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Siegertypen 2012: Michael Jung In Michis Welt

Zwei Goldmedaillen bei den 30. Spielen, am 30. Geburtstag - das alles im 30. Jahr der Reitschule Jung. Ein Hausbesuch beim Doppel-Olympiasieger und „weltbesten Reiter des Jahres“.

© dapd Vergrößern Im olympischen Gelände mit Sam: Jung auf dem Weg zum Sieg

Michael Jung hat die olympischen Ringe im Blick. Eingeschnitzt in einen Holzstamm an der Zufahrt des Reiterhofes in Altheim. Er liegt dort seit Jungs triumphaler Rückkehr von den Olympischen Sommerspielen in London. Eine handfeste Erinnerung von Freunden an jene Spiele der XXX. Olympiade der Neuzeit, als der Pferdewirtschaftsmeister aus dem Horber Ortsteil Doppel-Olympiasieger in der Vielseitigkeit wurde. Erst in der Einzelwertung, Stunden später mit der Mannschaft. Zwei Goldmedaillen bei den 30. Spielen, am 30. Geburtstag des Schwaben - das alles zudem noch im 30. Jahr der Reitschule Jung. Vor drei Jahrzehnten hat sich die Familie Jung ihren Traum am Rande des Schwarzwalds erfüllt: „Ein Häuschen im Grünen mit Pferden am Haus.“ Vater Joachim steuert noch ein Detail bei, das ihm wichtig ist: „Wir sind seit zehn Jahren schuldenfrei.“

Man hockt am Tisch im Reiterstübchen mit Blick in die Reithalle. An den Wänden Siegerschleifen, Trophäen, Fotos, Urkunden. Der Senior öffnet eine Vitrine und holt einen Silberbecher hervor, den er in seinen Anfangsjahren für den Sieg in einem S-Springen bekommen hat. Der Becher von 1969 hat Patina angesetzt. Der Lehrmeister von einst ist inzwischen so etwas wie Mentor, Begleiter und Manager des Doppel-Olympiasiegers. Auf eine eher beiläufige Art. Es hat sich so ergeben. Der Sohn lässt Taten sprechen, wozu das große Wort führen? Sie sind von unterschiedlichem Temperament. Bisweilen bedarf es der Geduld im Umgang der Generationen. Man ahnt: Mutter Brigitte ist das ausgleichende Element im Haus. Die gute Seele des Familienunternehmens, voller Begeisterung und Zuneigung.

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Die Tage „zwischen den Jahren“ zählen zu den ruhigsten im Kalender. Das Wort ruhig buchstabieren sie hier wie überall, aber interpretieren es anders. Die Tage sind ihnen zu kurz geraten für die anfallende Arbeit im Stall. „Der Tag müsste ein paar Stunden mehr haben“, sagt „Michi“, bevor es wieder hinausgeht auf den Allwetterplatz zum Springtraining. Die Mutter legt die Stangen auf, der Vater zieht sich ins Büro zurück. „Von nichts kommt nichts“ ist hier ein geflügeltes Wort, oder auch: „Ohne Fleiß kein Preis.“

Von Starkult keine Spur

Dreißig Pferde stehen in den Boxen, zehn bis dreizehn der Vierbeiner werden täglich von Michael Jung bewegt. Sein Arbeitstag: acht bis zehn Stunden im Sattel. „Gemeinsam und vielseitig zum Erfolg.“ Mit dieser These wirbt die Reitschule Jung um Kundschaft. Auf dem Außenplatz lässt der Wind Nationalflaggen knattern. Darunter die der Schweiz, Japans und Polens. Eine Reverenz an den Eidgenossen Felix Vogg sowie den Japaner Kenki Sato. Zwei ambitionierte Vielseitigkeitsreiter, die sich vom Feintuning am Hofe Jungs den Sprung in die allerbesten Kreise ihres Sports versprechen. Und die polnischen Farben? „Die wehen zu Ehren des polnischen Stallmitarbeiters.“

148073214 © AFP Vergrößern A Day in a Life: zwei Goldmedaillen für Jung und Sam in Greenwich

Teamarbeit ist das tägliche Brot im Stall, von Starkult keine Spur. Ein Kompliment wie das vom englischen Konkurrenten William Fox-Pitt („Erst kommt Michael, dann lange nichts“) steigt niemandem zu Kopf. Es sind die Mühen von normalen Leuten mit normalen Pferden, die sich über die Jahrzehnte ausgezahlt haben. Nie war ein fertiger vierbeiniger Überflieger dabei, auch Sam, ihr Paradepferd, der Braune mit den Honigaugen, manche sagen Bernsteinaugen, wurde erst nach Lehrjahren mit Jung im Sattel zum Objekt der Begierde. Aber eines stimme schon: Der stete und letztlich kometenhafte Aufstieg begann damit, dass Sam als Vierjähriger in die Obhut der Jungs kam. Der Triumph von London zeichnete sich ab. Er war nach dem Weltmeistertitel und der Europameisterschaft für Michael Jung der krönende Abschluss des Jahres 2012, „in dem alles nach Plan lief“. Michael Jung hält das in der halbstündigen Mittagspause, in der er normalerweise „geschwind“ einen Happen zu sich nimmt, fest. Das Trio Vater, Mutter, Sohn ist sich einig: Wenn man jetzt nicht zufrieden wäre, „dann wäre was verkehrt“.

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