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Schefflers Golf-Kolumne Nur Weihnachten ist golffrei

Lydia Ko ist ein ganz besonderes Talent. Dabei ist sie gerade 15 Jahre alt. Die Siegesserie der Neuseeländerin ist beeindruckend - nur finanziell lohnt sich der Erfolg nicht. Dabei verzichtet Ko auf so viel.

© picture alliance / dpa Vergrößern Erfolgreicher Farbtupfer: Lydia Ko ist erst 15 und schon sehr erfolgreich

Lydia Ko hat in den letzten zwei Jahren viel Geld verschenkt. Die Tageszeitung New Zealand Herald rechnete aus, dass die 15 Jahre alte Neuseeländerin bei ihren bisher nur zwölf Teilnahmen an Profitturnieren exakt 351.000 Euro an Preisgeld entgingen – Schecks, die der am 24. April 1997 in Seoul als Ko Bo-Gyung geborene Teenager nicht annehmen durfte. Denn „Lyds“, wie sie von ihren Freunden genannt wird, spielt Golf immer noch als Amateur - und das, glaubt man der Schülerin, wird auch noch ein Weile so bleiben: „Erst will ich die Schule beenden und dann aufs College gehen.“

Ob sie freilich den Verlockungen, den vielen Angeboten der Management-Agenturen, die das jüngste Wunderkind jagen, so lange widerstehen kann, scheint zweifelhaft – besonders, wenn man sich die jüngste Äußerung ihres Trainers und Mentors Guy Wilson anhört: „Vielleicht werden wir bei der LPGA eine Petition einreichen, damit sie schon vor Vollendung des 18. Lebensjahres Profi werden kann. Lyds hat einige große Ziele für dieses Jahr, und wenn sie die erreicht, wird sie vielleicht noch in diesem Jahr ihren Amateur-Status aufgeben.“

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Dass die 1,67 Meter große Lydia Ko bereit für diesen Schritt ist, hat sie in den vergangenen zwölf Monaten eindrucksvoll beweisen. Sie hat eine Siegesserie hingelegt, die Experten von einem der größten Talente schwärmen lassen – und sogar Tiger Woods verkünden ließ, die junge Frau aus Auckland sei viel besser als er in diesem Alter. Lydia Ko gewann nicht nur drei Profiturniere, sie siegte auch bei der US Amateur Championship im vorigen Jahr.

Sie gewann die Einzelwertung der Amateur-Mannschaftsweltmeisterschaft in der Türkei und führt die Amateur-Weltrangliste überlegen an. Im Januar vorigen Jahres triumphierte sie als damals jüngste Golferin bei der New South Wales Open in Oatlands bei Sydney in einem Profiturnier - ein Rekord, den mittlerweile die 14 Jahre alte Kanadierin Brooke Henderson brach, die im Juni 2012 auf der kleinen Canadian Women’s Tour siegte.

ISPS Handa Open „Erst will ich die Schule beenden und dann aufs College gehen“ © picture alliance / dpa Bilderstrecke 

Lydia Ko ließ ihrem Erfolg auf der Australian Ladies Professional Golf Tour (ALPG) Erfolge auf den zwei größten Damen-Turnierserien folgen: Sie gewann im Juni in Vancouver die Canadian Women’s Open, mit 300.000 Dollar Siegespreis das dritthöchst dotierte Turnier der Welt, eine Veranstaltung der LPGA Tour, an der 19 der Top 20 der Weltrangliste teilnahmen.

Am vergangenen Sonntag triumphierte sie auch noch bei der New Zealand Women’s Open in Christchurch, ein gemeinsames Turnier der Ladies European Tour (LET) und der ALPG. Fast überflüssig zu erwähnen, dass sie sich mit diesen Erfolgen zur bisher jüngsten Siegerin beider Veranstaltungsreihen kürte. Lydia Ko wird in der Hackordnung der Proetten schon auf Platz 30 geführt und damit noch vor den beiden besten Deutschen Sandra Gal (33) und Carolin Masson (49) – und auch weit vor ihrem großen Vorbild Michelle Wie (66).

„Da wusste ich, dass sie ein ganz besonderes Talent ist“

Im Gegensatz zu der Amerikanerin mit koreanischen Wurzeln hat Lydia Ko allen Verlockungen widerstanden, Einladung zu Profiturnieren der Herren anzunehmen. Dafür hat sie schon im Alter von 12 Jahren bei der New Zealand Ladies Women’s Open mitgespielt – und nicht nur den Cut geschafft, sondern auch noch den siebten Platz belegt. „Da wusste ich, dass sie ein ganz besonderes Talent ist“, sagt Trainer Wilson.

Der Neuseeländer betreut den Backfisch seit sie im Alter von fünf Jahren an der Hand ihrer Mutter Tina im ProShop des Pupuke Golf Clubs am North Shore von Auckland auftauchte, um bei ihm Golfunterricht zu nehmen. Der Golflehrer war von der Arbeitsmoral seiner jüngsten Schülerin beeindruckt: „Niemand schlägt mehr Bälle als sie, nichts bringt sie von ihren Zielen ab. Von außen betrachtet war sie nie ein normales Kind. Sie hat auf alles verzichtet, was Kinder in ihrem Alter normalerweise tun, nie Zeit mit ihren Freundinnen verbracht. Für sie gab es nur Golf. Weihnachten ist ihr einziger golffreier Tag, weil die Plätze an diesem Tag geschlossen sind.“

Schule per Fernkurs - mit guten Noten

Lydia Ko, die mit ihren Eltern 2003 von Seoul nach Neuseeland übersiedelte, besucht offiziell noch die Pinehurst Highschool in Auckland, aber ihre Klassenkameradinnen hat sie schon lange nicht mehr gesehen. Das Schulpensum absolviert sie per Fernkurs – mit guten Noten. „Im vergangenen Jahr hat sie das gesamte Jahresprogramm in zwei Wochen gelernt und dann alle Prüfungen bestanden“, sagt Wilson.

Denn bei dem sportlichen Programm, das sie mit der finanziellen Unterstützung des neuseeländischen Golfverbands absolviert, bleibt für andere Aktivitäten kaum Zeit. Fünf bis sechs Mal die Woche trainiert sie mit Wilson im Gulf Habour Country Club, einem der besten Plätze des Landes, zwei Mal in der Woche arbeitet sie mit einem Fitnesstrainer, weitere zwei Mal mit einem Physiotherapeuten, dazu besucht sie alle zwei Wochen Sitzungen mit einem Sportpsychologen.

„Ich konnte die Tränen nicht halten“

Wie nervenstark Lydia Ko ist, bewies sie auf dem 18. Grün des Clearwater Golf Clubs in Christchurch. Ganz sicher lochte sie aus einem Meter den entscheidenden Putt zum Sieg ein. Danach ließ das junge Mädchen mit der großen schwarzen Brille erstmals ihren Gefühlen freien Lauf: „Ich habe nach dem Sieg bei der Canadian Open nicht geweint, aber hier konnte ich die Tränen nicht halten. Es bedeutet mir so viel, die Meisterschaft meines Heimatlands gewonnen zu haben.“

Viel Zeit zum Feiern blieb ihr nicht. Schon am Montagmorgen flog sie um sechs Uhr morgens nach Canberra zu den Australian Open, einem gemeinsamen Turnier der LPGA und der LET – und auch bei dieser am Donnerstag beginnenden Veranstaltung zählt Lydia Ko zu den Favoriten.

Quelle: FAZ.NET

 
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