13.04.2007 · Der ehemalige Manager von Juventus Turin, Luciano Moggi, hat mit Hilfe korrupter Schieds- und Linienrichter noch mehr Spiele manipuliert als bislang bekannt. 39 Spiele wurden verschoben, 48 Schiedsrichter werden wegen Sportbetrugs angeklagt.
Ausgerechnet kurz vor der Entscheidung über Italiens Bewerbung für die Europameisterschaft 2012 hat sich der Manipulationsskandal im italienischen Fußball ausgeweitet. Der ehemalige Manager von Juventus Turin, Luciano Moggi, hat mit Hilfe korrupter Schieds- und Linienrichter noch mehr Spiele zu Gunsten seines früheren Klubs manipuliert und dabei noch mehr Komplizen gehabt als bislang bekannt. 48 Schiedsrichter und Funktionäre wird die Staatsanwaltschaft Neapel wegen Sportbetrugs anklagen. 21 müssen sich sogar wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verantworten.
Nachdem die Staatsanwälte das Abschlussergebnis ihrer fast vierjährigen Ermittlungen zum Wochenende präsentiert hatten, reagierte der italienische Schiedsrichterverband sofort: Acht Unparteiische wurden gesperrt, darunter auch die international tätigen Schiedsrichter Domenico Messina, Gianluca Paparesta, Andrea De Marco und Paolo Tagliavento.
39 Spiele wurden manipuliert
Dem italienischen Fußballverband liegt die Ausweitung des Skandals fünf Tage vor der Vergabe der EM 2012 am 18. April in Cardiff schwer im Magen. Auf seiner Werbetour blieb Verbandschef Giancarlo Abete beim Internationalen Fußball-Verband (Fifa) und bei der Europäischen Fußball-Union (Uefa) am Freitag nur die Flucht nach vorn. Fifa-Präsident Joseph Blatter und Uefa-Chef Michel Platini sicherte er die rückhaltlose Aufklärung der Vorfälle zu.
„Irgendwann musste die Staatsanwaltschaft alles aufdecken“, sagte der frühere kommissarische Verbandsvorsitzende Guido Rossi nach der neuerlichen Ausweitung des Skandals. 39 Spiele wurden nach Meinung der Ermittler von der Fußball-Mafia 2004/2005 manipuliert, fünfzehn mehr als bislang bekannt. Neben Moggi wurde nun auch der ehemalige Sportdirektor von Messina Calcio, Mariano Fabiani, als einer der Hauptdrahtzieher enttarnt. Dem sizilianischen Klub, der bislang ungeschoren davongekommen war, drohen nun ebenfalls Punktabzüge oder gar der Zwangsabstieg.
5000 abgehörte Telefongespräche
Auf Anordnung von Moggi und Fabiani sollen die korrupten Schiedsrichter Spiele zu Gunsten von Juventus und Messina verpfiffen haben. Außerdem hätten die Schiedsrichter Gegner von Juventus geschwächt, indem sie deren Stars durch Gelbe und Rote Karten in den vorgehenden Spielen für die Partie gegen Turin aus dem Verkehr zogen.
Die Beweise dafür sammelten die Ermittler in 5000 abgehörten Telefongesprächen und bei der Analyse von Fernsehaufzeichnungen der Spiele. So wollen sie auch nachweisen können, dass Schiedsrichter Paolo Bertini im Auftrag von „Big Luciano“ Juves 0:0 am 18. Dezember 2004 gegen den AC Mailand sicherte. Milan-Stürmer Hernan Crespo verweigerte Bertini damals einen klaren Elfmeter. „Über Schiedsrichter spricht man normalerweise nicht, aber gegen Juve läuft das immer so“, beklagte sich damals Milan-Spieler Kakha Kaladze.
Für Milans Mittelfeldstar Gennaro Gattuso beweisen die neuesten Ermittlungen nun „die Unschuld des AC Mailand“. Zusammen mit dem AC Florenz, Lazio Rom, FC Siena und Reggina Calcio war Milan im vergangenen Sommer vom Sportgericht dennoch zu Strafpunkten in der Serie A verurteilt worden. Juventus Turin musste in die Serie B absteigen. Moggi und zahlreiche andere Fußball-Funktionäre erhielten mehrjährige Berufsverbote.