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Schmelings letzter Kampf Maxe kommt zurück

29.10.2008 ·  Vor 60 Jahren beendete Max Schmeling seine Karriere auf der Berliner Waldbühne mit einer Niederlage - die Erinnerung an Schmeling wird aufrecht erhalten. In seiner Heimat in Norddeutschland und mit einem Film, der ab 2009 gedreht werden soll.

Von Hartmut Scherzer
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Witali Klitschko ist mit 37 Jahren siegreich zurückgekehrt. Riddick Bowe schwitzt mit 41 Jahren für ein Comeback. Evander Holyfield kann es mit 46 Jahren immer noch nicht lassen. Wann sollte ein Boxer aufhören, sich im Ring zu prügeln? Wenn die Ringschlachten mit den höchsten Börsen belohnt werden? Wohl kaum. Wenn schon Rücktritt auf der Höhe des Ruhms, dann halten sich die Champions die Tür zur späteren Rückkehr offen – für ein oft unrühmliches Ende.

So entstand das sogenannte ungeschriebene Gesetz vom „They never come back“. Floyd Patterson beendete erst 1960 – im 78. Jahr der WM-Geschichte des Schwergewichts – den Jahrhundert-Mythos mit dem K.-o.-Sieg in der Revanche gegen Ingemar Johansson.

Nur Gene Tunney und Rocky Marciano traten unbesiegt und ohne Comeback ab

Ikonen wie Joe Louis und Muhammad Ali wurden für den Rücktritt vom Rücktritt bitter bestraft. Der „Braune Bomber“ ging in seinem letzten Kampf gegen Rocky Marciano schwer k. o. „Der Größte“ bezog Prügelstrafe von seinem einstigen Sparringspartner Larry Holmes und ließ sich zuallerletzt auch noch im „Drama in Bahama“ von Trevor Berbick demütigen. Allein Gene Tunney und Rocky Marciano (siegreich in all seinen 49 Kämpfen) besaßen die wahre Größe, als Champion unbesiegt aufzuhören und allen Verlockungen zum Comeback zu widerstehen.

Und wie hat es Max Schmeling mit Rücktritt, Comeback und Abschied gehalten? Dieser Freitag, der 31. Oktober, ist der sechzigste Jahrestag seines letzten Kampfes. Es war ein kalter Herbsttag. Der heldenhafte K.-o.-Sieger über Joe Louis, bereits 43 Jahre alt, kämpfte in der Berliner Waldbühne, also unter freiem Himmel, gegen den acht Jahre jüngeren Richard „Riedel“ Vogt, den Olympiazweiten von 1936 und aktuellen deutschen Halbschwergewichtsmeister.

Schmeling hatte vom glorreichen Abgang geträumt

Nach der zehnten und letzten Runde, noch vor der Urteilsverkündung des Ringrichters, „Sieger nach Punkten Riedel Vogt“, erklärte Max Schmeling seinen endgültigen Rücktritt. Sein Trainer Max Machon teilte den 25.000 fröstelnden Zuschauern die Entscheidung über Lautsprecher mit: „Im Auftrag von Max Schmeling danke ich ihnen für die treue Gefolgschaft, die sie immer bewiesen haben. Das war endgültig sein letzter Kampf.“

„Ich hatte davon geträumt, meine Laufbahn glanzvoll beschließen zu können“, heißt es in Schmelings Autobiographie „Erinnerungen“. „Die Umstände hatten es mir verwehrt.“ Die Umstände waren Kriegsausbruch und Nachkriegszeit. Sonst hätte Schmeling, wie geträumt, einen glorreichen Abgang mit 34 Jahren gehabt. Durch einen K.-o.-Sieg schon in der ersten Runde über Adolf Heuser am 2. Juli 1939 in Stuttgart war der einstige Weltmeister nun auch Europameister im Schwergewicht geworden.

Nach dem Krieg kein Geld und kein Beruf

Der Rückkampf war bereits vereinbart, da erhielt der in Ungnade gefallene Schmeling vom Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten offizielles Kampfverbot. Noch am selben Tag gab Schmeling seinen Titel an die Europäische Box-Union in Rom zurück. „Zudem erklärte ich, nie mehr boxen zu wollen.“ So steht es in seinen Memoiren. Statt Titelverteidigung Fronteinsatz 1941 als Fallschirmjäger mit einer schweren Verletzung beim Absprung über Kreta.

Der Krieg hatte Max Schmeling und seiner Frau Anny Ondra alles genommen. „Wir lebten von der Hand in den Mund“, schrieb er. Schmeling hatte kein Geld und keinen Beruf. Sein Ruhm verhinderte den Aufbau einer neuen Existenz, anstatt hilfreich zu sein. Die Briten in ihrer Besatzungszone demütigten den einstigen Boxchampion als Repräsentanten des untergegangenen „Dritten Reiches“ und warfen ihn sogar kurzzeitig ins Gefängnis.

Also musste Max Schmeling wieder boxen: Comeback am 28. September 1947, an seinem 42. Geburtstag, 28 Monate nach Kriegsende, acht Jahre nach seinem letzten Ringauftritt. Vor 40.000 Zuschauern im Frankfurter Waldstadion schlug er den Magdeburger Werner Vollmer in der 7. Runde k. o. Es war die Währungsreform im Juni 1948, als jeder Bürger 40 D-Mark „Kopfgeld“ bekam, die ihn mit einem üppigen Startkapital vom Sportler- ins Geschäftsleben entließ. 40.000 DM Börse für den letzten Kampf gegen Vogt – das war damals, gut vier Monate nach Einführung der neuen Währung, ein Vermögen.

Die Statue kommt

Jetzt der 31. Oktober, zuletzt der 22. Juni, der 70. Jahrestag der K.-o.-Niederlage in der Revanche gegen Joe Louis – es gibt immer wieder „runde“ Daten, welche an die am 2. Februar 2005 im Alter von 99 Jahren verstorbene Ikone erinnern. Für eine bleibende Erinnerung in Schmelings Heimat Hollenstedt in der Nordheide kämpft Herbert Woltmann, Freund, Skatbruder und nun Nachlassverwalter des Vermächtnisses.

Das Vermögen wird von zwei Stiftungen in Hamburg und Hollenstedt verwaltet. Der 73 Jahre alte Samtgemeindedirektor a. D. hat dem Bildhauer Carsten Eggers, dessen zahlreiche Bronze-Skulpturen, wie der Flethenkieker in Buxtehude, in norddeutschen Städten stehen, eine Bronze-Statue Schmelings in Lebensgröße in Auftrag gegeben. Nach anfangs hartnäckigem Widerstand der Stiftungsvorstände. Von einem Denkmal, so das Argument, stehe nichts im Stiftungsauftrag von Herrn Schmeling. Woltmann erkämpfte letztlich die Zustimmung, das Geld für das künstlerische Werk aber muss der Intimus der Legende bei Sponsoren und Fans auftreiben.

Maske spielt Maxe

Auf Woltmanns Schreibtisch liegt zur Begutachtung auch das Drehbuch für die Filmbiographie Max Schmelings. Die Dreharbeiten sollen voraussichtlich im April 2009 beginnen. Zwei Hamburger Millionäre, die anonym bleiben wollen, finanzieren die Produktion unter der Regie des unter Kritikern heftig umstrittenen Uwe Boll. Der Regisseur ist Boxexperte. Die Hauptrolle übernimmt ein echter Boxchampion: Maske spielt Maxe.

Seit Wochen beschäftigt sich Henry Maske mit seinem Idol. „Ich rutsche immer näher ran“, sagt er und zieht Vergleiche, nachdem er das Drehbuch gelesen hat: „Ich habe Ähnlichkeiten durchlebt und durchkämpft. Er hat unter Hitler geboxt, ich unter Honecker.“ Maske nimmt Schauspielunterricht, was für einen Boxer gewiss bedeutend schwieriger ist, als für einen sportlichen Schauspieler, Filmboxen zu lernen. Demnächst also Denkmalsenthüllung und Filmpremiere – der Mythos Max Schmeling lebt.

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