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Schefflers Golf-Kolumne Stilloses Einlochen

Einst eingeführt, um das Zittern in den Griff zu bekommen, dann in Mode gekommen, demnächst verboten? Das Einlochen mit überlangen Besenstiel-Puttern teilt die Golf-Gemeinde in Gegner und Befürworter.

© AP/dpa Besenstiel am Bauch: Tim Clark bei Putten

Für die Regelhüter des Royal and Ancient Golf Clubs of St. Andrews (R&A) und des amerikanischen Golfverbands (USGA) geht es um die Bewahrung einer 600 Jahre alten Tradition. Sie wollen, dass bei der turnusmäßigen Überarbeitung der Golfregeln, die am 1. Januar 2016 in Kraft treten, das Einlochen mit überlangen Besenstiel- oder Belly-Puttern, die am Brustbein, Kinn oder Bauch fixiert werden, verboten wird. Beide Organisationen verweisen darauf, dass im Golf alle Schläger frei geschwungen werden, ohne sie am Körper zu verankern.

Dieses „Anchoring“ beim Putten ist in den letzten Jahren besonders auf den Profiturnierserien in Mode gekommen. Nach Angaben der PGA Tour nutzen derzeit 15 Prozent der Spieler diese Methode, die vor gut einem Vierteljahrhundert von älteren Profis eingeführt wurde, um die nervösen Zuckungen auf den letzten Metern zum Loch in den Griff zu bekommen.

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Lange Jahre haben die Regelhüter dies toleriert, aber nachdem Keegan Bradley (PGA Championship 2011), Webb Simpson (US Open 2012) und Ernie Els (British Open 2012) mit Belly-Puttern Majors gewannen, rief es sie auf den Plan. Sie forderten alle Organisation auf, bis zum 28. Februar ihre Meinung zu diesem Thema kundzutun.

Am Sonntag tat dies Tim Finchem, der Chef (Commissioner) der PGA Tour, während des Endspiel der Accenture Matchplay Championship in Marana (Arizona). Er verkündete, dass sowohl seine Organisation als auch die PGA of America, der Dachverband der 27.000 Golflehrer der Vereinigten Staaten, diesen Bann für eine falsche Entscheidung halten. Finchem führte zur Begründung an, dies schade Golf, man vertreibe rund 20 Prozent der Hobbygolfer, die diese  Putter nutzen, aus dem Spiel.

Woher er die Zahl hat, sagte Finchem nicht. Sie scheint selbst für Amerika stark übertrieben, in Deutschland und in den meisten europäischen Ländern tut man sich schwer zehn, ja fünf Prozent in Golfclubs zu finden, die einen überlangen Putter mit sich führen.

Es droht eine Spaltung

Aber da Finchem zu den mächtigsten Männer im Golf gehört, malen einige schon die Teufel an die Wand. Wenn R&A und USGA auf dem Verbot beharren und die PGA Tour sich dem nicht anschließe, könne es eine Spaltung geben. Profis dürften dann, was Amateuren verboten ist.

Ob es soweit kommt, steht längst noch nicht fest, zumal Finchem nicht sagte, ob seine Turnierserie beim Verbot des „Anchoring“ nach anderen Regeln spiele werde. Dazu haben sich weder der Augusta National Golf Club, der Veranstalter des Masters, der sich bisher immer auf die Seite von Traditionalisten geschlagen hat, noch die LPGA Tour, die älteste und größte Turnierserie im Damengolf, bisher offiziell geäußert.

Auch die European Tour hält sich bisher bedeckt. Ihr Chef, der Ire George O‘Grady, sagte nur, seine Veranstaltungsserie machen keine Regeln, sie befolge sie nur. Mittlerweile wird gemunkelt, das O’Grady sich demnächst auf die Seite der Verbotsbefürworter schlagen werde.

Aussage gegen Aussage

So steht jetzt nur fest: Bis zum nicht näher ausgeführten Termin irgendwann im Frühling, wenn R&A und USGA ihre endgültige Entscheidung bekannt geben wollen, wird weiter heftig gestritten und diskutiert werden. Die einen, dazu zählt auch Finchem, behaupten, es gäbe keinen statistischen Beweis, dass Putten mit diesen überlangen Schlägern leichter falle. Die anderen weisen daraufhin, dass Profis wie Adam Scott mit einem herkömmlichen Putter nie bei einem  Major eine Rolle gespielt haben, aber der Australier dank eines „Besenstils“ Zweiter beim Masters wurde und kurz vor dem Sieg bei der British Open stand.

Und dann ist da noch der Südafrikaner Ernie Els, dessen Putting-Schwäche ihn schon aus dem Kreis der Sieganwärter großer Turniere ausgeschlossen zu haben schien. Der Mann, der noch vor einem Jahr sagte, das Spiel mit diesen extralangen Arbeitsgeräten sei Betrug, aber so lange viele andere betrügen, mache er es auch, gewann im vergangenen Juli die British Open. Wen wundert es, dass er seitdem zu denen gehört, die sich vehement den Plänen von R&A und USGA widersetzen?

Quelle: FAZ.NET

 
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