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Schefflers Golf-Kolumne Schlag gegen die Dämonen

Robert Karlsson ist ein gestandenes Mannsbild. Doch plötzlich plagte den Schweden eine rätselhafte Schwäche. Er stand in perfekter athletischer Pose über dem Ball - und konnte nicht zuschlagen. Nun hat er das seltene Golferleiden besiegt.

© AFP Vergrößern Im Juli hatte Robert Karlsson die von ihm als „Unfähigkeit, den Abzug zu ziehen“ beschriebene Störung so schlimm im Griff, dass er vor den British Open seine Meldung zurückzog

Robert Karlsson hat sich am Montag in Palm Springs mit dem geteilten 14. Platz unter 172 Golfern bei der Final Stage der Qualifying School, dem letzten von drei Qualifikationsturnieren für die PGA Tour, als einer von 26 Glücklichen mehr als seinen Arbeitsplatz auf der PGA Tour für das nächste Jahr gesichert. Er besiegte in der härtesten Nervenprobe für Profis die Dämonen, die ihn über viele Monate gequält hatten.

Den 43 Jahre alten Schwede - ein gestandenes Mannsbild von 1,95 Meter und 95 Kilo - hatte seit dem Masters im April eine rätselhafte Schwäche geplagt. Er stand in perfekter athletischer Pose über dem Ball, konnte sich aber nur unter größten Anstrengungen dazu zwingen, auszuholen und zuzuschlagen. Er diagnostizierte es als eine seltene Form der „Yips“, ein Golferleiden, das sich vorwiegend durch unwillkürliches Muskelzucken beim Putten äußert, aber allgemeiner als neurologische Störung definiert wird, die Athleten hindert, automatisierte Bewegungen auszuführen.

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Im Juli hatte ihn die von ihm als „Unfähigkeit, den Abzug zu ziehen“ beschriebene Störung so schlimm im Griff, dass er nach abgebrochenen Übungsrunden zwei Tage vor den British Open seine Meldung zurückzog - der Tiefpunkt einer glanzvollen Karriere. Der Hüne hatte einst auf Platz sechs der Weltrangliste gestanden, 2008 die europäische Geldrangliste gewonnen, sich zwei Mal für das europäische Ryder-Cup-Team qualifiziert und elf Turniersiege gefeiert.

Als ihn die Fähigkeit verlassen hatte, seinen Beruf auszuüben, gönnte Karlsson sich eine längere Pause. Er konsultierte zwei Sportpsychologen, die ihm erklärten, es handele sich bei seinem Problem um einen Kurzschluss zwischen seinen beiden Gehirnhälften. Er suchte Rat bei dem spanischen Kollegen Sergio Garcia, der vor ein paar Jahren vor jedem Ausholen den Schläger immer wieder losließ und bis zu zwanzig Mal neu greifen musste - und diese von den Fans mit lautem Zählen begleitete Unart ablegen konnte.

Karlsson diagnostizierte seine Schwäche als eine seltene Form der „Yips“, ein Golferleiden, das sich © AP Vergrößern Karlsson diagnostizierte seine Schwäche als eine seltene Form der „Yips“, ein Golferleiden, das sich vorwiegend durch unwillkürliches Muskelzucken beim Putten äußert

Danach begann Karlsson gegen sein Leiden anzukämpfen. Unter Anleitung seiner Trainerin Annchristine Lundstrom begann er noch einmal ganz von vorne. Mit kurzen Schlägen (Chips) machte er wie Neugolfer in einem Anfängerkurs erst ganz kurze Schwungbewegungen und arbeitete sich langsam wieder zum vollen Schwung hoch.

Im Spätsommer begann er wieder Turniere zu spielen, aber es reichte nicht, sich unter die Top 125 der Geldrangliste der PGA Tour zu schieben, die auch im kommenden Jahr auf der lukrativsten Turnierserie die volle Spielberechtigung erhalten. Als 168. der „Money List“ musste er gar in die Second Stage der Qualifying School, die nur 453 von ursprünglich 1588 gemeldeten hoffnungsvollen Profis und Amateuren erreicht hatten. „Ich habe viel gelernt, vieles für garantiert genommen. Es ist ein Bonus, dass ich wieder spielen kann“, kommentierte Karlsson das Happyend.

Cejka verfehlt die volle Spielberechtigung für 2013

Alex Cejka durfte sich nicht über ein glückliches Ende freuen. Der Deutsche verfehlte am Montag, einen Tag nach seinem 42. Geburtstag, trotz einer glänzenden Abschlussrunde von 66 Schlägen mit insgesamt 15 unter Par nach sechs Runden bei der Final Stage der Qualifying School im PGA West Resort in Palm Springs die volle Spielberechtigung fürs kommende Jahr – um nur zwei Schläge. Gemeinsam unter anderem mit dem Kolumbianer Camillo Villegas belegte er dem 32. Platz.

Auch andere große Namen scheiterten: die Amerikaner Billy Mayfair, Patrick Cantlay und Shaun Micheel, der Sieger der PGA Championship von 2003). Die beiden in den Vereinigten Staaten lebenden deutschen Profis Stefan Jäger (+7/162.) und Stefan Wiedergrün (+9/164.)  waren nach zwei überstandenen Qualifikationsrunden chancenlos.

HP Byron Nelson Championship - Round Two © AFP Vergrößern Alex Cejka verpasste die volle Spielberechtigung fürs kommende Jahr – um nur zwei Schläge

Dafür schaffte Erik Compton und der unter schweren Depressionen leidende Australier Steven Bowditch die so genannte „Tour Card“. Den Sieg holte sich der Koreaner Dong-whan-Lee (25 unter Par), der dafür 50.000 Dollar Preisgeld erhielt – nicht viel, wenn man bedenkt, dass jeder der 1588 Teilnehmer an den drei „Stages“ 4000 Dollar Startgeld zahlen musste.

Die Qualifying School der PGA Tour fand in diesem Jahr zum letzten Mal in der bisherigen Form statt. Vom nächsten Jahr  werden bei der Qualifying School nur noch Spielberechtigungen für die zweite Liga, die web.com-Tour, vergeben. Künftig also kann kein Golfer mehr direkt auf die PGA Tour, vom nächsten Jahr an führt der Weg nur noch über die web.com-Tour. Diese Tour endet mit drei Finalturnieren. Die besten 50 am Ende dieser Serie steigen dann in die PGA Tour auf.

Sein Leben ist der Golfplatz: Wolfgang Scheffler beobachtet die Welt zwischen Rough, Bunker und Grün und schreibt in der FAZ.NET-Golfkolumne über Sieger und Verlierer, Kurioses und Skurriles.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 04.12.2012, 15:13 Uhr

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