29.11.2003 · Franziska van Almsick hat ihren Formtest bei den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften bestanden. Über ihre Paradestrecke 200 m Freistil setzte sie sich gegen die nationale Konkurrenz durch.
Weltrekordlerin Franziska van Almsick hat endgültig Kurs auf Olympia 2004 in Athen genommen. Über ihre Paradestrecke 200 m Freistil gewann die 25 Jahre alte fünffache Europameisterin von Berlin bei den deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Gelsenkirchen am Samstag souverän in 1:56,38 Minuten und blieb damit nur 54 Hundertstel über ihrem deutschen Rekord (1:55,84).
„Das war die Bestätigung, daß sie auf dem richtigen Weg Richtung Athen 2004 ist“, sagte Ralf Beckmann, Sportdirektor und Cheftrainer des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV). Zweite wurde die Heidelbergerin Petra Dallmann (1:56,83).
„Ich wußte: mich holt keine mehr ein“
„Ich bin positiv überrascht“, sagte Franziska van Almsick nach dem Rennen: „Man muß bedenken, daß ich auf der kurzen Bahn seit langen Jahren nichts gebracht habe. Und für die vielen Wenden im 25-m-Becken bin ich nicht geschaffen“. Dennoch entschied „FvA“ das Rennen ausgerechnet bei der letzten Wende: „Ich habe nur noch gedacht, zieh den Kopf ein, dreh dich und dann kräftig abstoßen. Danach wußte ich: es holt mich keine mehr ein.“ Ihre langwierigen Schulterprobleme sind nicht ganz ausgestanden: „Aber ich komme ganz gut damit mit zurecht“, meinte sie.
Dabei hatte Franziska van Almsick im insgesamt quälende 4:45 Stunden langen Vorlaufabschnitt in 1:59,22 Minuten nur die fünftbeste Zeit erzielt. Die fünffache Weltmeisterin Hannah Stockbauer aus Erlangen verpaßte den Endlauf (1:59,98). Antje Buschschulte, die sich als Fünfte qualifiziert hatte, meldete für das Finale kurzfristig ab.
Rupprath ohne Gegner
„Wir müssen abspecken, die Teilnehmerzahlen für die Titelkämpfe sind zu groß“, forderte Sportdirektor und Cheftrainer Ralf Beckmann, der in Zukunft mobile Schwimmbecken in deutschen Großstädten favorisiert. DSV-Präsidentin Christa Thiel: „Wir denken über modernere Präsentationsformen nach.“
Neben Superstar „Franzi“ waren es die Männer des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), die am 2. Finaltag im Zentralbad überzeugten. Ralf Beckmann, der „mit mindestens 26, aber nicht mehr als 30 Aktiven nach Dublin fahren will“, zeigte sich zufrieden: „Die Konkurrenz ist hart, das kann in der Olympiasaison nur gut sein.“ Rekordhalter Thomas Rupprath von der SG Wuppertal gewann über 200 m Schmetterling seinen dritten Titel in Gelsenkirchen.
Völker nur Dritte
In 1:52,55 Minuten war der vierfache Weltrekordler und 34malige Kurzbahn-Titelträger nicht zu schlagen, verfehlte seinen eigenen deutschen Rekord (1:51,21) aber um mehr als eine Sekunde. „Ich hatte mir die Durchgangszeiten von Franck Espositos Weltrekord als Marschroute gesetzt. Bis 150 Meter lief es gut, aber danach war ich kaputt. Ein wenig enttäuscht bin ich schon, aber ich sehe noch Steigerungsmöglichkeiten in Dublin“, sagte Rupprath. In der Konkurrenz der Damen war Annika Mehlhorn von der SG Baunatal (2:10, 99) Schnellste.
Über 50 m Rücken kam Rekordhalterin Sandra Völker vom SC DHFK Leipzig in 28,29 Sekunden nur auf Rang 3 und mußte somit bis zum
Schlußtag weiter auf ihre EM-Qualifikation für Dublin warten. Schnellste war die erfolgreiche Titelverteidigerin Janine Pietsch aus Ingolstadt (27,87) vor Europameisterin Antje Buschschulte vom SC Magdeburg (28,09). Sarah Poewe von der SG Bayer Wuppertal gewann den Wettbwerb über 50 m Brust (31,40).
Im Finale über 100 m Freistil kam Newcomer Jens Schreiber von der SG Weser-Ems in 48,12 Sekunden zu seinem ersten Meistertitel. Zweitschnellster war Lars Conrad von der SGS Hannover (48,36).
„Oldie“ Mark Warnecke holte sich den Titel über 50 m Brust (27,28) und verwies Titelverteidiger Jens Kruppa (Riesa) auf den Silberrang (27,90). Steffen Driesen (Wuppertal) gewann über 200 m Rücken (1:54,13).