12.09.2001 · Schlaflose Nächte hat jeder schon gehabt. Das muss nicht sein, Schlafforscher raten zu Entspannungsübungen.
Von Sabine SchreiberZum Lebensrhythmus gehören Anspannung und Entspannung, doch viele Menschen können nicht abschalten. Nach Angaben von Schlafforschern leiden rund zehn Prozent der Deutschen unter Schlafstörungen, in USA mehr als 35 Millionen Menschen. Die Ursachen können psychischer oder organischer Natur sein.
Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie) wirken sich nicht nur auf den Schlaf, sondern auch auf den Wachzustand am Tage aus, da sie zu Tagesmüdigkeit und Konzentrationsstörungen führen. Dank neuester Erkenntnisse über das Zusammenwirken von Tag- und Nachtkomponenten bei Insomnie kann heute vielen Menschen geholfen werden. Und der Trend geht weg von der Pille, hin zu Entspannungsübungen.
Schlaflosigkeit - eine Volkskrankheit
Schlafstörungen treten in allen Altersgruppen auf, in den meisten Fällen halten sie aber nur ein bis zwei Nächte an. Sie können aber auch Wochen, Monate oder sogar Jahre bestehen bleiben und zur Qual werden. Vor allem Frauen klagten über Probleme beim Ein- und Durchschlafen. Für die gravierenden Unterschiede zwischen Frauen und Männern in diesem Bereich kämen zum einen biologische Ursachen in Frage: Hormone etwa haben großen Einfluss auf den Nachtschlaf. Zum anderen seien Frauen empfindlicher für solche Probleme und suchten vermutlich früher einen Arzt auf als Männer.
Bei Schlafstörungen können gezielte Entspannungstechniken einer Studie zufolge die Einnahme von Medikamenten verringern. An der von der Universität Regensburg geleiteten Untersuchung hatten 2.690 Patienten und 550 Allgemeinarztpraxen teilgenommen. Nach dreiwöchiger Behandlung war die mittlere Zeit bis zum Einschlafen von 74 auf 27 Minuten gesunken, die mittlere Schlafdauer insgesamt von 5,0 auf 6,6 Stunden gestiegen. Das berichteten Schlafmediziner vor Beginn des 9. Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schalfmedizin (DGSM) in Hamburg. Auch die Zahl der eingenommenen Schlafmittel pro Woche hatte sich verringert.
Medikamente bekämpfen nur die Symptome - nicht die Ursachen
Bei der Behandlung von Insomnie spielten verhaltenstherapeutische Maßnahmen eine ganz große Rolle, sagte der Freiburger Professors Dieter Riemann. Während nach dem Absetzen der Medikamente Schlafstörungen wiederkehrten, könnten therapeutische Maßnahmen langfristig wirken. Ein wichtiges Mittel hierbei ist nach Angaben des Regensburger Professors Göran Hajaks die so genannte Stimuluskontrolltherapie.
„Dazu gehört zum Beispiel, dass der Patient sich nur bei Müdigkeit hinlegt und nicht länger als eine Viertelstunde wach im Bett liegen bleibt.“ Zur wichtigen „Schlafhygiene“ zählt Riemann zufolge, nachts nicht auf den Wecker zu schauen. Außerdem sollten die von Schlafstörungen Geplagten sich nicht zu früh hinlegen, in der Hoffnung dann insgesamt länger schlafen zu können. „Sinnvoller ist es, kürzer ins Bett zu gehen“, sagte Riemann. Der Weg zum Arzt ist jedoch erst bei langfristigen Schlafstörungen ratsam. Bei kurzfristigen Schwierigkeiten, deren Auslöser Ängste, Beziehungsstreit oder beruflicher Druck sein können, hilft nur abschalten und versuchen zu entspannen.