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Veröffentlicht: 16.10.2012, 16:52 Uhr

Schefflers Golf-Kolumne Europa lockt den Tiger

Kaum lockert die European Tour ihr Reglement, überlegt Golfstar Tiger Woods erstmals dieser beizutreten. Ein Schelm, wer Böses denkt. Im Gegensatz zur PGA Tour erlaubt diese Turnierserie ganz offiziell die Zahlung von Antrittsgeldern.

von , Frankfurt
© REUTERS Größte Zugnummer des Golfsports: der Amerikaner Tiger Woods

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. In der vergangenen Woche verkündete die European Tour, dass vom nächsten Jahr an auch die Mannschafts-Wettbewerbe Ryder Cup, Presidents Cup und Seve Trophy zu den 13 Turnieren zählen, die jeder Golfprofi auf der europäischen Veranstaltungsserie spielen muss, um Mitglied der Tour zu bleiben - und am Ende des Jahres am großen Geldsegen zu partizipieren. Die 60 Besten des „Race to Dubai“, der europäischen Geldrangliste, sind für das mit acht Millionen Dollar dotierte Abschlussturnier qualifiziert, die „Dubai World Championship“. Dazu wird unter den 15 Profis, die am Ende des Jahres am meisten spielend einnahmen, noch einmal ein Bonuspool von 3,75 Millionen Dollar (davon eine Millionen für den Sieger des „Race to Dubai“) verteilt.

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Kaum hatte die European Tour, die in diesem Jahr 46 Turniere in 24 Ländern in Europa, Asien, Afrika und Australien ausrichtet, diese Lockerung verkündet, sagte Tiger Woods am Rande eines Einladungsturniers für acht der weltbesten Golfer in Antalya in der Türkei, dass er überlege, erstmals in seiner Laufbahn neben seiner Mitgliedschaft in seiner amerikanischen Heimat-Tour auch noch der European Tour beizutreten. Der 37-jährige Amerikaner macht schon seit vielen Jahren Abstecher auf die European Tour, denn im Gegensatz zur PGA Tour erlaubt diese Turnierserie ganz offiziell die Zahlung von Antrittsgeldern - und Woods hat in der Vergangenheit immer groß abkassiert. In den letzten Jahren wurden ihm Reisen nach Dubai und Abu Dhabi immer mit siebenstelligen Summen schmackhaft gemacht.

Immer noch die größte Zugnummer im Golf

Dass Woods, der immer noch mit Abstand als die größte Zugnummer im Golf gilt, sich auf einmal zu der 1972 ins Leben gerufenen European Tour hingezogen fühlt, hat - wie sollte es auch anders sein - vor allem pekuniäre Gründe. Denn derzeit pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass der langjährige Weltranglistenerste mit Turkish Airlines über einen lukrativen Sponsorenvertrag verhandelt. Die Fluglinie hatte Woods, der bei diesem Schaukampf im Halbfinale am späteren Sieger Justin Rose (England) gescheitert war, für ein Antrittsgeld von drei Millionen Dollar an die türkische Mittelmeerküste gelockt. Die Airline finanzierte nicht nur dieses sportlich bedeutungslose Turnier, an dem auch der nordirische Weltranglistenerste Rory McIlroy teilnahm (er verlor alle seine Matches, eines davon gegen Woods). Die Fluglinie trägt auch als Titelsponsor den Löwenanteil des Preisgelds von sieben Millionen Dollar der Turkish Open im nächsten November. Dieses neue Turnier, an dem nur 78 Spieler teilnehmen dürfen, wird so terminiert, dass es unmittelbar vor dem Saisonfinale in Dubai stattfindet - und so für Woods und seine Kollegen nur ein kurzer Flug von Antalya in die Vereinigten Arabischen Emirate ansteht.

Sie kann sich mit Woods schmücken

Der European Tour sind dabei gleich zwei Coups geglückt. Sie kann sich mit Woods schmücken - und sie kann ein wenig den Schaden gut machen, den die Absage von gleich drei Turnieren in Spanien wegen der Finanzkrise verursachte. Woods, der meist kaum mehr als die 15 Turniere spielt, die die PGA Tour von ihren Mitglieder fordert, muss seinen Arbeitsaufwand nur minimal erhöhen. Da die vier Majors und die drei Einzelturniere der World Golf Championship zu beiden Turnierserien zählen und er dazu im Wechsel jedes Jahr im Ryder Cup oder Presidents Cup aktiv ist, muss er lediglich noch vier Turniere auf der European Tour spielen, um das Minimum von 13 zu erreichen.

Es ist anzunehmen, dass er auch 2013 seine Saison wieder im Nahen Osten beginnt. Da die Teilnahme an der Turkish Open ohnehin Teil seines Sponsorenvertrages sein wird und Woods sich sicherlich für die Dubai World Championship qualifiziert, muss er nur noch einen einzigen weiteren Stopp der European Tour in seinen Reiseplan aufnehmen.

Bild Woods 1 Abschlagen an der Türkischen Riviera: Woods beim Turnier in Belek © dapd Bilderstrecke 

Dass sich ausgerechnet die teilstaatliche Fluglinie Turkish Airlines so stark im Golf engagiert, verwundert nur auf den ersten Blick. Von den 25 Golfplätzen in der Türkei liegen allein 15 in der Region Antalya/Belek - und die werden kaum von den nur 6000 türkischen Golfern frequentiert. Sie sind vorwiegend für Touristen aus Deutschland, Großbritannien und Skandinavien entstanden. Aber seit Golf wieder ins olympische Programm aufgenommen wurde und Istanbul sich als Favorit für die Olympischen Spiele 2020 sieht, will sich das Land am Bosporus als Sportland in der Weltöffentlichkeit präsentieren - und dafür ist Woods das ideale Aushängeschild.

Quelle: F.A.Z.

 

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