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Schiedsrichterskandal Foul am Fußballgott

22.01.2005 ·  Weshalb sollte ausgerechnet im Fußball-Milliardengeschäft die Sauberkeit zur Grundausstattung gehören, um die in anderen gesellschaftlichen Bereichen hart gerungen werden muß? Der Argwohn läßt sich nicht mehr vertreiben.

Von Michael Horeni
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Wetten, daß der Blick auf den Fußball nicht mehr derselbe ist, seit Schiedsrichter Robert Hoyzer im Verdacht steht, den Ball so dirigiert zu haben, daß die Tipp-Quote für ihn stimmte? Zweifel am deutschen Schiedsrichterwesen gehören zwar schon seit Jahrzehnten zum wöchentlich wiederkehrenden Themenkatalog an Stammtischen und vor Fernsehschirmen.

Der Unparteiische Eugen Striegel etwa bediente das Bedürfnis auf nachträgliche Gerechtigkeit als öffentlich-rechtlicher Oberschiedsrichter, indem er im Sportstudio das letzte Fachurteil sprach. In immer neuen Variationen leuchtete er dabei jedoch nur das immergleiche, uralte Thema aus: Irren ist menschlich.

Handgreifliche Wut und böse Worte

Solche und andere mit heiligem Ernst betriebene Fußballexegese gründete unausgesprochen jedoch immer auf absoluter Schicksalsgläubigkeit. Der Fußballgott blieb stets die oberste Instanz im säkularen Lieblingsspiel der Deutschen, nicht menschliche Gewinnsucht. Wenn ein Spieler im Strafraum ohne Gegners Einwirkungen niedersank, fragwürdige Entscheidungen wie im Schalker Tränenjahr 2001 oder verweigerte Strafstöße wie im Frankfurter Fast-Meisterjahr 1992 eine Begegnung oder gar den Titelkampf entschieden: Immer dann gab es zwar mitunter handgreifliche Wut und böse Worte - "Blinder", "Tomatenalarm" und "Heimschiedsrichter" gehörten stets zum Grundwortschatz der Entrechteten. Aber selbst wenn Tausende im Stadion "Schieber" riefen, dann wurde der Schiedsrichter letztlich doch in der Gewißheit verflucht, gerade kein Betrüger zu sein, sondern weiterhin ein Unparteiischer.

Die Spielszenen, die jetzt aus den von Hoyzer wohl absichtlich fehlgeleiteten Begegnungen noch einmal vorgeführt werden, entfalten eine zerstörerische Wirkung. Denn die sportliche Naivität, mit der bisher scheinbar unerklärliche Fehlurteile betrachtet wurden, geht dahin. Die Beteuerungen, Hoyzer sei als Einzelfall zu sehen, vermögen daran nichts zu ändern. Der ohnehin undankbarste und unterbezahlteste Job im Profigeschäft ist grundsätzlich verdächtig gemacht worden.

Hoyzers Kollegen in Nöten

Weshalb sollte ausgerechnet in dem Fußball-Milliardengeschäft die Sauberkeit zur allgemeinen Grundausstattung gehören, um die in anderen gesellschaftlichen Bereichen hart gerungen werden muß? Der Argwohn, ob nicht auch andere falsche oder merkwürdige Entscheidungen in Vergangenheit wie in der Zukunft ihren Grund in einer anderen ganz menschlichen Schwäche haben könnten, läßt sich nicht mehr vertreiben.

Es bedarf daher auch wenig Phantasie, um die Nöte von Hoyzers Schiedsrichterkollegen in den kommenden Wochen vorauszusehen. Selbst wenn sie sich bei der Arbeit nur aufrichtig irren: Die Leistungen deutscher Referees werden nicht mehr bloß mit sportlichem, sondern auch mit detektivischem Blick verfolgt.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.01.2005, Nr. 19 / Seite 25
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