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Schefflers Golf-Kolumne Keine Fragen mehr von der Verlobten

Jason Dufner hatte es schwer: Der Golfprofi verspielte in seiner Karriere so oft eine Führung, dass sogar seine Verlobte anfing, unangenehme Fragen zu stellen. Damit ist jetzt Schluss - und nicht nur, weil Dufner heiratet.

© AFP Vergrößern Küsschen: Jason Dufner übt schon mal für die Hochzeit

Die Sause fällt üppiger aus als eigentlich geplant: „Es wird eine große Hochzeit“, sagt Jason Dufner „wir feiern ja nicht nur unsere Heirat, sondern auch noch meinen ersten Sieg auf der PGA Tour. Da kann ich das Geld gut brauchen.“ 1,152 Millionen Dollar (rund 870.000 Euro) kassierte der 35-jährige Amerikaner am Sonntag für seinen Erfolg beim Zurich Classic of New Orleans in Avondale.

Der bisher größte Preisgeldscheck seiner Profilaufbahn kommt genau zum rechten Zeitpunkt: Am Samstag heiratet der Golfprofi in seiner Heimatstadt Auburn in Alabama Amanda Cox, eine attraktive junge Dame mit der er seit drei Jahren Tisch und Bett teilt.

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Aber fast wichtiger als der üppige Lohn war für den Bräutigam etwas anderes: Mit dem Sieg ist Dufner ein Problem, ja fast ein Stigma los geworden: das des Halbzeit-Siegers, jenes eines Golfprofis, der immer dann versagt, wenn es am Wochenende darauf ankommt, das eines Mannes, der einfach keinen Turniersieg unter Dach und Fach bringen kann.

„Sogar meine Verlobte Amanda“

Drei Mal bei seinen letzten 15 Turnierteilnahme, sechs Mal in seiner sechsjährige Profikarriere auf der PGA Tour hatte Dufner nach zwei Runden das Feld angeführt, zuletzt beim Masters in Augusta – und stand am Ende dennoch immer mit leeren Händen da.

Beim ersten Major des Jahres hatte er nach 36 Löchern gemeinsam mit Freddie Couples, einem seiner Idole, die Spitze gebildet. Aber am Samstag und Sonntag hatte er jeweils 75 Schläge benötigt und war am Ende bis auf Platz 24 durchgereicht worden. „Wenn man als Spitzenreiter in das Wochenende von Turnieren geht und dann nur Platz 24 belegt, kommen natürlich die Fragen: Warum gewinnst du nicht? Warum kannst du die Sache nicht zu Ende bringen?“

Fragen, die in diesem Jahr immer nachdrücklicher wurden: „Nicht nur die Medien, auch meine Freunde, selbst mein innersten Kreis, ja sogar meine Verlobte Amanda – alle wollten wissen, warum ich nicht gewinnen konnte“, erzählte Dufner, „mit dem Sieg ist mir ein Stein vom Herzen gefallen.“

Diesmal bricht er nicht ein

Zumindest rein statistisch waren die Gründe für Dufners lange Durststrecke leicht auszumachen. Denn während Dufner mit 69,05 Schlägen auf der PGA Tour in diesem Jahr den zweitbesten Rundenschnitt für die ersten zwei Tage aufwies, benötigte er am Samstag (71,50) und Sonntag (71,80) immer deutlich mehr Schläge im Schnitt. Und dann war noch die Erinnerung an die vielleicht bitterste Stunde seiner Laufbahn auf: Im vorigen August war Dufner mit fünf Schlägen Vorsprung auf letzten vier Löcher der PGA Championship in Atlanta gegangen.

Er verspielte den scheinbar sicheren Vorsprung und unterlag im Stechen gegen Keegan Bradley, einen krassen Außenseiter, der erstmals in seinem Leben an einem der vier wichtigsten Turniere der Welt teilnahm. „Wie überwindet man so etwas? Wie konzentriert man sich trotzdem auf die Dinge, die wichtig sind?“ fragte sich Dufner. Am Sonntag hat er die Antwort gefunden, obwohl der Südafrikaner Ernie Els, ein Mann, der 18 Siege auf der PGA Tour und weitere 46 in aller Welt gefeiert hatte, am Schlusstag mächtig Druck machte und mit einer Schlussrunden von 67 Schlägen zu Dufner aufschloss.

Dufner brach diesmal nicht ein: Mit 70 Schlägen kam er wie Els mit 19 unter Par ins Klubhaus. Nach zwei verlorenen Stechen (Phoenix Open und PGA Championship) brachte er nicht nur erstmals eine Halbzeitführung nach Hause, er setzte sich am zweiten Extra-Loch gegen den ehemaligen US- und British-Open-Champion Els durch – auch wenn er vor den letzten aus 37 Zentimetern zum Birdie und zum Sieg noch einmal kräftig Luft holte: „Ich habe mir gesagt: Schieb ihn nicht vorbei, der ist für den Sieg.“ Er lochte ihn sicher ein, der erste Sieg im 164. Anlauf war perfekt.

Erfolge auch für Donald und Cejka

Er feierte ihn so gelassen wie er sich auf dem Platz seinem Job nachgeht. Er streckte die Arme kaum über Schulterhöhe kurz in den Himmel. Jason Dufner gilt zu recht als „cool“. Er geht seinem Job abgeklärt nach, selbst als er am 16. Loch mit einem Monsterputt aus 14 Metern das Par rettete, huschte nur die Andeutung eines Lächelns über sein Gesicht.

Große Gefühlsregungen, gar Freudentränen wie von Bubba Watson wird man bei Jason Dufner nicht sehen. Wahrscheinlich aber, so glaubt nicht nur Els, werden wir ihn noch weitere Male als Sieger sehen. Hartnäckigkeit, die Fähigkeit sich von Rückschlägen nicht unterkriegen zu lassen, ein eleganter, stabiler Golfschwung, dazu die neue Fähigkeit unter Druck wichtige Putts zu lochen – all das sind die Ingredienzien von Siegern.

P.S. In Avondale, einem Vorort von New Orleans, gab es noch weitere Spieler, die Grund zur Freude hatten. Der Engländer Luke Donald verdrängte mit dem alleinigen dritten Platz den Nordiren Rory McIlroy von der Spitze der Weltrangliste. Der mittlerweile in Las Vegas lebende Deutsche Alexander Cejka sichert sich mit seinem 18. Platz (übrigens schlaggleich mit Masters-Sieger Watson) rund 70.000 Dollar Preisgeld und damit nach seinen gesundheitlichen Problemen (Gras-Allergie) fürs nächste Jahr auch zumindest die eingeschränkte Spielberechtigung für die PGA Tour.

Sein Leben ist der Golfplatz: Wolfgang Scheffler beobachtet die Welt zwischen Rough, Bunker und Grün und schreibt in der FAZ.NET-Golfkolumne über Sieger und Verlierer, Kurioses und Skurriles.

Quelle: FAZ.NET

 
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