gefunden. „Seit Montag haben sich alle auf die Ski, Anzüge und Schuhe festgelegt, die sie in Salt Lake City springen werden“, erläuterte Bundestrainer Reinhard Heß den Vorbereitungsstand seiner Skispringer nach der Feinabstimmung von Lillehammer.

          Bis zum Abflug in den Mormonen-Staat soll noch einmal in den Alpen die Form gecheckt werden. Ursprünglich wollte Heß die letzten Vorbereitungssprünge schon in der dünnen Höhenluft von Steamboat Springs absolvieren. „Doch dort haben sich so viele Teams angesagt, dass an systematisches Training in Ruhe nicht zu denken ist“, erklärte Heß.

          Keine Angst vor der dünnen Luft

          Die 2000 Meter hoch gelegenen Olympia-Schanzen sind für Hannawald Neuland. Im vergangenen Jahr ließen er und Schmitt die Test-Wettbewerbe aus. Darin sieht Hannawald keinen Nachteil. „Es ist eine Schanze, wie jede andere. Es gibt vielleicht Unterschiede von der Luft her, aber das ist auch noch nicht bewiesen. Ich muss erstmal einen Sprung machen, um sagen zu können, was da anders ist.“

          Am 5. Februar kommt die deutsche Springertruppe in der Olympiastadt an und wird in zwei Häusern in der Nähe der Schanzen von Park City residieren. Noch vor der Eröffnung der Spiele wird es Ernst, denn schon am Freitag (8. Februar, 9.00 Uhr Ortszeit) steht die Qualifikation von der Normalschanze an.

          Im Interesse der Chancengleichheit sind die Anlagen noch bis Donnerstag gesperrt. Erst nach dem Training will sich Heß auf seine vier Springer festlegen. „Fix sind nur Martin und Sven. Die beiden anderen bestimmen wir nach den Trainings-Eindrücken.“

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