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Schefflers Golf-Kolumne : Der „Sultan of Swing“

  • -Aktualisiert am

Sean Foley und Freundin Lindsey Vonn schauen Tiger Woods beim Schwung zu Bild: AFP

Was in anderen Einzelsportarten fast undenkbar wäre, ist im Golf gang und gäbe: Spieler teilen sich einen Trainer. Sean Foley bringt Profis wie Tiger Woods oder Lee Westwood den richtigen Schwung bei.

          Ein Sieger der 142. British Open stand schon fest, bevor Phil Mickelson vor gut einer Woche der Claret Jug, die Rotweinkanne, dem „Champion Golfer of the Year“ überreicht wurde - und es handelt sich um keinen Profi, sondern um einen Mann, den die Medien mit Ehrentiteln wie „Sultan of Swing“ oder „der Golf-Flüsterer“ versehen haben: um den kanadischen Golflehrer Sean Foley.

          Bei den Open auf dem extrem schweren Platz der Honourable Company of Edinburgh Golfers in Muirfield, einem Ortsteil von Gullane, an der schottischen Ostküste kamen drei Spieler unter die besten Zehn, die auf den Rat des Kanadiers aus Toronto hören, der mittlerweile wie alle seine Musterschüler in Südflorida lebt: Lee Westwood landete auf dem geteilten dritten Rang (285 Schläge), Tiger Woods wurde Sechster (286) und Hunter Mahan Neunter (287).

          Was in anderen Einzelsportarten fast undenkbar wäre, ist im Golf gang und gäbe: Spieler teilen sich einen Trainer. Masters-Sieger Adam Scott und Open-Gewinner Phil Mickelson hören auf den Rat des Amerikaners Butch Harmon. Zum ständig wachsenden Kreis der Schützlinge von Foley zählt noch der englische US-Open-Sieger Justin Rose. Rose, der mit Hilfe des Golflehrers aus Ontario innerhalb von fünf Jahren in der Weltrangliste um 80 Plätze bis auf Rang drei nach oben kletterte, war es, der seinem Landsmann Westwood empfahl, sich dem kanadischen Schwung-Guru anzuvertrauen.

          Erst seit zwei Wochen arbeiten die beiden zusammen, und schon schwärmt der vierzig Jahre alte Weltranglistenzwölfte, der sich im vorigen August von seinem bisherigen Trainer Pete Cowan getrennt hatte, von seinem neuen Coach: „Wenn man sieht, was Sean mit Tiger, Justin und Hunter erreicht hat, muss man sagen, er ist in der Topliga. Wir haben hauptsächlich an meiner Körperhaltung und der Ansprechposition gearbeitet - und schon treffe ich den Ball viel besser und schlage ihn weiter. Seine Anweisungen sind leicht zu befolgen, er überlädt einen nicht mit seltsamem Zeug.“

          „Kinetik, Physik, Psychologie, Philosophie“

          Gerade der letzte Satz überrascht, denn Foley gilt, wie es die amerikanische Zeitschrift „Sports Illustrated“ ausdrückte, als „einer der eklektischsten Schwunglehrer auf der PGA Tour, als einer, der Kinetik, Physik, Psychologie, Philosophie und Hip-Hop-Musik kombiniert“. Auf die Frage, wie er den Schwung von Woods umstellte, mit dem er seit August 2010 zusammen arbeitet, antwortete er: „Schwungumstellung ist ein dummes Wort, denn in Wirklichkeit handelt es sich nur um eine graduelle Evolution in kodierten Gehirnmustern.“ Und ein Reporter, der wissen wollte, wie er das Spiel mit den langen Eisen von Rose so stark verbesserte, bekam nur eine kurze Antwort: „Myelin“.

          Und auf den konsternierten Blick des Fragestellers erläuterte Foley: „Das ist die Isolierung, die sich um die neuronalen Gehirnschaltungen legt und ihnen hilft, schneller zu feuern, wenn bestimmte Reize vorhanden sind. Myelin hilft neue Fertigkeiten zu lernen. Das ist der Wert von den vielen Wiederholungen, von denen Tiger immer spricht.“ Bei Sätzen wie, er korrigiere die „thorakale Vorwärtsneigung“, oder wenn er vom „Verhältnis Eintreffwinkel zu Loft (Neigungswinkel der Golfschläger) in den horizontalen Vektoren“ spricht, sieht man selbst Experten oft ratlos.

          Selbst der Superstar kann noch etwas vom Trainer lernen

          Solche Sätze trugen Foley den Ruf ein, entweder ein wissenschaftlich orientierter Golflehrer oder ein echter Komiker zu sein. Der 39-Jährige lehnt zwar die Bezeichnung Golflehrer für sich ab, er bezeichnet sich als Coach, der seinen Schülern helfe, ihr volles Potential zu erreichen. „Sean sieht mich nicht als Golfer. Er sieht mich als Athleten und aus biomechanischer Sicht“, sagt Rose.

          Man kann es allerdings auch einfacher ausdrücken: Foley lehrt eine Variation der von den amerikanischen Golflehrern Mike Bennett und Andy Plummer eingeführten „Stack and Tilt“-Methode, was sich im Deutschen am besten mit „Aufstellen und Kippen“ übersetzen lässt. Foley propagiert, dass im Gegensatz zur herkömmlichen Schwungmethode beim Ausholen das Gewicht nicht auf den rechten Fuß verlagert werde, sondern 55 Prozent des Gewichts auf dem linken Fuß bleiben solle. Auf diese Idee haben ihn seiner Aussage nach Studien alter Golf-Champions gebracht.

          Das Ende der British Open erlebte Foley, der nach einem Kunststudium an der Universität von Tennessee nie professionell Golf spielte, übrigens nicht live. Um nicht an den beiden Schlusstagen in einen Gewissenskonflikt zu geraten, flog er bereits nach den ersten beiden Runden von Edinburgh zurück nach Florida.

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