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Schefflers Golfkolumne Die letzte Golfdemokratie

Die US Open sind nicht das am besten besetzte Golf-Majors-Turnier, aber das einzige, das auch Außenseitern wie dem Golflehrer Casey Martin eine Chance bietet. Der erste Sieganwärter heißt indes Tiger Woods.

© REUTERS Vergrößern Frühere Teamkameraden: Woods (Foto Mitte) und der gehbehinderte Martin

Das gibt es nur bei den US Open: An diesem Dienstag spielte Tiger Woods eine Proberunde mit Casey Martin, einem vierzig Jahre alten Golfcoach, der auf Grund seiner Behinderung die 18 Löcher auf dem Lake Course des Olympic Clubs in San Francisco nur mit einem Golfwagen bewältigen kann. Andy Zhang, ein 14-jähriger chinesischer Amateur, der vor vier Jahren mit seinen Eltern nach Orlando übergesiedelt war, gesellte sich zu Masters-Champion Bubba Watson und Webb Simpson, dem 14. der Weltrangliste.

Eine privilegierte Minderheit

Martin und Zhang gehören zu einer absoluten Minderheit: einer Gruppe von nur 30 Profis und Amateuren im 156 Spieler großen Feld, die zwei gleiche Hürden nehmen mussten (Local Qualifying über 18 und Sectional Qualifying über 36 Löcher), um beim zweiten Major des Jahres an der Seite von Stars abschlagen zu dürfen. Eine Chance auf den Siegespreis von 1,26 Millionen Dollar (rund eine Million Euro) hat keiner dieser Herren.

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Der letzte US-Open-Sieger, der seinen Weg in den mittlerweile 101 über die gesamten Vereinigten Staaten verteilten „Local Qualifyings“ begann, war Orville Moody im Jahre 1969, in einer ganz anderen Ära. Und außerdem: Moody hatte zwei Monate vor seinem großen Triumph erst im Stechen bei einem Turnier der PGA Tour verloren. Mittlerweile sind die Mitglieder großer Profiturnierserien von der ersten Qualifikation befreit.

Martin klagte sich auf den Golfplatz zurück

Meriten wie Moody kann keiner dieser Außenseiter vorweisen. Bekannt ist von diesen Herren nur Casey Martin. Der ehemalige Teamkamerad von Tiger Woods im Golfteam der Stanford University machte 1998 Schlagzeilen. Er erstritt mit einer einstweiligen Verfügung gegen die PGA Tour das Recht, über den Platz zu fahren, statt zu laufen - ein Urteil, das der oberste amerikanische Gerichtshof drei Jahre später endgültig bestätigte.

Bild 1 Golf © REUTERS Vergrößern Zusammenkunft: Woods (im Foto links) und Martin wärmen sich auf

Als der unter einer seltenen, angeborenen Durchblutungsstörung an seinem rechten Bein leidende Martin sich in jenem Jahr für die US Open im Olympic Club qualifizierte, hielt sich auch der veranstaltende amerikanische Golfverband (USGA) gegen den Widerstand vieler Golfgrößen, darunter auch Woods, an dieses Urteil. Martin belegte mit insgesamt 291 Schlägen den respektablen 23. Platz. Woods war damals nur einen Schlag besser.

Casey schaffte 1999 über die Nationwide Tour den Sprung auf die PGA Tour, verlor seine Spielberechtigung aber schon nach einem Jahr und versuchte sich danach noch ein paar Jahre auf kleineren Turnierserien. 2006 gab er diese Karriere auf und nahm den Posten als Golfcoach an der University of Oregon in Eugene an. Seitdem hat er nie mehr an einem Profiturnier teilgenommen. Dass er sich auch in diesem Jahr wieder durch alle Qualifikationsrunden schlug, ist nicht nur für Woods eine grandiose Leistung: „Einfach unglaublich. Begabung, Einstellung und Mut. Wir sehen uns im Olympic Club, Casey“, verkündete der Weltranglistenvierte auf seiner Website.

Die USGA geht einen anderen Weg

Mittlerweile werden solche Geschichten in den vier Majors nur noch bei den US Open geschrieben. Die Gentlemen im exklusiven Augusta National Golf Club lassen nur die absolute Elite beim Masters mitspielen. Bei der PGA Championship dürfen nur Profis - neben den Top 100 der Weltrangliste außerdem noch zwanzig chancenlose Golflehrer - mitmachen. Die British Open änderte 2004 die Zugangskriterien, um das Feld nicht mit chancenlosen Außenseitern zu verwässern.

Die USGA geht einen anderen Weg. David Fay, der ehemalige Executive Director des Verbands, drückte es einmal so aus: „Die US Open haben sicherlich nicht das beste Feld der Welt. Wir haben das auch niemals behauptet. Aber wir sind das demokratischste Turnier der Welt.“ Mit Stolz weist Fays Nachfolger Mike Davis darauf hin, dass nicht nur jedes Jahr über 9000 Profis und Amateure (Mindesthandicap -1,4) für das Turnier melden, sondern sich fast die Hälfte des 156 Teilnehmer starken Felds ihr Startrecht erkämpfen muss.

Bild 2 Golf © AFP Vergrößern Teilnehmer im elitären Feld: Der Münchner Alex Cejka

Einer, der dies in diesem Jahr schaffte, ist der Münchner Wahl-Amerikaner Alex Cejka, der eines der 48 „Sectional Qualifying“ Anfang Juni im TPC Harding Park in San Francisco mit Platz drei erfolgreich absolvierte. Martin Kaymer, dem zweiten Deutschen im Feld, blieb das auf Grund seines Weltranglistenplatzes (derzeit zwölf, die Top 60 der Hackordnung sind direkt im Hauptfeld) und seines Erfolgs bei der PGA Championship 2010 (Major-Sieger sind für fünf Jahre von der Qualifikation befreit) erspart.

Woods ist erster Sieganwärter

Obwohl Kaymer und Cejka vor zwei Jahren in Pebble Beach auf dem achten Platz landeten, gehören sie nicht zum Favoritenkreis. Für die Buchmacher ist Woods nach seinem spektakulären Sieg beim Memorial Turnier am vorletzten Wochenende der erste Sieganwärter.

Biold 3 Golf © dapd Vergrößern Letzte Vorbereitungen: Arbeiter präparieren das Gelände um das 18. Loch

Aber Vorsicht: Der Olympic Club trägt den Beinamen „Friedhof der Legenden“. Denn bei den bisher vier Austragungen verblüfften jeweils Außenseiter: 1955 setzte sich Jack Fleck, ein Golflehrer auf einer Übungswiese in Iowa, gegen Ben Hogan im Stechen über 18 Löcher durch. 1966 schlug Billy Casper im Play-off Arnold Palmer, 1987 düpierte Scott Simpson den damals weltbesten Tom Watson. Auch 1998 ließ Lee Janzen den viel höher eingeschätzten Payne Stewart einen Schlag hinter sich.

Quelle: F.A.Z.

 
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