Home
http://www.faz.net/-gtl-3oh4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Schwimm-EM Endlich Gold für Thomas Rupprath

02.08.2002 ·  Im Duell des Tages bezwang Rupprath über 50 m Rücken Stev Theloke. Völlig überraschend gewann zudem Jana Henke Gold über 800 m Freistil.

Von Cai Philippsen, Berlin
Artikel Bilder (4) Lesermeinungen (0)

Franziska van Almsick gönnte sich am Donnerstag einen Tag Pause. Für den Rest der deutschen Mannschaft die einmalige Chance, selbst ins Rampenlicht zu schwimmen. Thomas Rupprath nutzte die Gelegenheit vor allen anderen, er wurde der Mann des Tages.

Im mit Hochspannung erwarteten Duell gegen Stev Theloke im 50 m Rücken-Sprint gewann der 25 Jährige seinen ersten bedeutenden internationalen Titel. „Ich wollte unbedingt gewinnen“, sagte Rupprath. Endlich den Ruf des ewigen Kurzbahnschwimmers loswerden, der bei den wirklich wichtigen Meisterschaften auf der olympischen 50 m Bahn stets die Nerven verliert, dem Druck nicht standhalten kann.

Rupprath hat sich endlich selbst bezwungen

Über 50 m Schmetterling ging es schief. Rupprath verpatzte den Start, verkrampfte auf den ersten 25 m und musste dem Finnen Jere Hard die Goldmedaille überlassen. Dann zeigte er wieder seine Extraklasse. Im Vorlauf für den 50 m Rücken-Sprint entriss er seinem Teamkollegen Stev Theloke den Europarekord (25,26) und schraubte ihn auf 25,20 Sekunden.

Im Halbfinale legte er noch einmal nach: 25,00. „Da musste ich die Ohren anlegen, da war ich ganz schön baff“, meinte der direkte Widerstreiter Theloke. Nur eine Hunderstel fehlte zum Weltrekord des Amerikaners Lenny Krayzelburg. „Diesmal habe ich es geschafft, für den Saison-Höhepunkt auf den Punkt genau fit zu sein“, meinte Rupprath, der im Finale in 25,05 nicht mehr ganz an seine eigene Bestmarke herankam. Theloke schraubte seine eigene Bestmarke auf 25,12.

Länger tauchen, früher anschlagen

„Die 50 m werden unter Wasser entschieden. Wer nach 15 m führt, der gewinnt“, hatte Cheftrainer Ralf Beckmann seinen beiden Favoriten mit auf den Weg gegeben. Er sollte recht behalten. Rupprath startete gewohnt stark, tauchte mit einer klaren Führung auf und wehrte die Attacken der Konkurrenten bis ins Ziel ab. „Ich lebe von meinem Start und von meiner Tauchphase, am Ende fehlt mir die Kraft und die Technik“, sagte denn auch Thomas Rupprath, nachdem er Seite an Seite mit Theloke aus der Halle kam.

Theloke, der Gold über 100 m Rücken in Europarekordzeit gewonnen hatte, hat seine Stärken eher auf der Strecke. „Ich bin halt ein bisschen länger und schwerer als der Thomas, ehe der Pfiff bei den Füssen rauskommt, das dauert schon ein bisschen“, sagte Theloke. Außerdem sei Rupprath - sein „Kumpel außerhalb des Wassers“ - der beste Starter der Welt. „Er bringt mir Rückenschwimmen bei, und ich ihm den Start“, bot Rupprath an.

Bei Jana Henke passte „Schicksal, Taktik, einfach alles“

Während Ruppraths Sieg eingeplant war, wurde Jana Henke die Überraschungssiegerin des Tages, die neun Jahre nach ihrem letzten und bisher einzigen internationalen Titel, wieder einmal ganz oben auf dem Medaillentreppchen stand. „Schicksal, Taktik, heute hat einfach alles zusammengepasst. Mit der Superzeit wäre ich im vergangenen Jahr sogar Weltmeisterin geworden“, sagte die 28-Jährige. 8:23,83 Minuten über 800 m Freistil, so schnell war sie in ihrer schon elfjährigen Laufbahn im Nationalteam noch nie. Jetzt will sie ihre Karriere sogar bis Olympia 2004 fortsetzen.

Hannah Stockbauer versuchte nach Platz drei (8:30,97) die Enttäuschung nicht zu sehr zu zeigen, und stellte sich nach der Niederlage tapfer den ungeliebten Journalistenfragen. Obwohl sie wegen der Abiturvorbereitung das Training einschränken musste, hatte die Doppel-Weltmeisterin von Fukuoka (800 und 1.500 m) auf eine „Medaille in der schönsten Farbe“ gehofft. Doch für die 20-Jährige war das Rennen eigentlich schon nach 100 m gelaufen. Die erst 16 Jahre alte Ungarin Eva Risztov startete furios, Hannah Stockbauer war schon nach zwei Bahnen eine Körperlänge zurück. Nur Jana Hanke konnte das Tempo mitgehen und ihre zwölf Jahre jüngere Widersacherin, die im Ziel Silber in 8:28,06 gewann, nach 250 m sogar hinter sich lassen.

Abi mit Ach und Krach

„Ein bisschen enttäuscht bin ich schon. Aber die Bronzemedaille und das Abitur in einem Jahr, das ist doch gut“, meinte sie. „Das ist jetzt abgehakt, im nächsten Jahr greife ich wieder an.“ Nach dem mit Ach und Krach (Note 3,4) bestandenen Abi will Hannah Stockbauer „irgendetwas mit Sport studieren“.

Wo, weiß die „Sportlerin des Jahres 2001“ noch nicht. Dass sie sich in Berlin der Trainingsgruppe des SC Neukölln von Van Almsick-Coach Norbert Warnatzsch anschließt, wo auch ihr Freund Staffel-Europameister Torsten Spanneberg schwimmt, ist unwahrscheinlich. „Berlin ist mir zu groß und außerdem will ich weiter bei meinem Trainer Roland Böller trainieren.“

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Stürmer in der Defensive

Von Michael Ashelm

Die Anforderungen an Angreifer haben sich stark verändert – und damit die Auswahl des Personals. Der Stürmertyp, der vorne wartet, bis er bedient wird, stirbt aus. Mehr 1