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Schefflers Golf-Kolumne Der Reiz des großen Namens verblasst schnell

Wie der Vater, so der Sohn oder der Enkel: Die Nachfahren der Golflegenden Jack Nicklaus und Arnold Palmer versuchen ebenfalls ihr Glück mit dem kleinen Ball. Doch der Schatten der Vorbilder ist lang.

© AP Vergrößern Ein guter Ratgeber: Arnold Palmer hilft seinem Enkel Sam Saunders beim Putten

Bei Gary Nicklaus sagt schon der Name alles, bei Sam Saunders wissen nur Eingeweihte, um wen es sich handelt: zwei Golfer, die ihre Bekanntheit dem Vater (Jack Nicklaus) und Großvater (Arnold Palmer) verdanken. Doch im Golf zählen, anders als bei Pferderennen, Blutlinien wenig.

Ganz im Gegenteil, lebende Legenden als Vorfahren machen das Leben für die junge Generation nicht leichter. Wer golferisch versucht, in übergroße Fußstapfen zu treten, der muss ständig gegen überhöhte Erwartungen, die ein großer Name mit sich bringt, kämpfen. Gary Nicklaus war gerade Mal 16 Jahre alt und ein hoffnungsvoller High-School-Golfer als ihn „Sports Illustrated“ unter der Überschrift „The next Nicklaus“ auf der Titelseite feierte. Das Talent schien ihm in die Wiege gelegt: Mit elf Jahren absolvierte er erstmals eine Runde mit weniger als 80 Schlägen, für 95 Prozent aller Amateure eine magische Grenze. Mit 15 besiegte er erstmals in einer freundschaftlichen Runde den Herrn Papa.

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Doch statt dem Vater Jack Nicklaus, mit 18 Major-Siegen immer noch der erfolgreichste Golfer der Welt, nachzueifern, musste er sich nach seinem Übertritt ins Profilager 1991 jahrelang auf kleineren Turnierserien durchgeschlagen. Erst 1998 schaffte der die Qualifikation für die Europa-Tour. Ein Jahr später qualifizierte er sich für die PGA Tour. Aber bei 122 Turnierteilnahmen platzierte er sich nur ein einziges Mal unter den Top Ten: 2000 verlor er im Stechen bei der Bell South Classic gegen seinen amerikanischen Landsmann Phil Mickelson.

Jack Nicklaus, Gary Nicklaus © AP Vergrößern Skeptischer Blick: Jack Nicklaus (hinten) beobachtet Sohn Gary

Er landete nur vier Mal unter den Top 25 und schaffte 33 Mal den Cut. Das brachte ihm insgesamt 693.571 Dollar Preisgeld ein - nicht genug, um seinen Arbeitsplatz auf Dauer zu erhalten. Als er 2003 die Tour School (Qualifikationsturnier für die PGA Tour) nicht überstand, gab er seinen Job auf - und hatte doch ein gesichertes Einkommen. Auch für ihn war wie für die anderen Nicklaus-Söhne ein Platz im umfangreichen Firmengeflecht des Vaters frei.

Comeback mit 40

„Ich habe nur bei einer Handvoll von Turnieren gut gespielt, aber die meiste Zeit hatte ich Schwierigkeiten, den Cut zu überstehen. Ich spielte mehr als 30 Turniere im Jahr, war lange Zeit weg von zu Hause. Es war eine lange, anstrengende Plackerei. Mein Vater und heute Tiger Woods spielen Golf, um große Meisterschaften zu gewinnen. Ich stand immer unter dem Druck, genug Geld zu gewinnen, um die Tourkarte zu behalten“, begründete Nicklaus junior seinen Ausstieg aus dem Profigolf. Diesem Druck war er nicht gewachsen.

Sechs Jahre später ist das vergessen: Gary Nicklaus ist mittlerweile 40 Jahre alt, hat eine Frau und drei Kinder. Trotzdem spielt er von Dienstag bis zum Freitag (22. bis 25. September) bei der Pre-Qualifying der PGA Tour in Dallas mit, um sich für die Tour School (Endqualifikation über sechs Runden) im Bear Lakes Golf Club in Palm Beach, einem von seinem Vater (Spitzname „The golden Bear“) entworfen Platz nahe seines Wohnortes, zu qualifizieren.

Gary Nicklaus war im Frühjahr 2007 reamateurisiert worden. Nach Jahren fast vollständiger Golfabstinenz fing er wieder an, zu trainieren. Der Erfolg bei einem kleineren Amateurturnier weckte in ihm das Verlangen, es noch einmal zu versuchen: „Ich will mich mit den Besten messen.“ Er hat einen Vorteil: Nach dieser Vorgeschichte erwartet niemand mehr viel von ihm, wahrscheinlich nicht einmal er selbst.

Der Enkel Arnold Palmers

Bei Sam Saunders ist das sicherlich anders. Der 22-jährige Enkel von Arnold Palmer, mit sieben Major-Siegen in seinen besten Tagen zusammen mit dem Südafrikaner Gary Player der Erzrivale von Jack Nicklaus, ist gerade erst nach seinem vorzeitigen Scheitern bei der US Amateur Championship in Tulsa ins Profilager übergetreten. Er hatte ein Golfstipendium an der Clemson University, aber das Studium hat er erst einmal abgebrochen.

Er versucht sein Glück ebenfalls in Dallas. Auch er wird seit jungen Jahren als Talent gepriesen, durfte als Clubmeister des Bay Hill Golf Clubs seines Opas in Orlando einige Mal beim PGA-Einladungsturnier in seinem Heimatclub mitspielen. Beim letzten Masters-Auftritt von Arnold Palmer, der vor wenigen Tagen seinen 80. Geburtstag feierte, hatte er seinen Großvater vor sechs Jahren als Caddie unterstützt - und schon damals davon gesprochen, eines Tages mit Golf sein Geld verdienen zu wollen.

Ein großer Name hilft auch im Profigolf

Sam Saunders hatte als Neuprofi keine Schwierigkeit sofort eine Wildcard für ein Turnier der Nationwide Tour, der zweiten Liga der Vereinigten Staaten, zu erhalten. Nach zwei Runden von 71 Schlägen scheiterte er vergangenen Freitag am Cut in Boise (Idaho).

Ein großer Name hilft auch im Profigolf, man bekommt Chancen, die anderen hoffnungsvollen Talenten versperrt bleiben. Aber in diesem knallharten Gewerbe wird niemand etwas auf Dauer geschenkt. Wer spielend seinen Lebensunterhalt bestreiten will, muss genügend Geld einspielen. Denn der Reiz des großen Namens verblasst schnell, wenn die Erfolge ausbleiben. Irgendwann müssen sie aus dem Schatten ihrer Vorfahren treten. Sam Saunders weiß das: „Ich will nicht nur als Enkel von Arnold Palmer bekannt sein. Ich will mir selbst einen Namen machen.“

Nachtrag:

Sowohl Gary Nicklaus als auch Sam Saunders haben das Pre-Qualifying-Turnier der PGA Tour in Dallas/Texas überstanden und sich für Stage 1 der Qualifying School qualifiziert.

12. u.a. Gary Nicklaus, North Palm Beach, Florida 281 (70+68+73+70/1 über Par)

18. u.a. Sam Saunders, Orlando, Florida 282 (76+67+74+65/2 über Par)

Es gewann der Amerikaner Michael Smith mit 272 Schlägen.

Wolfgang Scheffler beleuchtet jeden Dienstag für FAZ.NET die große Welt des kleinen Balls in Sonderseite: Schefflers Golf-Kolumne.

Quelle: FAZ.NET

 
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