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Schefflers Golf-Kolumne : Traurig-schöner Vatertag

  • -Aktualisiert am

Stiller Sieger: Justin Rose denkt im Augenblick des Erfolgs an seinen verstorbenen Vater Bild: REUTERS

Der englische Golfprofi Justin Rose gewinnt die US Open und ist nach seinem ersten Sieg bei einem der vier Majors hin und her gerissen zwischen Genuss und Erinnerung.

          Justin Rose hat dieses Foto, wie er sagte, eine Million Mal gesehen. Dieses Schwarzweißbild, das wohl berühmteste Golffoto der Welt, zeigt Ben Hogan nach seinem perfekt getroffenen Eisen 1 in der Bilderbuch-Endposition in der Mitte des von Zuschauern gesäumten 18. Fairways des Merion Golf Clubs. Der legendäre „Ice-Man“ schlug damals den Ball aufs Grün, sicherte sich mit zwei Putts bei den US Open im Jahre 1950 die Teilnahme am Stechen am nächsten Tag, das er gewann. Der Texaner vollendete damit sein Comeback, nur 16 Monate nach einem fast tödlich verlaufenen Autounfall. „Als ich über den Hügel kam und sah, dass mein Ball in der Mitte des Fairways nur rund fünf Meter von der Plakette entfernt lag, die die Stelle markiert, von der aus Hogan seinen Ball geschlagen hatte, musste ich an ihn denken. Ich dachte, das ist mein Moment.“

          Der 32 Jahre alte Engländer traf den Ball mit einem Eisen 4 perfekt. „Ich glaube, Hogan wäre mit diesem Schwung zufrieden gewesen“, sagte Rose. Der Ball rollte zwar am Fahnenstock vorbei ins Vorgrün, aber Rose schob den Ball mit einem Holz 3 fünf Zentimeter ans Loch. Wie Hogan vor 63 Jahren brachte er den Ball von dieser historischen Stelle aus mit drei Schlägen zum Par und zum Sieg bei den US Open ins Loch.

          Niederschlagender Erfolg: Rose bei der Lektüre der Berichte über seinen Sieg
          Niederschlagender Erfolg: Rose bei der Lektüre der Berichte über seinen Sieg : Bild: AFP

          Rose musste nach seinem „Hogan-Moment“ in Ardmore, einem Vorort von Philadelphia, noch einige bange Minuten überstehen. Der hinter ihm spielende amerikanischen Publikumsliebling Phil Mickelson hätte ihn noch in ein Stechen am nächsten Tag, das nur bei den US Open über 18 Löcher geht, zwingen können. Doch der Kalifornier schaffte es trotz rhythmischer Glückwünsche zu seinem 43. Geburtstag und frenetischer Anfeuerungsrufe nicht, den Ball am 18. Loch aus rund 50 Metern zum Birdie ins Loch zu bugsieren. Der Linkshänder musste sich zum sechsten Mal bei den US Open mit dem zweiten Platz begnügen, den er sich mit dem Australier Jason Day teilte. „Herzzerreißend“, so beschrieb Mickelson die Tatsache, dass es wieder einmal bei der Meisterschaft seines Heimatlands nicht für den Sieg reichte: „Das ist schwer zu schlucken. Es war meine beste Chance. Es tut wirklich weh.“ Mickelson war als alleiniger Führender auf die Schlussrunde gegangen, die perfekte Ausgangslage, um endlich nach drei Masters-Siegen und einem Erfolg bei der PGA Championship auch bei den US Open zu triumphieren. Als der Linkshänder am 10. Loch aus 70 Metern den Ball aus dem Rough zum Eagle einlochte und damit wieder die Führung übernahm, schien es, als seien ihm die Golfgötter diesmal gewogen.

          „Es war ein langer Weg“

          Doch Rose antwortete mit zwei Birdies und zerstörte damit alle Träume von einem Happy-End für Mickelson bei den US Open. „Golf ist manchmal ein grausames Spiel“, sagt Rose. Der Mann weiß, wovon er redet. Vor 15 Jahren hatte er als 17 Jahre alter Amateur bei den British Open in Birkdale für Furore gesorgt. Er hatte 1998 den vierten Platz belegt und war am nächsten Tag ins Profilager übergetreten, im Rückblick eine falsche Entscheidung: „Ich habe die große Bühne des Golf betreten, bevor ich dafür bereit war.“

          In seinen ersten 21 Turnieren als Berufsspieler verpasste er 21 Mal den Cut. Erst im Jahre 2001 etablierte er sich auf der europäischen Tour, war 2007 die Nummer eins in Europa und gehörte auch nach seinem Wechsel auf die amerikanische PGA Tour und dem Umzug nach Orlando mit seiner Frau Kate, einer ehemaligen britischen Spitzenturnerin, fast immer zu den Top Ten der Weltrangliste. Mittlerweile hat Rose 13 Turniere in aller Welt gewonnen, in der neuen Hackordnung der Branche wird er hinter Tiger Woods und Rory McIlroy, die abgeschlagen auf den Plätzen 32 und 41 landeten, auf Rang drei geführt.

          „Es war ein langer Weg“, sagt Rose, der seinen ersten Sieg bei einem der vier Majors seinem vor elf Jahren im Alter von 57 Jahren an Leukämie verstorbenen Vater Ken widmete. Ken Rose hatte seinem Filius, als er ein Jahr alt war, erstmals einen Golfschläger in die kleinen Hände gedrückt. Als Justin Rose fünf Jahre alt war, war die Familie aus Südafrika nach England emigriert. Ken blieb bis zu seinem Tod der einzige Trainer des Sohnes - und in der Stunde seines größten Erfolgs erinnerte er sich an die vielen gemeinsamen Stunden mit seinem Vater auf der Übungswiese. Als der Sieg feststand, verdrückte er ein paar Tränen, blickte gen Himmel, um seinem Vater zu danken. Kein Zweifel, nicht nur die Golflegende Hogan, auch der Herr Papa dürften an diesem Tag mit Wohlwollen auf Justin Rose geblickt haben - und das auch noch an einem Sonntag, an dem man in den Vereinigten Staaten den Vatertag feiert.

          Quelle: F.A.Z.

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