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Silvesterläufe Afrikas Asse im Konfetti- und Dollarregen

Bei der 77. Auflage des ältesten Silvesterlaufs der Welt in Sao Paulo gewann Äthiopiens New-York-Marathonsieger Tesfaye Jifar und erhielt umgerechnet rund 12.000 Mark.

© dpa Vergrößern Sieger in Sao Paulo: Tesfaye Jifar

Ob Bruthitze in Brasilien oder klirrende Kälte in Deutschland: Weltweit wurde laufend Silvester gefeiert und fast überall badeten Afrikas Asse im Konfetti- und Dollarregen.

Der Äthiopier Tesfaye Jifar hat die 77. Ausgabe des legendären Silvesterlaufs in Sao Paulo gewonnen. Der 26-Jährige benötigte für die 15 Kilometer durch die Straßen der Wirtschaftsmetropole 44:16 Minuten und hatte einen Vorsprung von 17 Sekunden vor Gilbert Okare (Kenia/44:32).

Mythos "Sao Silvestre"

Insgesamt 17.000 Teilnehmer in Sao Paulo erfüllten den Mythos des „Sao Silvestre“ mit Leben. Ein Vielfaches davon an Zuschauern säumte die Prachtboulevards und engen Gassen in Südamerikas größter Stadt. Samba-Trommler und -Tänzerinnen heizten die Stimmung bei Temperaturen von knapp 30 Grad zusätzlich an und feierten „Karneval in Sao“.

Der seit 1925 durchgeführte Lauf in Sao Paulo ist der weltweit traditionsreichste Wettbewerb zum Ende eines Jahres und leitet jedes Jahr die rauschenden Silvesterfeiern in Brasilien ein. Bei 32 Grad Nachmittagshitze hatte der Lauf mit 17 000 Teilnehmern aus aller Welt eine Rekordbeteiligung.

Sieger ist auf dem rechten Auge blind

Jifar, seit dem 14. Lebensjahr nach einem Unfall auf dem rechten Auge blind und am 4. November Sieger des New-York-Marathons in der Streckenrekordzeit von 2:07:43 Stunden, verfehlte die Streckenbestzeit des fünfmaligen Siegers Paul Tergat (Kenia/43:12 Minuten) aus dem Jahr 1995 allerdings klar. „Ich bin superhappy. Mein nächstes Ziel ist der Marathon von London im April“, sagte der Äthiopier dennoch. Für den Sieg gab es rund 15.000 Mark.

Im Frauen-Wettbewerb setzte sich die einheimische Läuferin Maria Zeferina Baldaia in 52:12 Minuten vor Margaret Okayo (Kenia/52:23) durch.

Über 100 Veranstaltungen in Deutschland

In Deutschland waren bei über 100 Veranstaltungen zum Jahreswechsel von Flensburg bis München, wo im August die Leichtathletik-Europameisterschaften stattfinden, trotz Schnee, vereisten Strecken und Minusgraden rund 100.000 Läuferinnen und Läufer am Start. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse schickte am ersten Tag des neuen Jahres über 4000 Teilnehmer am Brandenburger Tor zum 31. Berliner Neujahrslauf auf die Strecke.

Wo noch in der Nacht eine Mega-Silvesterparty mit rund 1,2 Millionen Menschen stattfand, wünschte er allen ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr. Thierse versicherte, dass die Bundesregierung bei der Bewerbung alle Unterstützung geben werde, damit die Olympischen Spiele 2012 nach Deutschland kommen. Auf der Straße

Daniel Gachara siegte in Trier

Unter den Linden wurden vier Kilometer ohne Wettkampfcharakter und Zeitmessung absolviert und für UNICEF gesammelt. Seinem Ruf als „deutsches Sao Paulo“ wurde der 12. Silvesterlauf in Trier mit 1200 Teilnehmern gerecht. Die Kenia-Läufer Daniel Gachara über 8 km (22:58) und Leah Malot über 5 km (16:38) konnten zum dritten Mal gewinnen. Gachara hatte nur eine Sekunde Vorsprung vor dem Wattenscheider Carsten Schütz.

Der Weltrekordler über 3000 m Hindernis, Brahim Boulami (Marokko), belegte vor 18.000 Zuschauern in 23:31 Minuten nur den sechsten Rang. Samba-Trommler sorgten für gute Stimmung, zudem hatten die Organisatoren 100 Kilo Konfetti und 2000 Trillerpfeifen ausgegeben.

Laufen für den guten Zweck

Den 21. Bietigheimer Silvesterlauf über 11,2 km mit einer Rekordbeteiligung von 3180 Läuferinnen und Läufern gewann vor 12 000 Zuschauern Marathon-Spezialist Tendai Chimusasa aus Simbabwe in 33:34 Minuten. Als bester Deutscher kam Hindernisspezialist Filmon Ghirmai (LAZ Pliezhausen) auf Rang vier. Bei den Frauen dominierte die mehrfache deutsche Meisterin Petra Wassiluk (Eintracht Frankfurt).

Der 20. Silvesterlauf von Werl nach Soest über 15 km mit den Siegern Georg Diettrich (Braunschweig/46:27) und Waltraud Klostermann (Schalke 96/56:56) hatte mit 6663 Teilnehmern eine Rekordbeteiligung. Über 15 000 Zuschauer feierten an der Strecke trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt ein Volksfest. Neben dem Sport stand auch wieder der soziale Zweck im Vordergrund. So wurde durch Startgelder und Spenden eine Summe von 110.000 Mark (rund 56 000 Euro) für die Volksrepublik Benin gesammelt.

In den letzten 20 Jahren wurden bei diesem Rennen mehr als 1,4 Millionen Mark an Spendengeldern eingenommen. Die Berliner Marathonspezialistin Kathrin Weßel musste sich nach ihrem Sieg im Vorjahr diesmal mit Rang drei beim 17. Silvesterlauf im österreichischen Peuerbach in 17:01 Minuten begnügen. Bei leichtem Schneefall und Minustemperaturen ging der Sieg über 5,1 km an die Ungarin Aniko Kalovics (16:37). Bei den Männern über 6,8 km triumphierte Julius Ndoria Nyamu (Kenia/18:52).

Quelle: @hel, dpa, sid

 
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