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Skispringen Burn-out-Syndrom: Sven Hannawald in Spezialklinik

30.04.2004 ·  Das Sorgenkind der deutschen Skispringer ist „dem auf ihm lastenden Druck nicht mehr gewachsen“: Olympiasieger Hannawald läßt sich an einem unbekannten Ort behandeln.

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Die sportliche Zukunft von Skisprung-Star Sven Hannawald ist ungewisser denn je. Der 29 Jahre alte Mannschafts-Olympiasieger und viermalige Weltmeister aus Hinterzarten hat sich beim Deutschen Skiverband (DSV) von allen geplanten Trainingslagern der am 1. Mai offiziell beginnenden neuen Saison abgemeldet.

Er leidet am sogenannten Burn-out-Syndrom und wird derzeit von der Öffentlichkeit abgeschottet in einer Rehaklinik stationär behandelt. Sein Aufenthaltsort ist nur Team-Arzt Dr. Ernst Jakob und Manager Werner Heinz bekannt.

„Akkus leer“

Mit Burn-out-Syndrom wird ein „Ausgebranntsein“ beschrieben. Den Betroffenen geht die psychische und physische Leistungsfähigkeit sowie die Kraft zum Regenerieren verloren. Ihre Energiereserven sind ausgeschöpft. In Spezialkliniken kann ihnen in einer sechs- bis achtwöchigen Therapie geholfen werden. Allerdings kann die Behandlung auch erheblich länger dauern. Der begnadete Skiflieger Hannawald hatte bereits in den vergangenen Wintern nach anstrengenden Wettkämpfen stets davon gesprochen, daß seine „Akkus leer“ seien und er abschalten müsse.

Den sportlich unbefriedigend verlaufenen vergangenen Winter hatte der Werbemillionär mit dem 24. Platz im Weltcup und für seine Verhältnisse lächerlichen 10.000 Schweizer Franken (6475 Euro) Preisgeld Ende Februar vorzeitig beendet. „Ich will das Feuer in mir wieder finden, welches ich sonst in meinen Augen immer gesehen habe und was in der letzten Zeit erloschen war. Wenn das wieder da ist, kann ich wieder angreifen“, begründete Hannawald damals. Er wolle seinem Körper die nötige Ruhe geben. Der sensible Springer machte Urlaub auf Mauritius, in der Dominikanischen Republik und zuletzt mit Freundin Suska und Werner Heinz auf der Finca des Managers auf Ibiza.

„Sven will einfach vorbeugen“

Doch am Donnerstag abend teilte das Managementbüro überraschend mit: „Hannawald war dem auf ihm lastenden Druck der letzten Zeit nicht mehr gewachsen und hat sich auf Grund dessen auf eigenen Wunsch in eine Spezialklinik begeben.“ Schon an der leistungsdiagnostischen Untersuchung nahm der Grübler, der vor einigen Jahren bereits nahe der Magersucht war, nicht teil.

„Sven will einfach vorbeugen, daß die Symptome nicht wiederkommen“, wiegelte sein Manager Befürchtungen eines längeren Ausfalls ab. Während des gemeinsamen Urlaubs hatte er keine Anzeichen bemerkt. Heinz geht nach Gesprächen mit dem behandelnden Arzt davon aus, daß der einzige Vierschanzentournee-Gewinner mit Siegen auf allen Stationen in drei, vier Wochen und damit noch rechtzeitig wieder ins Training einsteigen kann.

„Sven hat alle Zeit der Welt“

Davon ist man offensichtlich beim Deutschen Skiverband (DSV) nicht überzeugt. Wohl auch, weil man von der Entwicklung völlig überrascht wurde. „Wir können nur hoffen, daß Sven wieder ganz gesund wird. Wir werden ihn jedenfalls auf gar keinen Fall unter Druck setzen“, ließ Bundestrainer Wolfgang Steiert über die DSV- Pressestelle verbreiten. Auch Sportdirektor Thomas Pfüller meinte: „Sven hat alle Zeit der Welt, wieder gesund zu werden. Jetzt ist das Wichtigste, zuerst dem Menschen, dann dem Sportler Sven Hannawald zu helfen.“

Auch Teamarzt Ernst Jakob wollte keine Fristen nennen. „Die Behandlung kann mehrere Wochen dauern, ganz wie die Therapie anschlägt. Das ist bei jedem anders“, sagte er. Hannawald hat den Arzt seines Vertrauens aber nur insoweit von der ärztlichen Schweigepflicht entbunden, daß Jakob die Diagnose bekanntgeben durfte. Erst in den kommenden Wochen wird sich entscheiden, ob Hannawald den kommenden Winter mit der Heim-WM in Oberstdorf in Angriff nehmen kann.

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