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Veröffentlicht: 29.05.2012, 11:37 Uhr

Schefflers Golf-Kolumne Ein Golf-Hit - auch ohne Wow-Faktor

Zuschauer vom Abschlag bis zum Grün: Die Proetten erleben beim„anderen“ Damenturnier in Oberbayern eine ungewohnte Aufmerksamkeit.

von , Markt Inderstdorf
© AFP Deutschlands Vorzeige-Golferin: Sandra Gal

Laura Davies wird am 5. Oktober 49 Jahre alt und spielt noch immer professionell Golf - und immer noch erfolgreich. Am Pfingstsonntag verlor die „Grande Dame“ der Ladies European Tour (LET) erst im Stechen der UniCredit Ladies German Open im Golfpark Gut Häusern in Markt Inderstdorf bei Dachau am zweiten Extra-Loch gegen eine junge Frau, die ihre Tochter sein könnte. Den Siegespreis von 52.500 Euro und noch einmal ein Cabriolet im gleichen Wert gewann die 27-jährige Anne-Lise Caudal, eine französische Außenseiterin, die nach der Ladies Portugal Open vor vier Jahren ihren zweiten Sieg auf der LET feierte.

„Ich habe im Stechen keine gute Bilanz“, klagte die Engländerin aus Ottershaw (Surrey), die in ihrer Karriere 72 Turniersiege (vier davon in Majors) verbuchte. „Fünf Siege, 16 Niederlagen, aber wenigstens habe ich das Stechen bei den US Open 1987 gewonnen. Hier ist die Niederlage besonders ärgerlich, weil es sich mit dem Auto als Zusatzpreis wie zwei Turniersiege anfühlt“, sagte die Verliererin, die mit drei Putts und einem Bogey am 16. Loch den zweiten Triumph nach 2010 beim einzigen deutschen Damen-Profiturnier schon vor dem Play-off vergeben hatte.

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Dass sich Siege vor den Toren Münchens ganz anders anfühlen, ja das ganze Turnier aus dem Rahmen des üblichen Geschehens auf der LET fällt, drückte Laura Davies so aus: „Wenn alle Turniere so wären wie dieses, wären wir Spielerinnen unheimlich glücklich.“ Denn in Oberbayern erleben die Proetten eine ganz und gar ungewohnte Aufmerksamkeit. Während Damengolf selbst in klassischen Golfländern wie den Vereinigten Staaten oder Großbritannien ein Schattendasein fristet, strömen die Zuschauer nach Gut Häusern. In diesem Jahr gab es wieder einen neuen Rekord von 32.500. In den bisher fünf Auflagen registrierte man mehr als 100.000 Fans.

Zuschauer vom Abschlag bis zum Grün

Turnierdirektor Nikolaus Peltzer wollte sich zwar nicht festlegen, ob seine Veranstaltung das bestbesuchte Damenturnier in Europa sei, sagte aber, dass er diese Rückmeldung von vielen Spielerinnen erhalten habe. Das Evian Masters, das im nächsten Jahr in den Status eines Majors erhoben wird, und die British Open melden höhere Besucherzahlen - ob man ihnen glauben kann, ist die Frage.

19866369 Die Siegerin in Markt Inderstdorf: Anne-Lise Caudal © dpa Bilderstrecke 

„Das erste Loch war vom Abschlag bis zum Grün komplett von Zuschauern gesäumt“, staunte die Düsseldorferin Sandra Gal, die die Schlussrunde gemeinsam und schlaggleich mit Laura Davies begonnen hatte, aber am Ende wie im Vorjahr mit dem geteilten siebten Platz zufrieden sein musste. Die 27 Jahre alte Deutsche, die seit ihrer Studienzeit in Amerika lebt und auf der amerikanischen LPGA Tour spielt, wunderte sich, wie viele Fans sie an jedem der vier Tage begleiteten: „So viele Leute sind auf der LPGA Tour nur in der Gruppe dabei, die um den Sieg spielt.“

Warum Damengolf in Deutschland ein Renner ist, kann niemand so recht erklären, viel leichter fällt die Suche nach den Gründen, warum die meist so elegant schwingenden Damen ansonsten kaum beachtet werden: „Bei uns fehlt vielleicht der Wow-Faktor“, glaubt Martina Eberl-Ellis, die auf der LET drei Turniere gewann und auf Gut Häusern mit Platz 57 ihre deutsche Abschiedsvorstellung als Tourspielerin gab, ehe sie sich ganz auf ihre Familie und ihre Golfakademie konzentrieren will. „Was wir Proetten machen, ist für Hobbygolfer viel nachvollziehbarer. Kein normaler Amateur kann wie männliche Profis den Ball 300 Meter weit schlagen. Aber wenn ich mit meinem Vater, der Handicap 10 hat, spiele, freut er sich wie ein Schneekönig, wenn er mal einen längeren Drive als ich schlägt“, fügte die dreißigjährige ehemalige Amateur-Europameisterin an.

Aber um keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen: Selbst zierliche junge Frauen können den Ball mit dem Driver 230, 240 Meter weit befördern. Und ein Ergebnis von 13 unter Par wie von Anne-Lise Caudal und Laura Davies auf einem knapp 6000 Meter langen Platz belegt: Auch die sportlichen Leistungen der Golfdamen können sich sehen lassen.

Sein Leben ist der Golfplatz: Wolfgang Scheffler beobachtet die Welt zwischen Rough, Bunker und Grün und schreibt in der FAZ.NET-Golfkolumne über Sieger und Verlierer, Kurioses und Skurriles.

Quelle: F.A.Z.

 

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