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Schefflers Golf-Kolumne : Teure Lektion

  • -Aktualisiert am

Steve Stricker hat den Dreh raus - und hilft auch den Konkurrenten Bild: AFP

Guter Rat ist teuer - manchmal sogar für den, der ihn erteilt: Steve Stricker korrigiert Tiger Woods auf der Übungswiese. Und dann landet Woods vor seinem neuen Lehrer und streicht das große Preisgeld ein.

          Guter Rat ist teuer - manchmal sogar für den, der ihn erteilt. Steve Stricker kostete seine kollegiale Großzügigkeit exakt 620.000 Dollar, der Unterschied zwischen dem Siegespreis von 1,5 Millionen Dollar, den Tiger Woods kassierte, und dem zweiten Preisgeld von 880.000 Dollar, mit dem sich der 47-jährige amerikanische Golf-Profi bei der Cadillac Championship in Miami am Sonntag begnügen musste.

          Am Mittwoch vergangener Woche, einen Tag vor Beginn dieses Turniers der World Golf Championship (WGC) im Trump Doral Resort, hatte der Routinier, der als einer der bester Putter der Welt gilt, seinem zehn Jahre jüngeren Kollegen auf dem Übungsgrün 45 Minuten lang eine Lektion erteilt. Er korrigierte Stand und Durchschwung des langjährigen Primus - mit Erfolg. Woods benötigte auf dem Platz mit dem einschüchternden Namen „Blue Monster“ in vier Runden exakt hundert Putts, ein Rekord in der Karriere des von Bestmarken nicht gerade armen Karriere des Kaliforniers.

          Bei der Siegerehrung bedankte sich Woods beim Kollegen und Konkurrenten - mit gutem Grund. Denn mit der wiedergewonnenen Zielsicherheit auf den letzten Metern zum Loch dominierte Woods das Feld von 65 Profis vier Tage lang und feierte vollkommen ungefährdet seinen 17. Erfolg bei einem WGC-Turnier, eine Serie von vier Veranstaltungen pro Jahr, die ausschließlich der absoluten Weltelite vorbehalten sind.

          Woods’ fünfter Turniersieg innerhalb der vergangenen zwölf Monate - kein anderer Profi gewann in dieser Zeitspanne häufiger - brachte ihn in der Weltrangliste nahe an Spitzenreiter Rory McIlroy heran, der sich mit einer glanzvollen Schlussrunde von 65 Schlägen noch auf den achten Platz vorschob. Sollte Woods in zwei Wochen beim Arnold Palmer Invitational in Bay Hill seinen Titel verteidigen, würde er den Nordiren als Primus ablösen. „Tiger spielt derzeit wieder so gut wie in der Zeit, in der er Golf dominierte“, sagte Stricker.

          Strickers Uneigennützigkeit ist aller Ehren wert

          Dass er daran mitgewirkt hatte, ließ ihn hinterher scherzen, er hätte sich am liebsten in den Allerwertesten getreten. Aber dann fügte er ganz ernsthaft an: „Tiger ist ein Freund von mir. Wir sprechen oft über Putten. Es ist gut zu sehen, dass er wieder so gut spielt. Golf braucht Woods.“ „Ich würde gerne sagen, ich hätte dasselbe gemacht wie Steve, aber ...,“ sagte Woods lächelnd, ohne die Einschränkung zu beenden.

          Was uns zu der Erkenntnis führt: Im Golf helfen sich Kollegen häufig mit Schwungtipps, aber solche Gefälligkeiten kann sich nicht jeder leisten, schon gar nicht vor wichtigen Turnieren. Stricker, der sich selbst als Teilzeitprofi bezeichnet und in diesem Jahr nur elf Turniere spielen will, hat sich von höheren Ambitionen im Spätherbst seine Karriere längst verabschiedet. Aber das ändert nichts daran: Strickers in anderen Sportarten nur schwer vorstellbare Uneigennützigkeit ist aller Ehren wert.

          Quelle: F.A.Z.

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