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Schefflers Golf-Kolumne „Na, Na, Na, Na. Hey, hey, hey good-bye!“

Die meisten Golf-Profis machen zwei, drei Probeschwünge vor dem Schlag. Bei Kevin Na artet diese Routine zuletzt aus. Er kann sich nicht entschließen, zu schlagen, bekommt Zeitstrafen und wird vom Publikum verhöhnt.

© AFP Vergrößern Das Problem des Golfers: „Ich kämpfe auch im Kopf gegen mich selbst“

Kevin Na hat zwar erst ein Turnier auf der PGA Tour gewonnen, eines in seinem Wohnort Las Vegas im Vorjahr, das trotz des ellenlangen Namens „Justin Timberlake Shriners Hospitals für Children Open“ nur zu den kleineren Veranstaltungen der lukrativsten Turnierserie im Golf gehört. Na, der im Alter von acht Jahren mit seinen Eltern von Seoul in die Vereinigten Staaten auswanderte und an seinem 18. Geburtstag die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm, hat es trotzdem zu Ruhm oder sagen wir besser zu unrühmlicher Bekanntheit gebracht.

Im Vorjahr stellte er mit 16 Schlägen am 9. Loch bei der Texas Open einen Rekord auf, das höchste Ergebnis, das die PGA Tour jemals an einem Par-4-Loch notierte – oder genauer seit die Tour die Ergebnisse jedes Lochs archiviert, was seit 1983 der Fall ist. Die verzweifelten Versuche von Na, sich aus Gebüschen in einem kleinen Wäldchen weit abseits der Spielbahn zu befreien, wurden zu einem Hit auf der Video-Platform YouTube.

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Am vergangenen Wochenende spielte Na bei der Players Championship in Ponte Vedra Beach an der Nordostküste von Florida wieder eine Hauptrolle – und wieder aus wenig schmeichelhaften Gründen. Der 28 Jahre alte Profi führte nach 54 Löchern das Feld des höchstdotierten Golfturniers der Welt (9,5 Millionen Dollar) mit einem Schlag Vorsprung vor dem späteren Sieger Matt Kuchar an und hatte den Siegespreis von 1,71 Millionen Dollar in Reichweite. Aber nicht die glanzvollen Schläge von Na waren das Thema, sondern das Schneckentempo mit dem sich der Spitzenreiter über den Platz bewegte.

THE PLAYERS Championship - Final Round Normal geht das so: „Kleiner Waggle, halber Waggle, kleiner Waggle, halber Waggle – bumm“ © AFP Bilderstrecke 

Na macht vor jedem Schwung, was eigentlich jeder Golfer in der Schlagvorbereitung tut: sogenannte Waggles. Mit dem Wackeln des Schlägers aus den Handgelenken sollen die Arme gelockert werden. Die meisten Profis haben ihre feste Routine, zwei, drei Waggles und dann folgt der Schwung. Bei Na läuft das normalerweise nach eigenen Worten so ab: „Kleiner Waggle, halber Waggle, kleiner Waggle, halber Waggle – bumm und dann ziehe ich den Abzug.“

Er konnte sich nicht entschließen, zu schlagen

Doch am Samstag artete die sogenannte Pre-Shot-Routine bei Na aus: „Ich versuche, mich durch die Waggles wohl zu fühlen. Wenn das nicht funktioniert, mache ich die Waggles paarweise, wenn das dann immer noch nicht klappt, dann werden es jeweils vier – oder gar jeweils sechs – in meinem Kopf geht unheimlich viel vor.“

Aber nicht nur mit seinen unzähligen Waggles – nach Schätzung von Beobachtern waren es allein am Samstag über 500 – brachte er die Zuschauer zur Verzweiflung. Selbst als er sich endlich entschlossen hatte, zu schwingen oder wie er es ausdrückt „abzudrücken“ (Pull the trigger) konnte er sich häufig nicht entschließen, auch den Ball zu schlagen. Im letzten Augenblick zog er die Arme hoch und schlug absichtlich über den Ball – nach den Golfregeln kein Schlag, da er nicht die Absicht hatte, den Ball zu treffen. Das führte dazu, dass er und sein Mitspieler Zach Johnson wegen Spielverzögerung von einem Offiziellen mit einer Uhr begleitet wurden, der die Dauer jeden Schlages stoppt.

Am 16. Loch schließlich erhielt Na eine Verwarnung, weil er zum wiederholten Male das Zeitlimit überschritten hatte, etwas was eine Geldstrafe von 5000 bis 10.000 Dollar nach sich zieht. Nach den Regularien der PGA Tour haben Spieler nach Erreichen des Balls 45 Sekunden Zeit, einen Schlag auszuführen. Aber nur in Extremfällen wie bei Na wird auf Einhaltung dieser Regel geachtet.

„Ich kämpfe auch im Kopf gegen mich selbst“

Mit entwaffnender Ehrlichkeit schilderte Na die Gründe für seine Langsamkeit. Es klang, als sei er verzweifelte auf der Suche nach einem Exorzisten, der die ihn plagenden Dämone vertreibt: „Ich kämpfe nicht nur um den Sieg bei einem Golfturnier, ich kämpfe auch im Kopf gegen mich selbst. Seit dem Masters 2011 habe ich mit Dale Lynch einen neuen Coach. Seitdem habe ich ein neues Set-up (Ansprechposition oder Köperstellung zum Ball). Ich lehne mich mehr nach vorne und versuche, aufrechter zu schwingen. Und wenn ich mich in der Ansprechposition unwohl fühle, muss ich wieder von vorne anfangen.“ Und dann bat er fast inständig die Reporter um Milde: „Glauben Sie mir, ich kasteie mich dafür. Ich will schneller werden.“ Am Sonntag versuchte er es. Es ging grandios schief.

Von Anfang an skandierten etliche Zuschauer „Pull the trigger. Pull the trigger. Hit it!“ Als Na nach vier Bogeys auf den ersten neun Löcher mit dem Kampf um den Sieg nichts mehr zu tun hatten, verhöhnten sie ihn: „Na, Na, Na, Na. Hey, hey, hey good-bye!“ Na benötigte am Sonntag 76 Schläge und fiel auf den geteilten siebten Rang zurück. „Mein Hauptziel war es, schneller zu spielen“, beschrieb er sein Rezept für den Schlusstag. Er eilte immer so schnell zum Ball, dass er meist vierzig Meter vor seinem Mitspieler Kuchar herlief, um ja früh am Ball zu sein und für seine zeitraubende Schlagvorbereitung mehr Zeit zu haben. Na tat also alles, um Kuchar nicht durch sein langsames Spiel aufzuhalten. Viele Fans kannten trotzdem kein Pardon – und Na verstand das: „Ich habe das verdient. Ich bin ehrlich. Aber ist das fair? Nein.“

Auch Sergio Garcia weiß, dass Fans mit Trödlern, vor allem solchen, die durch seltsame Ticks auffallen, wenig Gnade kennen: Als der Spanier bei den US Open 2002 in Bethpage vor jedem Schlag bis zu zwanzig Mal den Griff lockerte und wieder zugriff, zählten viele Fans gnadenlos laut mit. Garcia war entnervt und hatte mit dem Kampf um den Sieg nichts zu tun. Mittlerweile hat er diese spielverzögernde Unart abgelegt – und trotzdem hätte Na gerne mit ihm gespielt: „Er ist wahrscheinlich der einzige, der versteht, was ich durchmache.“

Sein Leben ist der Golfplatz: Wolfgang Scheffler beobachtet die Welt zwischen Rough, Bunker und Grün und schreibt in der FAZ.NET-Golfkolumne über Sieger und Verlierer, Kurioses und Skurriles.

Quelle: FAZ.NET

 
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