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Schwimm-WM Die Doping-Welle rollt schon vor dem ersten Start

22.03.2007 ·  Die WM beginnt in einem Klima der Doping-Verdächtigungen - im Mittelpunkt stehen Deutsche und Chinesen. Doch es gibt bislang weder Funde noch positive Tests, nicht mal Indizien. Melbourne steht eine schmutzige WM bevor.

Von Gerd Schneider, Melbourne
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Warum jetzt, da in Melbourne die Schwimm-Weltmeisterschaften ausgetragen werden, so häufig von Perth die Rede ist, hat einen Grund: Doping. In der westaustralischen Stadt fand 1998 die WM statt, und die Erinnerung daran ist in der Szene bis heute lebendig. Auf dem Flughafen wurden damals im Gepäck einer chinesischen Schwimmerin Ampullen mit Wachstumshormon gefunden. Der Fall schlug hohe Wellen. Es gab positive Dopingtests, man schickte sieben Schwimmerinnen und drei Trainer zurück nach China. Überall machte sich Misstrauen breit, und in diesem vergifteten Klima spielten auch die Deutschen eine Rolle.

Die Ausrichter entzogen dem damaligen deutschen Teamchef Wilfried Leopold wegen dessen Verstrickungen im DDR-Dopingsystem die Akkreditierung. Der Deutsche Schwimm-Verband setzte dessen WM-Teilnahme schließlich auf juristischem Wege durch. Jetzt kommen die alten Geschichten wieder hoch, manche Beteiligten fühlen sich unheilvoll an die damaligen Geschehnisse erinnert. Verdächtigungen machen die Runde, und wieder geht es um die Deutschen und die Chinesen. Der Unterschied ist: Es gibt dieses Mal weder Funde noch positive Tests, ja, es gibt nicht einmal Indizien. Wenn nicht alles täuscht, stehen in Melbourne schmutzige Weltmeisterschaften bevor.

„Haben nichts zu verstecken“

Die aktuelle Geschichte nahm ihren Lauf bei den Europameisterschaften in Budapest mit dem Weltrekord der Berlinerin Britta Steffen über 100 Meter Freistil (53,30 Sekunden). Der spektakuläre Auftritt der blonden Deutschen warf nicht nur in den deutschen Medien Fragen auf, sondern auch in den Vereinigten Staaten und vor allem in Australien. Der DSV reagierte darauf mit einer Anti-Doping-Offensive, die Sportdirektor Örjan Madsen angestoßen hatte. Inzwischen ließ er von allen Nationalschwimmern Blut- und DNA-Proben entnehmen, ein individuelles Blutbild erstellen und die Proben einfrieren. Ein Pilotprojekt, das von der Nationalen Anti-Doping-Agentur unterstützt wird.

Um weiteren Verdächtigungen während der WM zu begegnen, organisierte der Verband am vergangenen Sonntag im Schwimmzentrum des Vororts Forest Hill speziell für australische Medien eine Pressekonferenz. Er habe viele E-Mails von amerikanischen Trainern bekommen und deren Verdächtigungen gelesen, sagte der Sportwissenschaftler aus Norwegen auf der Konferenz. „Aber wir haben nichts zu verstecken. Das Einzige, was wir tun können, ist, offen damit umzugehen. Wir wollen, dass man uns noch öfter testet. Zeigen Sie uns ein Land, das in dieser Hinsicht mehr tut als wir, und wir werden das genauso machen.“

„Da wird mit Dreck geworfen“

Die australischen Zeitungen berichteten objektiv und durchaus mit Wohlwollen über Madsens Auftritt. „Wir haben Ruhe in das Thema gebracht“, sagte DSV-Generalsekretär Jürgen Fornoff am Dienstag. Wenn er sich da nicht täuscht. Denn die Welle, die angestoßen wurde, scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein. Denn just am gleichen Tag meldete sich der frühere australische Cheftrainer Don Talbot, ein Mann von hohem Ansehen in Australien, in Tageszeitungen zu Wort. Seine Botschaft: Die Initiative der Deutschen sei aller Ehren wert; aber sie wäre noch besser, wenn die Deutschen auch Blutprofile der Athleten hätten erstellen lassen.

Blutprofile? Offenbar hatte Talbot die Zeitungsartikel nicht richtig gelesen. In allen stand Madsens Erklärung, dass Blutprofile erstellt worden seien. In den Berichten über Talbots Äußerungen wurde erstmals auch die in Deutschland kolportierten „No shows“, bei Dopingkontrollen nicht angetroffene Athleten, mit dem Schwimmen in Zusammenhang gebracht. Zudem machten am Dienstag Gerüchte die Runde, der amerikanische Trainer John Collins habe sich gegenüber Journalisten beklagt, dass Britta Steffen nie getestet worden sei. „Das ist natürlich Unsinn. Da wird mit Dreck geworfen“, sagte Gerd Heydn, der Pressesprecher des DSV.

50 chinesische Schwimmer zu Hause geblieben?

Auch die Chinesen sind in diesen Tagen mit pauschalen Anschuldigungen konfrontiert worden. Ken Wood, der Trainer der Weltrekordhalterin über 200 Meter Schmetterling, Jessica Schipper, behauptete in der „Herald Sun“, die Chinesen betrieben ein Versteckspiel und hätten 50 ihrer besten 100 Schwimmer zu Hause gelassen. „Aus welchen Gründen auch immer“, so zitiert ihn die Zeitung, „ich will das Wort nicht nennen.“ Einen Tag später forderte ein chinesischer Journalist in einer Pressekonferenz den Präsidenten des Internationalen Schwimm-Verbandes, Mustafa Larfaoui, zu einer Stellungnahme in dieser Sache auf. Doch der Algerier wollte sich dazu nicht äußern.

Es scheint sich etwas zusammenzubrauen über der WM in Melbourne. Dabei haben die Schwimmwettbewerbe noch nicht einmal begonnen. „Wenn wir den ersten Titel holen“, sagte Sportdirektor Örjan Madsen, „dann geht es richtig los.“

Quelle: F.A.Z., 21.03.2007, Nr. 68 / Seite 32
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