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Veröffentlicht: 10.12.2012, 16:19 Uhr

Sicherheitsleiter Sven Brux „Dann haben wir das Problem auf der Straße“

Wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen? Sven Brux vom FC St. Pauli spricht über das umstrittene Sicherheitskonzept im Fußball und Maßnahmen, die er bei seiner Arbeit mit den Fans präventiv ergreift.

© ddp images/dapd/Axel Heimken Für Sven Brux ist der Dialog wichtig

Ein Soziologe und Adorno-Schüler hat Sie mal als den Joschka Fischer der Fanszene beschrieben - ein treffender Vergleich?

Wir kennen uns schon lange, und daher nehme ich ihm das nicht krumm. Man kann das ja auch als Kompliment verstehen. Es stimmt ja, dass auch ich aus einer Fundamental-Opposition und Straßenkampf-Szene komme - und irgendwann in eine Position gekommen bin, wo man ein paar Dinge bewegen kann.

Nehmen es Ihnen die Jungs eigentlich ab, wenn Sie heute gegen Pyrotechnik sind - früher haben Sie sich ja auch Ärger mit der Polizei eingehandelt?

Ich war damals selbst um die zwanzig, da denkt man über Gefahren oder die Belästigung Dritter nicht allzu viel nach - und durch meinen Jobhintergrund sehe ich Dinge, die den jungen Fan null interessieren, natürlich nochmals anders. Was Pyro betrifft: Die Stadien haben sich verändert, früher wäre das am Millerntor vielleicht möglich gewesen, heute nicht. Und was bei dem Gespräch mit jungen Fans eben auch passiert: Ich sage den Jungs: „Das, was ich früher gemacht habe, war auch richtig Scheiße. Hört ruhig mal auf die Älteren, die schlimme Erfahrungen gemacht haben. Glaubt uns, dass wir zum Teil bereuen, was wir früher gemacht haben.“

Was sind denn präventive Maßnahmen, die Sie für erfolgversprechend halten?

Der Dialog. Man muss die Leute kennen. Es muss feste Ansprechpartner geben - Fanbeauftragte, Fanprojekte, zugängliche Sicherheitsbeauftragte. Alle, die eine Veranstaltung durchführen, ob als Fan oder professionell Handelnder. Und es ist wichtig, dass man den Leuten erklärt, warum man etwas untersagt - und nicht vom hohen Ross sagt: „Es ist verboten!“ Das erkläre ich auch immer den Ordnern im Stadion. Wenn einer fragt, warum darf ich das nicht, ist häufig die Antwort: „Weil ich das jetzt sage.“ Falscher geht es nicht. Wenn man erklärt, ist das Verständnis auch oft da, bei den allerallermeisten.

Welche Schwierigkeiten sehen Sie im Alltag?

Große Sorgen bereitet mir immer noch die oftmals fehlende Reflexion sowohl bei den Ultras als auch bei der Polizei. Beide Konfliktparteien machen nach eigenen Angaben nie Fehler, immer sind die anderen schuld. Wenn Ultras Mist bauen, war es nie „die Gruppe“. Verantwortung für eigenes Handeln zu übernehmen gehört aber dazu, wenn man auf Augenhöhe mitreden möchte. Das gilt auch für Straftaten. Beide Seiten decken Straftäter in ihren Reihen und stellen damit ihre jeweilige Gruppe über das Vereinswohl und über das Gesetz.

Borussia Dortmund's supporters protest before the German first division Bundesliga soccer match against Wolfsburg in Dortmund © REUTERS Vergrößern Fans protestieren in Dortmund

Der Druck der Politik ist groß, dass die DFL am Mittwoch das Sicherheitspapier verabschiedet. Muss man da als Fan nicht auch Verständnis entwickeln, dass der organisierte Fußball zwischen den Stühlen sitzt und nun das Schlimmste, Stehplatzverbote, verhüten will?

Eigentlich sitzen der organisierte Fußball und die Fans im selben Boot - beide sollten kein Interesse daran haben, dass sich an den Bedingungen im Stadion Gravierendes ändert. Umso dringender ist es, dass beide Seiten zusammenfinden, um gegen die ungerechtfertigten Angriffe von Politik und Polizei vorzugehen. Die besseren Argumente liegen zweifellos auf unserer Seite. Man muss dabei auch sehen: Der Staat kürzt überall Sozialarbeit, das ist gerade bei uns in Hamburg ein großes Thema, wo massiv im Jugendbereich gespart wird. Und dass sich Jugendliche, vor allem junge Männer, so benehmen, wie sie sich benehmen, ist auch keine Überraschung. Die wissen doch in diesem Alter nie so recht, wohin mit ihrer Kraft. Wir haben keine Gewaltexplosion, sondern ein ganz normales Jugendverhalten.

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