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Schefflers Golf-Kolumne : Sie sind jung und siegen

  • -Aktualisiert am

EuroStar mit Gewinnsprung: Tom Lewis nach dem Sieg in Portugal Bild: AFP

McIllroy, Manassero, jetzt der junger Engländer Tom Lewis: Der europäische Golfnachwuchs hält sich nicht lange mit dem Sammeln von Erfahrungen - vulgo: Niederlagen - auf, sondern stürmt die Ranglisten.

          Tom Lewis hat sogar Tiger Woods geschlagen: Der ehemalige Überflieger des Golfs benötigte fünf Turniere, ehe er seinen ersten Sieg als Profi feierte, der zwanzigjährige Engländer schaffte dies schon bei seinem dritten Auftritt auf der European Tour. Am Sonntag rollte der Neuprofi aus Welwyn Garden City, der Heimatstadt des sechsmaligen Major-Champions Nick Faldo, beim Portugal Masters mit einer glänzenden Schlussrunde von 65 Schlägen das Feld von hinten auf.

          Er ließ in Vilamoura an der Algarve etliche große Namen hinter sich, darunter den Weltranglistensechsten Martin Kaymer, der mit vier Schlägen Rückstand auf dem geteilten achten Platz einkam. Lewis konnte nur vier Wochen nach seinem Wechsel ins Lager der Berufsspieler viel mehr als 416.660 Euro Preisgeld auf der Habenseite verbuchen. Er sicherte sich für die Jahre 2012 und 2013 die Spielberechtigung für die European Tour. Er rückt in der Weltrangliste von Rang 621 auf 166. vor. Er darf im November beim Turnier der World Golf Championship in Schanghai antreten und schob sich in der europäischen Geldrangliste (Race to Dubai) auf Rang 53 vor und ist zählt damit vermutlich zu den sechzig gewinnreichsten Profis, die beim Saisonabschlussturnier, der Dubai World Championship Anfang Dezember, startberechtigt sind. All das veranlasste die „Global Golf Post“ zur Schlagzeile: „A EuroStar is born.“

          Der Blitzstart von Lewis in den neuen Job kommt nicht aus heiterem Himmel. Bei den British Open im Juli in Sandwich hatte er mit 65 Schlägen nach dem ersten Tag das Feld gemeinsam mit dem Dänen Thomas Björn angeführt – die niedrigste Ergebnis, das je einem Amateur in der 151-jährigen Geschichte des ältesten und wichtigsten Turniers der Welt gelungen war. Am Ende landete Lewis als bester Nichtprofi auf dem 30. Rang. Gleich bei seinem ersten Profidebüt auf der Euro-Tour belegte er bei der Austrian Open in Atzenbrugg den zehnten Rang. Auch bei der Dunhill Links Championship hatte er als Siebzigster den Cut überstanden.

          Vorbilder McIllroy und Manassero

          Dass junge Europäer, die noch nicht um Preisgeld kämpfen, bei den British Open vorne mitspielen, hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Konstante entwickelt: Rory McIllroy zeigte 2007 mit der einzigen Eröffnungsrunde ohne Bogey von 68 Schlägen auf dem extrem schweren Championship Course von Carnoustie sein Potential. Auch wenn sich der mittlerweile 22 Jahre alte Nordire mit einem zweiten Platz bei seinem ersten Profiturnier im Oktober 2007 (Dunhill Links Championship) auf Anhieb die Spielberechtigung für die European Tour erkämpfte, benötigte er 38 Anläufe, ehe er erstmals einen Siegerpokal stemmte. Als amtierender US-Open-Champion und Dritter des Branchenrankings gehört er mittlerweile zu den Stars der Zunft.

          So jung und schon ganz oben: Tom Lewis
          So jung und schon ganz oben: Tom Lewis : Bild: AFP

          Zwei Jahre später kam Matteo Manassero in Turnberry als British-Amateur-Champion auf den 13. Rang. Der Italiener aus Verona, der sich im Vorjahr im Alter von 17 Jahren und 188 Tagen als jüngster in die Annalen der European Tour verewigte, demonstrierte einem weiter Erfolgen im Frühjahr noch vor seinem 18. Geburtstag wie schnell sich Spitzenamateure zu Toursiegern mausern können. Woher kommt diese Frühreife? Während in den Vereinigten Staaten der Profinachwuchs in den College-Teams geformt wird, gehen die europäischen Amateur-Verbände einen anderen Weg. Ihre Spitzenspieler werden von frühester Jugend gefördert, sie reisen oftmals seit Kindertagen um die Welt. Sie sind es gewohnt, in anderen Ländern anzutreten, mit unterschiedlichen Platzverhältnissen zu recht zu kommen und aus dem Koffer zu leben.

          Vorbildliche Förderung

          Bei den British Open genießen Briten und Iren noch den Vorteil, dass die wichtigsten Amateur-Turniere auf diesen Inseln wie „The Open Championship“ fast ausnahmslos auf Links Courses stattfinden, also auf Dünen-Plätzen an der Küste. Lewis hatte die Schule mit 16 Jahren verlassen, einmal weil er unter Dyslexie leidet, einer Lese- und Rechtschreibschwäche, vor allem aber, um sich ganz auf Golf zu konzentrieren.

          Auch die deutsche Elite genießt eine vorbildliche Förderung, viele junge Talente des Deutschen Golf Verbands gehörten als Amateure zur europäischen Spitze. Der Düsseldorfer Christian Reimbold stand vor elf Jahren im Finale der British Amateur Championship, einem der zwei wichtigsten Amateurturniere der Welt. Mittlerweile hat er seine Karriere aufgeben und arbeitet in einer Agentur, die Golfprofis betreut. Martin Kaymer behauptet, der mangelnde Erfolg deutschen Spitzenamateure auf den großen Touren liege an der Faulheit des Nachwuchses. Wenn dem so ist, dann gilt das nicht für die deutschen Proetten. Caroline Masson zählt nach ihrer glanzvollen Amateur-Karriere mittlerweile zur Spitze auf der europäischen Damentour. Sandra Gal, die den Weg über ein amerikanisches College ging, gewann im Frühjahr ein Turnier auf der LPGA Tour und gehörte zur Europa-Auswahl, die sich in Killeen Castle in Irland im Solheim Cup gegen die besten Amerikanerinnen durchsetzte.

          Quelle: FAZ.NET

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