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Schefflers Golfkolumne Nach dem Tief kommt das Hoch

So ist Golf: Ein Ball rollt am Loch vorbei, der nächste rollt hinein. Entsprechend gibt es nach Tiefschlägen beim Masters auch wieder Turniersiege. Auch für Bernhard Langer.

© Wolfgang Scheffler Und er hat den Pokal: Bernhard Langer gewinnt

Wahre Champions lassen sich durch einen Fehlschlag nicht entmutigen. Nehmen wir das Beispiel Bernhard Langer. Der 55-jährige Altmeister hatte beim Masters in Augusta am Schlusstag einen furiosen Start hingelegt: drei Birdies auf den ersten drei Löchern. Nach vier Löchern war er bis auf zwei Schläge an die Spitzenreiter heran gerückt und hatte Hoffnungen auf seinen dritten Sieg nach 1985 und 1993 beim ersten Majors des Jahres genährt.

Doch dann setzte der große Regen im Nordosten des amerikanischen Südstaats Georgia ein – und bei Langer ging schief, was schief gehen konnte. Zwei Schläge am 12. und 13. Loch, denen nur ein paar Zentimeter zur Perfektion fehlten, landete im Wasser. Der Anhausener mit Wohnsitz in Florida fiel mit 76 Schlägen auf den geteilten 25. Rang zurück. „Es war ein derbes Ende für mich in Augusta“, sagte Langer, „der ganzen Sonntagabend und der Montag waren extrem schwierig. Man spielt im Kopf noch einmal den ganzen Film ab, sieht noch einmal das viele Pech, das ich hatte. Ich habe wirklich nicht schlecht gespielt, aber das Schicksal war einfach gegen mich.“

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Am Montag nach dem Masters fuhr Langer mit dem Auto die rund zwei Stunden nach Süden nach Duluth zu seinem nächsten Turnier, der Greater Gwinnett Championship auf dem TPC Sugarloaf. Das Missgeschick von Augusta hatte Langer bei der ersten von drei Turnierrunden – auf der Champions Tour (Ü 50) werden bei regulären Turnieren nur drei Runden gespielt – wohl noch im Kopf. Er begann das Turnier am Samstagmorgen – die erste Runde musste wegen Regens verschoben werden -  mit 73 Schlägen. Erstmals nach 21 Runden auf der Seniorentour blieb der Deutsche damit nicht unter Par. Aber am zweiten Tag drehte Langer mächtig auf: Mit 66 Schlägen spielte er gemeinsam mit dem Amerikaner Jeff Sluman die beste Tagesrunde und schob er sich vom 29. auf den zweiten Platz vor. Vor dem Schlusstag lag nur einen Schlag hinter dem 50 Jahre alten Esteban Toledo zurück.

Während der Mexikaner mit einer Runde von 75 Schlägen auf den geteilten dritten Rang zurück fiel, feierte Langer mit 67 Schlägen seinen zweiten Saisonsieg und den 18. seiner Karriere auf der in den Vereinigten Staaten sehr populären Tour für „Best Agers“. Die Saisonbilanz des Deutschen drückt seine Dominanz aus: Neben den zwei Siegen, belegte er zwei zweite Plätze und einen dritten Rang, nur einmal Mitte März bei der Toshiba Classic war er als Zwanzigster nicht im Vorderfeld gelandet. Langer kassierte in Duluth 270.000 Dollar Preisgeld und führt sowohl die Geldrangliste mit knapp 950.000 Dollar als auch die Jahreswertung um den Charles Schwab Cup (der Sieger kassiert eine Million Dollar) überlegen an.

Stechen gegen das Stechen

Noch ein Beispiel für wahre Champions gefällig? Angel Cabrera hatte am Schlusstag des Masters seinen dritten Major-Sieg nach den Erfolgen bei den US Open 2007 und dem Masters 2009 in Reichweite. Der 43 Jahre alte Argentinier zwang mit einem brillanten Schlag den Australier Adam Scott ins Stechen und verfehlte am ersten Extra-Loch den Sieg mit einem Chip, der die Lochkante ebenso kratzte wie sein Birdie-Putt am zweiten Loch des Playoffs. Fair gratulierte er seinem Bezwinger Adam Scott. Während Scott bis in die Morgenstunden feierte, flog Cabrera am Montag in seine Heimatstadt Cordoba, um am Abierto del Centro, einem argentinischen Traditionsturnier teilzunehmen, das seit diesem Jahr zur PGA Tour Latinoamerica zählt, die die amerikanische PGA Tour auf dem Subkontinent veranstaltet.

Cabrera ließ sich vom für ihn unglücklichen Masters-Ende nicht beeindrucken. Wieder gelang ihm am letzten Loch ein Traumschlag. Er lochte den Ball mit dem zweiten Schlag an diesem Par-4-Loch zum Eagle ein. Diesmal gewann der das Stechen gegen seinen Landsmann Rafael Gomez und kürte sich mit acht Siegen bei diesem Turnier zum Rekordgewinner – und das auch noch auf dem Platz des Cordoba Golf Club, auf dem er als Knirps, nachdem er die Schule mit zehn Jahren verlassen hatte, als Caddie durchschlug.

Snedeker von Kindern genervt

Andere Enttäuschte von Augusta haben den Tiefschlag nicht so gut wegstecken können. Brandt Snedeker, der zum zweiten Mal nach 2008 als Führender auf die Schlussrunde im Augusta National Golf Club gegangen war, konnte zum zweiten Mal diese Spitzenstellung nicht behaupten. Mit 75 Schlägen fiel er auf den geteilten sechsten Rang zurück. „Wenn man die vier Stunden von Augusta nach Hilton Head Island mit dem Auto fährt und die Kinder auf dem Rücksitz auf der ganzen Fahrt schreien, kehrt man schnell in den Alltag zurück.“ Aber für Snedeker sah der Arbeitalltag auf dem engen, relativ kurzen Platz der Habortown Golf Links nicht sonderlich freudvoll aus. Er landete auf Platz 59 weit abgeschlagen. 

Dafür siegte einer, der in Augusta ebenfalls einen Tiefschlag verkraften musste. Graeme McDowell, der in Augusta den Cut um einen Schlag verpasst hatte, setzte sich bei extremen Wind am Schlusstag im Stechen gegen den Amerikaner Webb Simpson mit Par gegen Bogey am ersten Extra-Loch durch. Der US Open Champion von 2010 schlug also den von 2012. Am Ende konnte sich der Nordire aus Portrush nicht nur über 1,044 Millionen Dollar Preisgeld und seinen zweiten Sieg auf der PGA Tour freuen. Er durfte auch im karierten Siegesjackett posiert – das strahlt zwar nicht so hell wie das grüne des Masters, aber es half sicherlich, die Enttäuschung von Augusta zu vergessen.

Quelle: FAZNET

 
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