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Schefflers Golf-Kolumne Zocken ohne Folgen

Rob Labritz steht nicht im Rampenlicht des Golfsports. Nun hat er sich wenigstens die Kosten für eine Niederlage gegen Jason Dufner erspart. Sein Bezwinger Jason Dufner löst den Siegerscheck nicht ein.

© REUTERS Ein großzügiger Zocker: Jason Dufner löst den Siegerscheck nicht ein

Jason Dufner und Rob Labritz verdienen beide ihren Lebensunterhalt mit Golf – und trotzdem leben die beiden in unterschiedlichen Welten. Dufner, der Sieger der PGA Championship dieses Jahres,  verdient nicht nur Millionen. Der 36-Jährige ist dank der Langweilspose, die als „Dufnering“ berühmt wurde, und seiner nonchalanten Art, seinem Job nach zu gehen, mittlerweile einer der Lieblinge der amerikanischen Golffans.

Labritz firmiert im Hauptberuf als Director of Golf im Glen Arbor Golf Club in Bedford Hills im noblen Westchester County, einer bevorzugten Wohngegend vieler reicher New Yorker. Der 42-jährige Golflehrer erlangte in diesem Jahr kurzzeitig auf der Video-Plattform YouTube ein klein wenig Berühmtheit. Er  hatte sich im Juni  mit einem Schlag aus 95 Yards (87 Metern), den er mit einem Wedge direkt zum Birdie ins Loch beförderte, auf den letzten Drücker einen Startplatz bei der PGA Championship in Rochester (New York) gesichert – und das Video des Schlages und der anschließende Freudentaumel mit seinem Caddie Todd Luigi wurde knapp 10.000 Mal aufgerufen. Es  wurde in Amerika auf dem Sportkanal ESPN  als „Play of the Day“ präsentiert, und Phil Mickelson kommentierte diesen Schlag mit einem treffenden „wow“.

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Für Golfprofis wie Labritz, die sehr gut,  aber nicht gut genug spielen, um damit ihren Lebensunterhalt auf einer der großen Turnierserien zu bestreiten, gibt es in den Vereinigten Staaten eine Meisterschaft, die nur diesen so genannten „Club Professionals“ vorbehalten ist, die PGA National Professional Championship – mit einem ganz besonderen Anreiz. Die PGA of America, der Dachverband der rund 28.000 Golflehrer des Landes, fungiert als Veranstalter des letzten Major des Jahres, der PGA Championship und gewährt den besten zwanzig Spielern dieser Meisterschaft  das  Startrecht bei seinem Major – ein der Tradition geschuldeter Anachronismus, denn nur höchst selten übersteht einer dieser Herren den Cut.

Labritz schaffte den Cut

Immerhin: Labritz hat das schon einmal geschafft. 2010 belegte er beim Sieg von Martin Kaymer  auf dem Platz von Whistling Straits den 68. Platz und war damit bester „Club Professional“.




2013 durfte Labritz also, nachdem er sich im Stechen den 20. und letzten Startplatz mit diesem spektakulären Schlag gesichert hatte, zum vierten Mal bei der PGA Championship mitspielen. Er  verpasste nach Runden von 78 und 73 Schlägen wie schon 2002 und 2003 den Cut – diesmal um acht Schläge. Im Gegensatz zu Dufner, der als Sieger 1,445 Millionen Dollar Preisgeld kassierte, bekam Labritz keinen Cent – und doch wird ihm dieses Turnier in bester Erinnerung bleiben. Ein Freund von Labritz hatte eine Proberunde vor dem Turnier mit Keegan Bradley, dem Sieger der PGA Championship von 2011, arrangiert. Zu den beiden gesellten sich Dufner und dessen amerikanischer Landsmann Dustin Johnson.

Wie das bei Profis in Übungsrunden so üblich ist  wurde natürlich gezockt. Als Dufner augenzwinkernd vorschlug, dass man angesichts des Jahresverdienstes von Bradley von sieben Millionen Dollar um 100.000 oder 200.000 Dollar spielen solle, wurde es Labritz ein wenig schummrig. Er wies daraufhin, dass solche Summen weit außerhalb seiner Möglichkeiten liegen und er durch die Absage von Trainerstunden für die Damen und Jugendlichen seines Clubs schon einen Verdienstausfall in Kauf nehme, um in Rochester mit zu spielen.

Scheck im Spind

Man einigte sich schließlich, dass es im Vierball-Lochspiel (das bessere Ergebnis eines Spielers zählt) zwischen den Duos  Bradley/Labritz  und  Dufner/Johnson „nur“ um 500 Dollar gehe, die jeder Verlierer den beiden Siegern zu zahlen hatte. Am Ende verloren Bradley und Labritz, der die Runde, wie er sich erinnerte, in ein oder zwei Schlägen unter Par absolvierte, durch  „Pressing“ (Erhöhung des Einsatzes auf den letzten Löchern) 750 Dollar: Labritz, der nicht so viel Bargeld dabei hatte, schrieb einen Scheck über diese Summe und legte ihn in den Spind von Dufner.

Ein paar Tage nach dem Turnier erhielt Labritz, wie der amerikanischen Golf Channel jetzt berichtet, einen Brief. Absender: Jason Dufner. Inhalt: der mit dem riesigen Vermerk „Void“ (Ungültig) übermalte Scheck und eine kurze Notiz des Kollegen: „Rob, es war toll, mit dir am letzten Dienstag zu spielen. Ich konnte den Scheck nicht einlösen. Ich wünsche dir und deiner Familie das Best für 2013 + hoffe dich @ Valhalla wieder zu sehen.“

Im Valhalla Golf Club in Louisville (Kentucky) findet die nächste PGA Championship statt. Jason Dufner ist als Titelverteidiger garantiert dabei. Ob es Labritz noch einmal schafft, steht in den Sternen. „Das zeigt seine Klasse“, sagte Labritz, „er ist einfach ein großartiger Typ.“

Sein Leben ist der Golfplatz: Wolfgang Scheffler beobachtet in seiner Golf-Kolumne die Welt zwischen Rough, Bunker und Grün und schreibt über Sieger und Verlierer, Kurioses und Skurriles.

Quelle: FAZ.NET

 
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