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Selbstdarstellung Karriere: Der ganze Körper ist ein Instrument

13.05.2002 ·  Wer im Beruf bestehen will, braucht Fachwissen und muss es auch präsentieren können. Überzeugen Sie durch Körpersprache und Stimme.

Von Swantje Werner
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Es zieht sich durch alle Branchen: Menschen aus den verschiedensten Berufszweigen haben ihre Ausdrucksfähigkeit und Körpersprache oft jahrelang vernachlässigt, sagt die Sprechtrainerin Ingeborg Grosz aus München. Dabei ist eine gute Sprechstimme nicht einfach eine Gabe der Natur, sondern sollte trainiert werden.

Harmonie von Körper und Stimme

Allerdings führt der Weg zur ausdrucksstarken und durchsetzungsfähigen Stimme über Umwege, betont die Stimmlehrerin Sabine Wittstock in ihrem Sachbuch „Stimmig sprechen - stimmig leben“. Wer sich beispielsweise bemühe, durch bloße Willensanstrengung mehr Festigkeit in seine Stimme zu legen, könne ein gesundes Stimmorgan auf Dauer sogar ernstlich schädigen.

„Der ganze Körper ist das Instrument“, erklärt Marion Walke, Vorsitzende des Deutschen Bundesverband der Atem-, Sprech- und Stimmlehrer (dba) mit Sitz in Hamburg. Deshalb müsse auch die Körperwahrnehmung geschult werden. So sei es für das Sprechen wichtig, sich aufrecht zu halten, ohne ins Hohlkreuz zu verfallen.

Coolness wird oft mit schlampiger Aussprache verwechselt

Auch Sprechtrainerin Grosz arbeitet in ihren Seminaren an der Körperhaltung: „Gerade die groß geratenen
Nachwuchsführungskräfte stehen oft da wie ein Häufchen Elend“. Die Kursteilnehmer üben deshalb auch so einfache Dinge, wie sich mit beiden Beinen fest auf den Boden zu stellen, statt nur das eine Bein zu belasten und das andere lässig anzuwinkeln.

Grosz zufolge ist nicht nur die Körperhaltung, sondern auch die Artikulation gerade bei jungen
Nachwuchsführungskräften oft von einem falsch verstandenen Understatement geprägt: „Die Jungen verwechseln Coolness mit schlampiger Aussprache“. Häufig werde in abgehacktem Telegrammstil nach amerikanischen Vorbild gesprochen. „Aber ich muss erst die Genauigkeit haben, dann kann ich das Lockere wieder reinbringen“, hält Grosz fest.

Bei Nervosität bewußt und langsam atmen

Genauigkeit und Achtsamkeit fordern die Fachleute auch in Bezug auf die Atmung. „Ich muss darauf achten, dass ich mir beim Ausatmen Zeit lasse“, sagt Stimmlehrerin Walke. Im Gespräch sei das einfach: Man atme einfach in Ruhe aus, wenn das Gegenüber spricht. Beim Einatmen werde dann die Zungenspitze vor die Schneidezähne gelegt. Dann weiteten sich die Nasenflügel leicht, das Zwerchfell senke sich, und man könne automatisch mit tieferen Stimmansatz weiter sprechen.

Die hektische Atmung, die beispielsweise aus Nervosität vor einer Rede auftreten kann, nennen die Experten
„Hochatmung“. Oft hebt sich dann der Brustkorb mitsamt den Schultern, die Halsmuskeln werden angespannt und drücken auf die für die Stimme wichtigen Organe Kehlkopf und Luftröhre, so Expertin Wittstock. Sie empfiehlt, sich auf den unteren Teil des Körpers zu konzentrieren, wenn es einem die Kehle zuschnürt. „Besinnen Sie sich auf den festen, tragenden Boden, falls Sie gerade stehen oder konzentrieren Sie sich auf ihr weites, gelöstes Becken, falls Sie sitzen“.

Wie bei Sportlern: Das Warm-Up nicht vergessen

„Und natürlich muss man sich vor einem Auftritt in der Öffentlichkeit einsprechen“, ergänzt Sprechtrainerin Grosz. Es sei kaum nachvollziehbar, so die ehemalige Schauspielerin und Sängerin, dass das für berufliche Vielsprecher nicht längst eine Selbstverständlichkeit sei: „Beim Sport müssen Sie sich doch auch aufwärmen.“

Weitere Informationen: Experten für professionelles Sprechtraining können erfragt werden über den Deutschen Bundesverband der Atem-, Sprech- und Stimmlehrer (dba) in Hamburg.

Buch-Tipp: „Stimmig sprechen - stimmig leben“ von Sabine Wittstock

Quelle: dpa
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