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Schwimm-EM in Berlin Der langsame Abschied des Alexander Popow

31.07.2002 ·  Bei der EM 1999 und Olympia 2000 war Pieter van den Hoogenband zu stark für ihn - und auch 2002 in Berlin wurde Popow wieder nur Zweiter.

Von Cai Philippsen, Berlin
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Was wirklich in Alexander Popow vorgeht, darüber kann nur gerätselt werden - auch nach der neuerlichen Niederlage über 100 Meter Freistil.

Der alles dominierende Freistil-Schwimmer der 90-er Jahre muss im neuen Jahrtausend eine Niederlage nach der anderen einstecken und bleibt äußerlich dennoch gelassen. Schwimmt weiter, ist noch immer der Eleganteste im Wasser, ohne aber an die ganz großen Erfolge anknüpfen zu können.

Die Emotionen verbirgt er hinter seinem freundlichen Pokerface. Alexander Popow ist der richtige für jede Schwiegermutter: Immer höflich, frisch gekämmt, stets zuvorkommend und freundlich, frei von allen Skandalen.

Fast eine Sekunde zu langsam

In Berlin war es wieder der Niederländer Pieter van den Hoogenband, den er über 100 Meter Freistil ziehen lassen musste. In 47,86 Sekunden verpasste der 24-Jährige seinen eigenen, in Sydney aufgestellten Weltrekord nur um zwei Hunderstel. Popow schlug in 48,94 erst mehr als eine Sekunde später an.

„Das war ein sehr hartes Rennen. Die ersten 50 Meter liefen noch gut, danach wurde es immer schwerer, so dass ich Pieter nicht mehr halten konnte, ich habe nur noch versucht zu überleben“, sagte Popow. Staffel-Europameister Torsten Spanneberg schwamm in schwachen 50,07 auf Platz sieben.

Immer wieder van den Hoogenband

Immer wieder Pieter van den Hoogenband. 1999 fügte der damals noch ehrfürchtige Newcomer „Hoogie“ seinem Vorbild Popow die erste Niederlage auf europäischer Ebene seit 1991 zu, 2000 war es wieder der sieben Jahre jüngere Niederländler, der ihm den großen Traum vom dritten Olympiasieg bei den dritten Olympischen Spielen hintereinander verdarb und zudem den Weltrekord raubte.

„Im Sport musst du auch lernen zu verlieren. Du musst auf so etwas vorbereitet sein“, sagt Popow heute im Rückblick. 1992 und 1996 war der inzwischen 30-Jährige jeweils Doppel-Olympiasieger über 50 Meter und 100 Meter Freistil. Wäre ihm dieses Kunststück auch 2000 gelungen, hätte er sich unsterblich gemacht.

Der Hattrick bleibt das Ziel

2001 bei der Weltmeisterschaft, als Popow sich bei seinem Widersacher revanchieren wollte, kam eine Erkrankung dazwischen. Er musste die WM absagen. Die EM 2002, seine siebte Europameisterschaft (20 EM-Titel), ist für den 1,97 Meter großen und 84 Kilogramm schweren Modellathleten auch eine Durchgangsstation. 2004 - er wäre dann 32 Jahre alt - will er das perfekt machen, was ihm 2000 verwehrt blieb.

„Ich habe noch nicht alles aus mir herausgeholt. Es gibt noch einige Aufgaben zu erledigen“, sagt Popow, der 1996 Opfer eines Messerattentats geworden war, von dem er sich lange nicht erholte. Ziel ist noch immer das dritte Olympia-Gold auf der gleichen Strecke. Er ist aber Realist genug, um zu wissen, wie schwer der Weg nach Athen für ihn wird: „Die junge Generation ist ständig hinter mir und klopft mir auf den Hinterkopf.“

„Kein perfektes Rennen“ vom Sieger

Und was Hoogenband nach seinem EM-Titel sagte, muss sich für Popow wie eine böse Prophezeiung anhören. „Es war kein perfektes Rennen, ich kann noch schneller schwimmen“, kündigte Hoogenband an.

Popow blieb auch in der Niederlage ein Gentleman: „Es ist eine Freude, von Pieter van den Hoogenband geschlagen zu werden. Es gibt nicht viele Leute, die sagen können, Zweiter hinter Pieter zu sein. Die Chance, ihn heute zu schlagen, war eins zu hundert.“ Über 50 Meter werden die beiden wieder aufeinandertreffen.

Was kommt nach der Karriere?

Und selbst die Fragen nach seinem vom Australian Institute of Sport in Canberra wegen Dopingverdächtigungen und Prügeleien in Flugzeugen entlassenen Trainer Gennadi Turetski brachten Popow nicht aus der Ruhe. Er werde trotz alledem weiter mit ihm zusammen arbeiten und in Canberra bleiben. Was nach 2004 kommt, darauf will er sich noch nicht festlegen. Vielleicht Trainer in Russland, vielleicht bleibt er doch in Australien, wo er seit 1992 lebt und trainiert.

Um seine Finanzen muss sich Popow, der im Weltschwimmverband Fina und im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in der Athletenkommission sitzt, jedenfalls keine Sorgen machen. Badehosenhersteller „Arena“ und Uhrenhersteller „Omega“ zahlen ihm ein Millionensalär.

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