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Schefflers Golf-Kolumne Mit der Kraft der Bibelverse

Der 26 Jahre alte Amerikaner Webb Simpson düpiert die Champions und gewinnt als Außenseiter die US Open der Golfer. Jetzt widmet er sich erstmal seiner hochschwangeren Frau.

© dapd Vergrößern Überraschungssieger: Webb Simpson gewinnt die US Open 2012

Der Lake Course des Olympic Club trägt nicht ohne Stolz den Spitznamen „Friedhof der Champions“. Natürlich wurde auf der Golfanlage des 1860 gegründeten Vereins, der sich als ältester Sportklub der Vereinigten Staaten bezeichnet und insgesamt neun Sportarten betreibt, kein Meister beerdigt, aber dafür mussten immer wieder Champions auf diesem Platz alle Hoffnungen begraben. Viermal waren die US Open vor der 112. Austragung von Donnerstag bis Sonntag in San Francisco zu Gast - und auch beim fünften Mal düpierte ein Außenseiter zwei Champions, die als gemeinsame Spitzenreiter auf die Schlussrunde gegangen waren.

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Nicht die ehemaligen US-Open-Sieger, der Nordire Graeme McDowell (2010) und der Amerikaner Jim Furyk (2003), kassierten am Ende den Siegespreis von 1,44 Millionen Dollar (1,14 Millionen Euro), sondern Webb Simpson. Der 26-jährige Profi aus Charlotte in North Carolina war eine halbe Stunde vor den beiden Favoriten mit vier Schlägen Rückstand auf die letzte Runde auf dem extrem schweren Platz am Lake Merced gegangen.

Nach einer Schlussrunde von 68 Schlägen (zwei unter dem Platzstandard oder Par von 70) kam er knapp eine Stunde vor McDowell und Furyk ins Klubhaus. Gemeinsam mit seiner hochschwangeren Ehefrau Dowd bangte er vor dem Fernsehschirm in der Umkleide, ob sein hauchdünner Vorsprung von einem Schlag halten würde.

Simpson bangte vor dem Fernsehschirm

Er hielt. Simpson gewann mit 281 Schlägen (72+73+68+68/1 über Par) vor den schlaggleichen McDowell (282/69+72+68+73) und Michael Thompson aus den Vereinigten Staaten, der am ersten und am letzten Tag die niedrigste Runde spielte (282/66+75+74+67). Furyk teilte sich mit dem Iren Padraig Harrington sowie seinen Landsleuten Jason Dufner und John Peterson den vierten Platz (alle 283 Schläge).

Das Ehepaar Simpson sah, wie erst Furyk am 16. Loch, einem der leichtesten Löcher des Platzes, die Führung mit einem nach links verzogenen Abschlag und daraus resultierenden Bogey verspielte und wie schließlich McDowell am 18. Loch den Ball aus acht Metern am Loch zum Birdie vorbeischob und damit die Chance verpasste, Simpson in ein Stechen am Montag über 18 Löcher zu zwingen - ein Anachronismus, den sich von allen vier Majors nur noch die nationale Meisterschaft der Vereinigten Staaten erlaubt.

Bild 1 Simpson Die Szene aufgewirbelt: Mit Simpson als Sieger rechnete niemand © AFP Bilderstrecke 

Und noch eines zeichnet das zweite Großereignis des Jahres aus: Der amerikanische Golfverband (USGA) liebt es, die besten Golfer der Welt leiden zu sehen: enge Fairways und beinharte Grüns, die beide von hohem, dichtem Rough gesäumt sind. Wer nicht mit laserartiger Präzision den Ball ins vorgegebene Ziel steuert, der wird hart bestraft, wobei manchmal nur wenige Zentimeter zwischen Glück und Unglück liegen. Etliche hoch gewettete Stars erwischte es: Die beiden Führenden in der Weltrangliste, der Engländer Luke Donald und der nordirische Vorjahressieger Rory McIlroy, mussten wie Masters-Champion Bubba Watson schon nach zwei Tagen abreisen, aber auch die beiden amerikanischen Publikumslieblinge Tiger Woods und Phil Mickelson kamen nicht ungeschoren davon.

Der große Favorit bricht förmlich ein

Woods, der zwei Tage mit Runden von 69 und 70 Schlägen so souverän gewirkt und gemeinsam mit Furyk bei Halbzeit geführt hatte, brach am Wochenende mit Runden von 75 und 73 Schlägen förmlich ein. Platz 21 war die schlechteste Plazierung des einstigen Überfliegers nach dem Scheitern beim Cut 2006, als er im Anschluss an eine längere Pause nach dem Tod seines Vaters unvorbereitet mitgespielt hatte. Mickelson landete gar nur auf Platz 65, weit hinter den beiden Deutschen im Feld: Martin Kaymer kam mit 286 Schlägen (74+71+69+72) auf Rang 15, Alex Cejka (291/78+69+70+74) auf den 41. Rang. Beide werden wie Bernhard Langer in dieser Woche von Donnerstag bis Sonntag bei den BMW International Open im Golf Club Gut Lärchenhof in Pulheim bei Köln mitspielen.

Er widmet sich seiner schwangeren Frau

Sieger Webb Simpson will sich in den nächsten Wochen vor allem seiner Frau widmen, die Ende Juli das zweite Kind erwartet. An den British Open, die vom 19. bis 22. Juli in Royal Lytham & St. Annes an der englischen Westküste stattfinden, wird er vermutlich nicht teilnehmen. Denn für Simpson steht Golf nur an dritter Stelle, nach seinem Glauben und der Familie. Der Aufsteiger des vergangenen Jahres besuchte mit einem Stipendium der Golflegende Arnold Palmer die Wake Forest University in Winston-Salem in seinem Heimatstaat North Carolina, Hauptfach Religion. Während der Schlussrunde, in der sich immer wieder Nebelschwaden über den Platz senkten, zitierte sein Caddie Paul Tesori Bibelverse, um seinem Arbeitgeber Kraft für die letzten Löcher zu geben.

Es half - und Webb Simpson, der im vergangenen Jahr mit zwei Siegen auf der PGA Tour den Durchbruch geschafft hatte und erst beim letzten Turnier in der Geldrangliste von Donald überholt worden war, setzte eine nun schon seit 1955 in San Francisco anhaltende Serie fort: die der US-Open-Champions, die niemand auf der Rechnung hatte.

Sein Leben ist der Golfplatz: Wolfgang Scheffler beobachtet die Welt zwischen Rough, Bunker und Grün und schreibt in der FAZ.NET-Golfkolumne über Sieger und Verlierer, Kurioses und Skurriles.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 19.06.2012, 16:51 Uhr

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