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Schefflers Golf-Kolumne : Der glücklichste Schlag seines Lebens

  • -Aktualisiert am

Sichtlich stolz: Jordan Spieth gewinnt sein erstes PGA-Turnier Bild: AP

Jordan Spieth gelingt nicht nur ein außergewöhnlicher Schlag, sondern auch ein besonderer Sieg. Dabei ist er noch nicht einmal 20 Jahre alt. Vor den British Open hat der Amerikaner nur eine Sorge.

          „Es war der glücklichste Schlag meines Lebens“, sagte Jordan Spieth – und vielleicht war es auch der der Jubel um diesen Glückstreffer am 18. Loch der John Deere Classic in Silvis (Illinois), der den hinter ihm spielenden Routinier erschütterte. Der 19 Jahre alte Texaner aus Dallas versenkte aus 40 Metern den Ball aus dem Grünbunker im Loch, allerdings mit tatkräftiger Hilfe des Flaggenstocks. Hätte die Stange den Ball, der mit viel zu viel Tempo unterwegs war, nicht gestoppt, wäre der Ball vermutlich im Teich am Rande des Grüns verschwunden.

          So aber fiel er ins Loch. Damit gelang dem Jüngling ein Birdie, mit 19 unter Par konnte er zusehen, wie sein 37 Jahre alter Landsmann Zach Johnson, der Titelverteidiger und Masters-Sieger von 2007, anschließend mit einem Bogey am Schlussloch den Sieg verspielte und damit mit dem 34 Jahre alte Kanadier David Hearn und Spieth ins Stechen musste.

          Spieth, der am 27. Juli zwanzig Jahre alt wird, gewann das Sudden Death am fünften Extra-Loch mit einen Par – und schaffte damit etwas, was weder Tiger Woods, Phil Mickelson noch Rory McIlroy gelungen war, die alle erst jenseits ihre 20. Geburtstags auf der amerikanischen PGA Tour siegten. Mit Spieth gewann erstmals seit 82 Jahren wieder ein Teenager ein Turnier der lukrativsten Turnierserie der Welt.

          Er tat es damit Ralph Guldahl gleich, der wie Spieth aus Dallas stammte und 1931 als ebenfalls Neunzehnjähriger bei der Santa Monica Open triumphiert hatte – in seinem ersten Profijahr. Guldahl gewann in seiner Laufbahn drei Majors, die US Open 1937 und 1938 – übrigens der letzte, der dabei einem Schlips trug – sowie das Masters im Jahre 1939.

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          Als Lohn wartet auch ein gut dotierter Sieger-Scheck :

          Seit diesem Sonntag gibt es nicht wenige, die Spieth zutrauen, in nicht allzu ferner Zukunft wie sein texanischer Landsmann Guldahl auch Majors zu gewinnen. Die erste Gelegenheit bietet sich ihm bereits von diesem Donnerstag bis Sonntag bei der British Open in Muirfield in Schottland, für die er sich ebenso wie für das Masters im nächsten Jahr durch seinen mit 828.000 Dollar dotierten Sieg qualifizierte.

          Dieser Erfolg setzt das i-Tüpfelchen auf den rasanten Aufstieg des Jungstars. Schon vor drei Jahren hatte er als Sechszehnjähriger bei der Byron Nelson Championship in Irving (Texas), einem Vorort von Dallas, auf der PGA Tour für Schlagzeilen gesorgt. Er schaffte nicht nur den Cut, sondern belegte sogar den 16. Platz.

          2012 wechselte er ins Profilager

          Nach einer glanzvollen Amateur-Karriere, in der er zeitweise die Amateur-Weltrangliste anführte, war er seit Tiger Woods der Erste, der die amerikanischen Junioren-Meisterschaften mehrmals gewann (2009 und 2011). Dazu feierte er drei Einzelsiegen bei NCAA (College-)Turnieren und den Erfolg mit dem Team der University of Texas Austin bei den amerikanischen NCAA-Mannschaftsmeisterschaften 2012.

          Im Herbst vorigen Jahres nahm er noch als Amateur an Qualifying School für die PGA Tour teil. Er schaffte zwar den Sprung auf PGA Tour nicht, wagte aber Ende 2012 dennoch den Wechsel ins Profilager. Entweder schlug er sich über die so genannten Monday-Qualifier durch oder kam durch Einladungen ins Feld. Er machte das Beste daraus. Vor allem dank eines zweiten Platzes in Puerto Rico und dem siebten Platz in Tampa hatte er im März schon so viel Geld eingenommen, wie der 150. der letztjährigen Geldrangliste der PGA Tour.

          Mehr als zwei Millionen Dollar Preisgeld

          Damit erhielt er den Status eines „Special Temporary Members“, was bedeutete, dass er so unbegrenzt viel Einladungen zu Turnieren der PGA Tour annehmen durfte. Auch in Silvis, wo allerdings die Creme de la Creme des Golfs fehlte, durfte er nur dank einer Einladung mitspielen. Spieth hat jetzt an 16 Turnieren der PGA Tour teilgenommen, zwölf Mal den Cut geschafft und war sechs Mal unter den Top Ten gelandet. Der Lohn für diese Mühe: mehr als zwei Millionen Dollar Preisgeld.

          Einladungen zu Turnieren braucht er jetzt nicht mehr: Als Turniersieger hat er seinen Arbeitsplatz bis Ende 2015 sicher. In der Jahreswertung, dem FedEx-Cup, rückte er auf den elften Platz vor und ist damit schon für die ersten beiden Play-off-Turniere im Spätsommer qualifiziert. In der Weltrangliste ist Spieth, der das Jahr jenseits den 800. Platzes begann schon bis auf Rang 59 geklettert.

          „Ich habe nur kurzärmeligen Hemden dabei“

          Noch am Sonntagabend bestieg er ein Sonderflugzeug, das etliche Profis von Illinois nach Edinburgh flog – obwohl sich Spieth sorgte: „Ich habe nur kurzärmeligen Hemden dabei, schlecht für Schottland.“ Wir können den jungen Mann beruhigen. Der Wetterbericht verheißt für die 142. Open Championship durchgehend schönes Wetter, fast nur Sonnenschein bei Höchsttemperaturen zwischen 20 und 24 Grad.

          Wolfgang Scheffler beobachtet in seiner wöchentlichen Kolumne die Golf-Welt und schreibt über Kurioses, Lustiges und Skurriles. Alle Texte finden Sie auf der FAZ.NET-Sonderseite „Schefflers Golf-Kolumne”.

          Quelle: FAZ.NET

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