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Schefflers Golf-Kolumne Der Sieger, der aus dem Krankenhaus kam

Sein Puls raste, sein Blutdruck schoss in die Höhe, Charlie Beljan hyperventilierte und war einer Ohnmacht nahe. „Ich habe geglaubt, ich könnte sterben“, sagte der Golf-Rookie - und gewann trotz aller Panikattacken das Turnier.

© AFP Vergrößern „Where Dreams come true“: Beljan gewinnt trotz aller Panikattacken das Disney-Turnier

Lohnt es sich, für seinen Arbeitsplatz seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen? Charlie Beljan beantwortete für sich die Frage mit einem eindeutigen Ja - und schrieb zum Saisonschluss der amerikanischen PGA Tour die vielleicht ungewöhnlichste Story des Golfjahres: Der Sieger, der aus dem Krankenhaus kam, eine Geschichte, die wohl nur zu einem  Turnier passt, das im sperrigen Namen das Wort „Miracle“ (Wunder) führt und sich im „Magic Kingdom“ von Disney World in Lake Buena Vista in Zentralflorida abspielte, in einer der größten Touristenattraktionen der Welt, die ihre Besucher mit dem Slogan „Where Dreams come true“ begrüßt.

In der Tat: Für den den 28-jährigen Profi aus Mesa in Arizona wurde am Sonntag beim Children’s Miracle Network Hospitals Classic ein Traum war. Beljan war als 135. der Geldrangliste der amerikanischen PGA Tour nach Lake Buena Vista angereist. Er musste im letzten Turnier des Jahres mindestens eine Top-Ten-Plazierung erreichen, um sich unter die gewinnreichsten 125 Spieler der lukrativsten Turnierserie im Golf zu schieben, die auch im nächsten Jahr die volle Spielberechtigung erhalten („fully exempt“).

Children's Miracle Network Hospitals Classic - Round Two © AFP Vergrößern Charlie Beljan auf dem Platz: „Gefühl, dass mein Herz aus der Brust springt“

Der Profi mit dem Gardemaß von 1,93 Meter, der als „Rookie“ (Neuling) in seinem ersten Jahr nur acht von 28 Cuts überstanden hatte, sicherte sich nicht nur seinen Job auf der PGA Tour für die nächsten zwei Jahre, sondern durch den mit 860.000 Dollar dotierten Erfolg auch die Einladung zu einer Reihe von Turnieren, die nur Siegern der PGA Tour vorbehalten sind, wie das „Tournament of Champions“ im Januar auf Maui,  für das letzte Major des Jahres, die PGA Championship sowie, für die Einladungsturniere von Arnold Palmer, Jack Nicklaus und Tiger Woods.

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„Mein Ziel ist irgendwann wenigsten einmal eine Trainingsrunde mit Mr. Tiger Woods zu spielen“, gab der überglückliche Sieger als Ziel für die nächste Saison aus. Der langjährige Branchenprimus wird ihm diesen Wunsch wohl erfüllen, denn was Beljan an diesem Tag leistete, wird auch Woods beeindruckt haben. „Ich arbeite seit 1971 als Caddie“, sagte Rick Adcox „aber so etwas habe ich mein Lebtag noch nicht gesehen. Ich habe bei jedem Schlag gedacht, dass das der letzte seine Lebens sein könnte.“

Children's Miracle Network Hospitals Classic - Round Two © AFP Vergrößern Sanitäter kümmerten sich auf dem Platz um den Golfer; Ärzte rieten ihm ab, weiter zu spielen

Am Freitag hatte den Boss von Adcox wieder einmal eine Panikattacke erfasst, so wie ihm das in den letzten zwei Monaten fünf oder sechs Mal passiert war: Der Puls raste, der Blutdruck schoss in die Höhe, Beljan hyperventilierte und war nach eigener Aussage mehrfach einer Ohnmacht nahe. „Ich hatte das Gefühl, dass mein Herz aus der Brust springt“, schilderte Beljan seinen Gesundheitszustand. Immer wieder nahm er im Schatten Platz, um sich zu beruhigen.

Die Symptome besserten sich nicht, Sanitäter begleiteten ihn auf den letzten neun Löcher - und trotzdem spielte Beljan eine glanzvolle Runde von 64 Schlägen mit der er die Halbzeitführung übernahm. Nachdem er seine Scorekarte überprüft und unterschrieben hatte, wurde er mit einer Trage in einen Krankenwagen verfrachtet und ins nächste Hospital gebracht. „Ich habe wirklich geglaubt, ich könnte sterben“, sagte Beljan.

Children's Miracle Network Hospitals Classic - Round Two © AFP Vergrößern „Ich habe wirklich geglaubt, ich könnte sterben.“

Die ganze Nacht versuchten die Ärzte mit allen möglichen Verfahren (Röntgen, MRT, alle möglichen Bluttests) die Ursache für die Probleme zu finden - ohne Erfolg. Beljan stellte die Diagnose schließlich selbst: „Eine Panikattacke, die außer Kontrolle geraten war.“ Um acht Uhr morgens ging es zurück ins Hotel, wo er wenigsten noch 90 Minuten schlafen konnte. Obwohl ihm die Ärzte dringend davon abgeraten hatten, weiter zu spielen, stand er pünktlich am ersten Abschlag. 

Mit 71 Schlägen verteidigte er seine Führung, aber in der Nacht vor der Schlussrunde streikte wiederum sein Körper: „Ich hatte wahnsinnige Kopf- und Bauchschmerzen“, erzählte Beljan. Aber alle Symptome verschwanden spätestens als er mit einer Reihe von Birdies von der Konkurrenz absetzte und zeitweise fünf Schläge Vorsprung hatte. Am Ende waren es noch zwei, aber das reichte um sich am 18. Grün von seiner Ehefrau Marisa mit dem sieben Wochen alten Sohn Graham im Arm und seiner Mutter, die am Abend eingeflogen waren, als Sieger feiern zu lassen.

Children's Miracle Network Hospitals Classic - Final Round © AFP Vergrößern Am nächsten Morgen stand er pünktlich am Abschlag

In den nächsten Tagen wird sich Beljan in der Mayo-Klinik auf Herz und Nieren untersuchen lassen, auch wenn er glaubt, dass seine Probleme durch den Stress als Neuling im ersten Jahr auf der Tour verursacht wurden. Zumindest die größte Sorge aller „Rookies“ ist Beljan los: Um seinen Arbeitsplatz muss er in den nächsten beiden Jahren nicht mehr bangen.

Sein Leben ist der Golfplatz: Wolfgang Scheffler beobachtet die Welt zwischen Rough, Bunker und Grün und schreibt über Sieger und Verlierer, Kurioses und Skurriles.

Quelle: FAZ.NET

 
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